Hängen ADHS & Depression zusammen?
Obwohl die Krankheitsmerkmale von ADHS eher extrovertiert und die von Depressionen eher introvertiert sind, verfügen beide Erkrankungen über klassische Symptome wie Konzentrationsmangel und können auch mit ähnlichen Medikamenten (Stimmungsaufhellern) behandelt werden. In einer aktuellen Studie haben Wissenschaftler die Entwicklung von ADHS und Depressionen bei kleinen Kindern bis zum Erwachsenenalter verfolgt. Dr. Rose Shaw, Psychotherapeutin aus München, stellt im Blog Psychologie Aktuell einen Artikel zu der Studie aus Modern Medicine vor, der die engen Zusammenhänge verdeutlicht.
ADHS erhöht Depressionen-Gefahr
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) in der frühen Kindheit erhöht die Anfälligkeit für Depressionen und Selbstmordgedanken im Jugendalter. Das geht aus der Untersuchung hervor, die in der Oktoberausgabe 2010 der Archives of General Psychiatry publiziert wurde. Das Risiko für kleine Kinder mit ADHS, später an Depressionen zu erkranken, ist größer bei Mädchen, bei kleinen Kindern, die gleichzeitig Symptome von Verhaltensstörungen haben, sowie bei Kindern, deren Mütter Depressionen hatten. Die Wissenschaftler untersuchten 125 Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren, die eine Diagnose von ADHS hatten, und 123 Kinder in einer Kontrollgruppe ohne ADHS. Der Beobachtungszeitraum betrug bis zu vierzehn Jahre. Alle Kinder lebten bei ihren biologischen Müttern, die zu Beginn der Studie auf Depressionen getestet wurden.
ADHS bei Kindern ebnet Weg für spätere Depression
ADHS im Alter von vier bis sechs Jahren erhöhte das Risiko für klinische Depressionen oder Dysthymie (chronische depressive Verstimmung) um mehr als das Fünfzehnfache. Mädchen mit ADHS besaßen ein doppelt so hohes Risiko für spätere Depressionen wie Jungen mit ADHS. Bei Depressionen der Mutter war das Risiko der Kinder für spätere Depressionen mehr als siebenmal höher. Nach Kontrolle für mögliche andere Einflussfaktoren war bei Kindern mit ADHS das Risiko für Selbstmordgedanken fünfmal und für Selbstmordversuche achtmal so hoch wie bei Kindern ohne ADHS. In den Jahren sechs bis vierzehn der Untersuchung berichteten zwölf Prozent der Kinder mit ADHS mindestens einmal von einem konkreten Vorhaben sich umzubringen, verglichen mit 1,6 Prozent der Kinder ohne ADHS. Bis zum Jahr vierzehn der Studie versuchten 18,4 Prozent der Kinder mit ADHS mindestens einmal, sich das Leben zu nehmen, verglichen mit 5,7 Prozent der Kinder ohne ADHS.
Depressive Mütter erhöhen Risiko
Depressionen ihrer Mütter erhöhten das Risiko für Selbstmordgedanken bei Kindern mit ADHS nahezu um das Neunfache. Auch bei Kindern, die nach Angaben der Mütter im ersten Jahr nach der ADHS-Diagnose Symptome von Verhaltensstörungen aufzeigten, war das Risiko für spätere Depressionen gesteigert. Nach Meinung der Forscher belegt die Studie, dass es möglich ist, schon in einem frühen Alter Kinder mit ADHS zu identifizieren, die ein stark erhöhtes Risiko für spätere Depressionen und Suizidverhalten haben.
Autor/Quelle: Dr. Rose Shaw
