Moderne Kariesbehandlung

"Er hat ja gar nicht gebohrt" - das ist heute nichts Ungewöhnliches mehr. Denn die Möglichkeiten der sanften Zahnbehandlung sind immer weiter fortgeschritten - und sie nehmen vielen Menschen die Angst, die gerade vor Bohrern und Betäubungsspritzen besonders groß ist. Schon heute gibt es sanfte Alternativen, die allerdings noch der wissenschaftlichen Überprüfung standhalten müssen: Zahnärzte entfernen Karies mit Druckluft und einem Spezialgel, behandeln kranke Zähne mit Ozongas und benutzen statt der Spritze einen Betäubungsstick - ohne Nadel.

Munduntersuchung

Gesunde Zähne und weniger Angst bei den Patienten: Das sind die erfreulichen Auswirkungen der medizinischen Innovationen. Schon Früherkennung und Diagnose sind heute besser und für den Patienten angenehmer denn je: So gibt es beispielsweise moderne Röntgengeräte, die eine reduzierte Strahlenbelastung verursachen. Für Untersuchungen im Mund kann der Zahnarzt eine digitale Mundkamera nutzen. So bildet er die Situation im Gebiss des Patienten auf einem Bildschirm ab und beide können gemeinsam die anstehende Behandlung besprechen. Dabei fühlt sich der Patient besser einbezogen und dem Tun des Zahnarztes weniger ausgeliefert. Er kennt die Ausgangssituation und kann die folgenden einzelnen Behandlungsschritte besser einschätzen.

 

Mit Druckluft und Gel gegen Karies

Aus den USA stammt ein neues System, das Karies mit Hilfe von Druckluft entfernt: Winzige Partikel eines medizinischen Wirkstoffs werden unter Druckluft präzise auf die Zahnoberfläche gebracht. Die Partikel sprühen die kariöse Stelle einfach weg. Eine in Schweden entwickelte Methode nutzt dagegen ein spezielles Gel statt eines Bohrers, der häufig auch gesunde Zahnsubstanz mit entfernt. Das Gel wird auf die kariöse Stelle aufgetragen und macht die Karies weich. Anschließend lässt sie sich mit einem Handgerät leicht abschaben. Beide Modelle sollen für eine geräuschlose und schmerzarme Behandlung sorgen und so den Zahnarztbesuch angenehmer machen. Ob die Methoden den gleichen Nutzen wie die herkömmlichen Karies-Entfernung haben, muss weiter überprüft werden.

 

Ozon als Karieskiller

Der Aktivsauerstoff Ozon ist eine andere Alternative in der Kariesbehandlung. Kleine Schäden durch Fissuren- oder Wurzelkaries können mit dieser Methode beseitigt werden. Die zu behandelnde Stelle wird zunächst sorgfältig gereinigt und anschließend für einige Sekunden mit Ozon begast. Der Effekt: Das Ozon durchdringt die Karies und tötet die darin enthaltenen Mikroorganismen ab - ohne negative Nebenwirkungen, denn das Gas wird sofort unter Herstellung eines Vakuums wieder abgesaugt. Danach beginnt die eigentliche Reparatur: Ein mineralisierender Lack wird aufgetragen. So wird die kariöse Stelle nicht abgetragen oder ausgebohrt, sie wird vielmehr durch den Lack gehärtet und kann im Zahn bleiben. Der Erfolg dieser Methode ist zum momentanen Zeitpunkt noch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt.

 

Spritze ohne Nadel

Mittlerweile ist sogar die nadelfreie Injektion von Betäubungsmitteln möglich: Für die sonst recht schmerzhafte Spritze im Bereich der Frontzähne wurde ein Stick entwickelt, der das Betäubungsmittel mittels Druck unter die Schleimhaut bringt. Der Patient spürt nur ein kurzes Klopfen, keinen Einstich. Manchmal ist eine Spritze aber unausweichlich, etwa bei Wurzelbehandlungen. Doch auch hier gibt es Hilfe: Ein computergesteuertes Betäubungssystem minimiert den Schmerz beim Einführen der Nadel in tiefere Gewebeschichten. Dafür misst das System den Widerstand des Gewebes und gibt dann nur so viel Anästhesielösung ab, wie zur Betäubung des Bereiches um die Nadelspitze nötig ist. So macht sich die Nadel ihren weiteren Weg ins Gewebe vorab quasi selbst schmerzfrei.

 

Minimalinvasive Techniken

Die minimal-invasive Füllungstherapie ist wesentlich schonender und damit schmerzärmer als die klassische Methode. Der Grund: Es werden nur sehr kleine Kavitäten gebohrt und damit mehr gesunde Zahnsubstanz erhalten als bei vergleichbaren Therapieformen. Außerdem wird durch diese Technik auch die optische und funktionelle Gestaltung der Füllung erheblich verbessert. Die substanzschonende und defektbezogenen Vorgehensweise stellt hohe Ansprüche an das Können und die Ausrüstung des Zahnarztes. Gleiches gilt für Zahnfleischbehandlungen, wobei hier durch mikroskopische Techniken der Eingriff kleiner und die postoperative Schwellungen, und damit auch die Schmerzen, geringer gehalten werden können.