Alkohol am Steuer

Gerade im Karneval kann die gute Feierlaune ganz schnell kippen: Spätestens dann nämlich, wenn der Führerschein wegen Alkohol am Steuer entzogen wird. Die anschließende autofreie Zeit muss der Verkehrssünder nutzen, um sich über seine Trinkgewohnheiten klar zu werden.

Zweite Chance "MPU"

In der Regel ist mit dem Führerscheinverlust eine medizinisch-psychologische Untersuchung, kurz MPU genannt, verbunden. Die wird vom Gericht angeordnet, um festzustellen, ob der Fahrer zum Führen von Kraftfahrzeugen geeignet ist. Im Gegensatz zur Führerscheinprüfung geht es bei der medizinisch-psychologischen Untersuchung nicht um Wissen im Straßenverkehr, sondern um die charakterliche Eignung zum Autofahren. Und die wird stark angezweifelt, wenn man alkoholisiert Auto fährt.

Wer mit Alkohol im Blut am Steuer von der Polizei gestellt wird, ist vorher schon bis zu 3000-mal alkoholisiert gefahren - zumindest laut Statistik. Und wer mit 1,6 Promille Blutalkohol am Straßenverkehr teilnimmt, der hat bereits seit längerem ein Alkoholproblem. Die überwiegende Zahl derjenigen, die an der MPU teilnehmen, tut dies wegen Alkohol am Steuer. In Deutschland wird diese Untersuchung rund 100.000 mal pro Jahr durchgeführt.

 

Medizinisch und psychologisch

Die MPU, im Volksmund auch gerne Idiotentest genannt, besteht aus insgesamt drei Teilen. Die medizinische Untersuchung und die Prüfung der Leistungs- und Reaktionsfähigkeit sollen Aufschluss über die körperliche Verfassung des Verkehrssünders geben, während mit der psychologischen Untersuchung Zweifel an der psychischen Eignung zum Autofahren ausgeräumt werden sollen. Mit Hilfe eines Fragebogens wird zum Beispiel bei der medizinischen Untersuchung sowohl nach Tabletten- und Medikamenteneinnahme wie nach Alkoholkonsumgewohnheiten.

 

Nicht idiotisch

Der gesamte psychologische Test enthält fast 500 Fragen. Er wird aber in der Regel auf rund 200 Fragen verkürzt. Dabei muss der Prüfling sehr schnell sagen, ob eine Aussage auf ihn zutrifft oder nicht. Die Fragen sind ungeordnet und gehen quer Beet durch eine Vielzahl von Themen. Einige der Fragen, die nur mit "Ja" oder "Nein" beantwortet werden, könnten zu Beispiel lauten:

  • Mein Magen ist sehr empfindlich
  • Als Kind habe ich mich gerne geprügelt
  • Meine Mutter meint es selten gut mit mir
  • Auf Parties ist mir meistens langweilig
  • Die Gelbphasen an Ampeln sind zu kurz
  • Autofahren macht sehr viel Spaß
  • Ich bin manchmal sehr traurig
  • Ich werde schnell rot
  • Ich lüge nicht

 

Ohne Vorbereitung geht es nicht

Wie entscheidend das erfolgreiche Abschneiden bei der MPU für die Wiedererlangung des Führerscheins ist, wird häufig unterschätzt. Experten raten dringend davon ab, sich der Untersuchung unvorbereitet zu unterziehen. Bei der ersten MPU fallen ca. 50% der Betroffenen durch und selbst bei 20% ist immerhin noch eine Nachschulung notwendig. Nur rund 30% aller Prüflinge erhalten mit der absolvierten ersten MPU ihren Führerschein zurück.

Zur Vorbereitung auf die MPU gibt es eine Reihe von Ratgeber-Büchern und -Kursen. Nach Ansicht von Experten ist es jedoch am sinnvollsten, sich einer verkehrspsychologischen Beratung zu unterziehen. Diese ist kostenpflichtig und wird entweder in Einzelsitzungen oder in Gruppengesprächen durchgeführt. Je nach Komplexität des Sachverhaltes können die Kosten, die vom Prüfling selbst gezahlt werden müssen, zwischen 500 und 800 Euro liegen.

 

Sofort abstinent werden!

Wer glaubhaft machen will, dass er kein Alkoholproblem hat und seinen Führerschein deshalb wieder bekommen sollte, der sollte mit dem Moment des Führerscheinverlustes abstinent werden. Das wird glaubhaft und nachweisbar, wenn die Leberwerte zum Beispiel vom Hausarzt regelmäßig kontrolliert und protokolliert werden.

Sinn der Zeit ohne Führerschein ist es, sich mit dem seinem Alkoholproblem auseinanderzusetzen und zu einer nachhaltigen Verhaltensänderung zu kommen. Daher sollte man den Grund des Führerscheinentzuges nicht kleinreden, sondern sich konstruktiv damit beschäftigen. Das geht auch in einer ambulanten Suchtberatung oder einer betreuten Selbsthilfegruppe.

 

Wieviel darf man vor dem Fahren trinken?

Die Frage sollte in dieser Form am besten gar nicht erst gestellt werden. Wer mit Freunden feiert und dabei Alkohol trinkt, der sollte die Schlüssel abgeben und das Auto hinterher stehen lassen. Zwar ist im Straßenverkehrsrecht eine Blutalkoholkonzentration von 0,5 Promille als "Gefahrengrenzwert" festgelegt, doch auch schon bei niedrigeren Konzentrationen kann die Fahrtüchtigkeit eingeschränkt sein. Der Alkohol wird im Körper hauptsächlich über die Leber abgebaut. Weil bei diesem Abbauprozess CO2 und Fettsäuren entstehen, kann man Alkohol nicht "ausschwitzen": Ein Saunagang anschließend wäre also nicht nur sinnlos, sondern überaus stark kreislaufbelastend.

Der Körper baut sehr konstant 0,1 g Alkohol pro Kilogramm Körpergewicht pro Stunde ab und zwar bereits mit dem ersten Schluck Alkohol, den man zu sich nimmt. Männer und Frauen verarbeiten Alkohol ganz unterschiedlich, was nicht nur den geschlechtstypischen Gewichtsunterschieden liegt. Auch hormonelle Unterschiede, die Resorption von Alkohol und aufgenommener Nahrung und andere Leberenzyme spielen dabei eine Rolle. Der Abbauprozess ist noch nicht vollständig geklärt.

 

Kein Alkohol am Steuer

Richtwerte, wer wie viel trinken darf, bevor die strafrechtlich relevante Grenze erreicht ist, gibt es zwar. Aber da jeder Mensch abhängig von den Umständen ganz unterschiedlich auf Alkohol reagiert, sind diese Richtwerte im Einzelfall völlig unbrauchbar. Berücksichtigen sollte man aber auf jeden Fall den Restalkohol am nächsten Morgen. Zum Alkoholabbau benötigt der Körper in etwa so viele Stunden wie man Gläser getrunken hat. Daher kann man auch am Morgen danach noch seinen Führerschein verlieren. Und hat dann vermutlich nicht nur einen gewaltigen Kater, sondern auch noch großen Katzenjammer.