Parodontitis: Zahnpflege für starke Zähne

Mindestens jeder dritte Deutsche leidet unter Parodontitis. Typisches Alarmzeichen: rotes, geschwollenes Zahnfleisch, das leicht blutet. Unbehandelt kann die Entzündung den ganzen Körper schwächen. Parodontitis ist meist auf mangelnde Mundhygiene zurückzuführen, auch heute besteht beim Thema Zahnpflege noch Aufklärungsbedarf. Denn die durchschnittliche Putzdauer beträgt nur gut eine Minute. Nur maximal zweimal im Jahr wechseln wir die Zahnbürste. An Zahnseide verbrauchen wir 4,1 Meter in zwölf Monaten – 183 Meter wären nötig, um die Zahnzwischenräume täglich zu reinigen. Die mangelnde Mundhygiene bleibt nicht ohne Folgen: 80 Prozent der Erwachsenen hatten schon einmal Zahnfleischbluten, etwa beim Biss in einen Apfel. Das ist die erste Stufe der Parodontitis, einer chronischen Entzündung des Zahnbettes.
Parodontitis : Bakterien sitzen in Zahnfleischtaschen
Verantwortlich für eine Parodontitis sind bakterielle Beläge (Plaque) am Zahnfleischrand und in den Zahnzwischenräumen. „Bleiben diese zunächst weichen Beläge über einen längeren Zeitraum bestehen, entsteht Zahnstein“, erklärt Prof. Jörg Meyle, Direktor der Poliklinik für Parodontologie der Universität Gießen. Die Entzündung kann sich auf den gesamten Zahnhalteapparat ausdehnen und neben dem zahnumgebenden Gewebe auch den Kieferknochen beschädigen. Es entstehen Zahnfleischtaschen, in denen sich die Bakterien bis tief unter den Zahnfleischrand ausbreiten und die Entzündung weiter verstärken. Unser Zahnfleisch ist aber nicht nur wichtig als Verankerung für die Zähne. Wenn es entzündet ist, gefährdet es auch unsere Gesundheit. Denn die Bakterien können in den Blutkreislauf gelangen und sich im gesamten Körper ausbreiten. Studien belegen, dass Parodontitis das Herzinfarkt- und das Schlaganfallrisiko sowie das Risiko für Frühgeburten erhöht. Auch rheumatische Erkrankungen und Diabetes können durch Parodontitis begünstigt werden.
Richtige Zahnpflege beugt Parodontitis vor
Um eine Parodontitis zu vermeiden, ist die richtige Zahnpflege das A und O. Dazu gehört nicht nur zweimal täglich gründliches Putzen, sondern auch die tägliche Verwendung von Zahnseide oder Interdentalzahnbürstchen. Vor allem abends sollte man die Zähne sorgfältig reinigen, da der Körper nachts weniger Speichel produziert. Deshalb sind Zähne und Zahnfleisch in dieser Zeit möglichen Attacken nahezu schutzlos ausgeliefert. Wichtig: Finger weg vom Nikotin! Rauchen erhöht das Parodontitisrisiko auf das Vier- bis Sechsfache, da es die Durchblutung beeinträchtigt und die Abwehr schwächt. Empfehlenswert hingegen ist, mindestens einmal im Jahr beim Zahnarzt eine professionelle Reinigung vornehmen zu lassen. Bei bereits ausgeprägter Parodontitis muss der Arzt die Entzündung in den Zahnfleischtaschen so schnell wie möglich stoppen. Nach der professionellen Zahnreinigung entfernt er den tief unter dem Zahnfleisch auf den Zahnwurzeln haftenden Biofilm und glättet die Wurzeloberflächen. „In schweren Fällen kann eine Gabe von Antibiotika die Parodontitis-Therapie sinnvoll unterstützen“, sagt Prof. Meyle. Wenn Sie also kerngesund bleiben wollen und keine Lust auf dritte Zähne haben, schenken Sie Zähnen und Zahnfleisch die nötige Aufmerksamkeit und Pflege. Welche Zahnbürste oder Zahnpasta Sie dabei benutzen, ist eher zweitrangig. Auf die Sorgfalt kommt es an und darauf, sich für seine Zähne Zeit zu nehmen.
Autor/Quelle: Uta König
