Wege aus der Angst - Wirksame Hilfe bei Panik und Phobien

Von einem Moment zum anderen schnürt sich die Brust zu, als ob jemand einen Eisenring immer fester zurrt. Im gleichen Augenblick bleibt die Luft weg. Vera S. bekommt Todesangst. Ihr erster Gedanke: Herzinfarkt. Der Notarztwagen bringt sie ins Krankenhaus. Langsam bessern sich die Symptome. Bei der anschließenden Untersuchung können die Ärzte nichts finden. Die 34-Jährige ist körperlich völlig gesund. Fast vier Jahre hat es gedauert, bis ihr endlich geholfen wurde – in der Angstambulanz an der psychiatrischen Klinik der Uni Düsseldorf.
Vera S. ist kein Einzelfall, wie Diplom-Psychologe Frank Meiners von der DAK berichtet: "Angststörungen sind sehr gut zu behandeln. Trotzdem brauchen die Patienten im Durchschnitt etwa sieben Jahre, bis sie die richtige Therapie erhalten." Einer der Gründe ist sicherlich, dass die Betroffenen zunächst an eine körperliche Erkrankung denken und entsprechend den Hausarzt, Internisten oder Herzspezialisten aufsuchen. Es folgen oftmals zahlreiche Tests. "Die Unsicherheit des behandelnden Arztes führt häufig zu einer intensiveren Ursachenforschung", so Meiners. "Die Patienten fordern weiterführende Untersuchungen, weil sie wissen wollen, welche Krankheit sie haben und wie diese zu behandeln ist."
Scheu vor einer Therapie
Hinzu kommt, dass sich viele Menschen vor dem Gang zum Psychotherapeuten scheuen. Schließlich soll keiner denken, man sei "verrückt". Dazu der Ärztliche Leiter des Bereiches Verhaltenstherapie an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf, Prof. Dr. Iver Hand: "Mindestens 30 Prozent der Deutschen haben eine latente Angstbereitschaft. Sie gehen aber nicht in eine Therapie, da die Beschwerden gerade noch erträglich sind." Dabei gibt es inzwischen effektive Methoden, um Ängste und Phobien zu besiegen. Am erfolgreichsten ist die Verhaltenstherapie. Hierbei lernen die Patienten, angstauslösende Situationen aufzusuchen, die Angst-Panikreaktion zu bewältigen und nicht gleich beim ersten Schweißausbruch zu flüchten. Sie erfahren, dass die auftretenden Symptome nicht lebensbedrohlich sind und nach einiger Zeit von selbst wieder verschwinden.
Verhaltenstherapie, Psychoanalyse oder Arzneimittel?
- Bei der Verhaltenstherapie nutzen die Ärzte oder Diplom-Psychologen entweder die Expositionsmethode oder das kognitive Verfahren. Bei der Expositions- bzw. Konfrontationsmethode lernt der Patient mit Hilfe des Therapeuten, sich schrittweise genau der Situation auszusetzen, vor der er Angst hat. Der Agoraphobiker fährt beispielsweise U-Bahn, die Spinnenphobikerin fasst am Ende der Therapie eine Spinne an. So erfährt der Patient, dass seine Ängste wieder abklingen und er die Situation durch Gedanken und Gefühle beeinflussen und kontrollieren kann. Die kognitive Methode konzentriert sich zusätzlich auf die typischen Katastrophengedanken wie "Hilfe, ich werde ohnmächtig" oder "Ich sterbe". In Gesprächen vermittelt der Therapeut dem Patienten, wie er die angstauslösenden Situationen realistisch einschätzen und bewerten kann.
- Bei schweren Angststörungen oder psychischen Zusatzstörungen sowie gravierenden Problemen in der Lebensführung erfolgt die so genannte multimodale Verhaltenstherapie. Hierbei werden neben den symptombezogenen Maßnahmen auch die Ursachen behandelt. Bei der Psychoanalyse versucht der Therapeut, den Grund für die Angststörung herauszufinden. Mit verschiedenen Techniken ruft er verdrängte Konflikte ins Bewusstsein des Betroffenen zurück, um den Auslöser der Angststörung aufzudecken.
- Bei schweren Angststörungen oder zusätzlichen Depressionen verordnen Ärzte mitunter auch parallel zur Verhaltenstherapie Medikamente. Sie bewirken, dass Betroffene weniger Ängste haben, entspannter und ruhiger sind und nachts besser schlafen können. Auf diese Weise werden die Patienten besser einer Verhaltenstherapie zugänglich. Erste Wahl sind meistens Antidepressiva, die den Botenstoff Serotonin im Gehirn beeinflussen und nicht abhängig machen.
Wo bekommt man Hilfe?
Krankhafte Ängste und Phobien sind kein Schicksal, das Sie einfach hinnehmen müssen. Es gibt konkrete Hilfe – unter anderem bei einer der zahlreichen Angstambulanzen in Deutschland. Diese sind meistens an einer Klinik für Psychosomatik, einer (Universitäts-)Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie und neuerdings auch an den Ausbildungs- und Forschungsambulanzen der Universitäts-Institute für Psychologie zu finden. Nicht zu vergessen sind die Ambulanzen der Aus- und Weiterbildungsinstitute für Verhaltenstherapie.
Hausärzte stellen eine Überweisung für eine Verhaltenstherapie aus. Der Patient kann die Therapie entweder in der Angstambulanz oder beim niedergelassenen Verhaltenstherapeuten in Anspruch nehmen. Die Therapeuten können Fachärzte oder Diplom-Psychologen mit einer Zusatzausbildung in Verhaltenstherapie sein. Die Kosten tragen die Krankenversicherungen, nachdem ein entsprechender Antrag der Betroffenen und ein Bericht des behandelnden Therapeuten zu einer Kostenübernahme-Erklärung eingereicht wurden.
Quelle: DAK
