Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz)

Mehr als 12 Millionen Menschen in Deutschland können Milch nicht richtig verdauen. Durchfall, Übelkeit, Verdauungsstörungen und Bauchschmerzen sind die Folgen. Die Ursache einer Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) ist das Fehlen oder die unzureichende Aktivität des Verdauungsenzyms Laktase. Dieses Enzym spaltet an der Dünndarmschleimhaut des Menschen Milchzucker (Laktose) in die Bestandteile Glukose und Galaktose. Ist diese Funktion gestört, gelangt der Milchzucker in den mit Bakterien besiedelten Dickdarm und dient dort den Dickdarmbakterien als Nahrung. Der Milchzucker und die bei der bakteriellen Fermentation entstehenden kurzkettigen Fettsäuren führen zu einem Wassereinstrom in den Dickdarm. Durch den Dehnungsreiz wird gleichzeitig die Darmbewegung angeregt. Die dadurch auftretenden Beschwerden reichen je nach Ausmaß der Milchzuckerunverträglichkeit von Blähungen und Völlegefühlen bis hin zu krampfartigen Bauchschmerzen und wässrigen Durchfällen.

Angeboren oder erworben?

Während die Häufigkeit in Deutschland bei 15 Prozent liegt, leiden in Asien 90 bis 100 Prozent der Bewohner an der Enzymmangelerkrankung. Weltweit sind mehr als 50 Prozent der Bevölkerung betroffen.

Neben einem primären oder angeborenen Laktasemangel, der sich bereits im Säuglingsalter manifestiert, unterscheidet man den erworbenen oder sekundären Laktasemangel. Der erworbene Laktasemangel des Erwachsenen kann sich bei bis dahin normaler Milchzuckerverträglichkeit aufgrund von Dünndarmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Zöliakie entwickeln. Weitere Auslöser scheinen bakterielle Infektionen, Pilzinfektionen des Darms, Darmgrippe, Magen- und Darmoperationen sowie die Gabe von Antibiotika oder Zytostatika zu sein. Die genaue Ursache für den Verlust der Enzymaktivität im Erwachsenenalter ist nicht bekannt.

 

Diagnose von Laktoseintoleranz

Obwohl in Deutschland etwa zwölf Millionen Menschen von einer Milchzuckerunverträglichkeit (Laktoseintoleranz) betroffen ist, fristet die Krankheit ein Schattendasein: Häufig vergehen Jahre bis zur richtigen Diagnose der Milchzuckerunverträglichkeit. Wer wegen seiner Beschwerden, insbesondere Durchfall und Blähungen einen Arzt aufsucht, erlebt oft eine herbe Enttäuschung. Der Weg bis zur richtigen Diagnose Milchzuckerunverträglichkeit ist lang, oft vergehen Jahre, bis mit einer einfachen aber erfolgreichen Ernährungstherapie begonnen wird.

Das rechtzeitige Erkennen des Laktasemangels würde so manchen verzweifelten, leidgeplagten Patienten vor unangenehmen Untersuchungen oder sogar Verlegenheitsdiagnosen beispielsweise einer psychosomatischen Erkrankung bewahren. Die unspezifisch und individuell variablen Symptome nach dem Verzehr von laktosehaltigen Lebensmitteln, unter anderem Durchfall, Völlegefühl, Blähungen, krampfartige Schmerzen, Darmgeräusche, Müdigkeit oder sogar depressive Verstimmung liefern Hinweise auf die Erkrankung.

Die Diagnose erfolgt über den Milchzuckerbelastungstest oder H2-Atemtest. Ist der Laktasemangel angeboren, muss sich der Patient auf eine dauerhafte Ernährungsumstellung einstellen. Tritt er erst mit zunehmendem Lebensalter und in Zusammenhang mit einem der o.g. Auslöser auf, führt eine Behandlung der Grunderkrankung zu einer deutlichen Besserung der Symptome.

 
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