Depression bei Kleinkindern

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Depressionen bei Kindern im Vorschulalter äußern sich anders als bei älteren Kindern und sind schwer zu erkennen. So wirken sich zum Beispiel die Depressionen nicht auf die schulische Leistung aus und die Kinder werden noch weitgehend von den Eltern versorgt, die vielleicht auch deshalb nicht wahrhaben wollen, dass ihr Kind depressiv sein könnte. Dr. Rose Shaw, Psychotherapeutin aus München, stellt im Blog Psychologie Aktuell eine Presseerklärung vor, die auch neue Ansätze zur Therapie in diesem Alter vorstellt:

Depressionen bei Kindern

Es ist schwierig, sich einen depressiven Drittklässler vorzustellen. Noch schwieriger ist es, sich ein depressives Vorschulkind vorzustellen. Obwohl Depressionen bei Kindern wohlbekannt sind und behandelt werden, haben Forscher erst in letzter Zeit begonnen, Depressionen auch bei Kindern unter sechs Jahren zu untersuchen. In der Maiausgabe 2010 von Current Directions in Psychological Science, einem Journal der Association for Psychological Science, beschreibt die Kinderpsychiaterin und Forscherin Joan Luby von der Washington University in St. Louis in den USA die Ergebnisse aktueller Studien, die Depressionen bei Kindern im Vorschulalter und die Bedeutung der Früherkennung in den Blick genommen haben.

 

Depressionen bei Kindern: Symptome

Depressionen bei Vorschulkindern treten nicht immer genauso wie bei älteren Kindern und Erwachsenen in Erscheinung – das ist einer der Gründe, warum Depressionen im Vorschulalter bis jetzt kaum beachtet wurden. So zeigt sich bei erwachsenen Depressionspatienten Anhedonie (die Unfähigkeit, Freude oder Lust zu empfinden) häufig in Form einer verminderten Libido. Bei kleinen Kindern kann Anhedonie aber als eine Unfähigkeit zur Freude am Spielen zum Ausdruck kommen. Desweiteren können Eltern Depressionen bei Vorschulkindern auch deshalb nicht bemerken, weil die Symptome nicht zwingend als ein störendes Verhalten sichtbar werden. Diese Kinder müssen daher nicht offensichtlich traurig wirken – wie dies bei vielen Erwachsenen der Fall ist – und können Phasen haben, in denen sie im Alltag ganz normal zurechtkommen.

Ein entscheidender Fortschritt bei der Erkennung von Depressionen im Vorschulalter war die Entwicklung psychiatrischer Interviewmethoden, die für dieses Alter angemessen sind. Diese Interviews haben gezeigt, dass Vorschulkinder sehr wohl typische Depressionssymptome haben können. Dazu gehören, dass sie weniger fröhlich erscheinen, zu Schuldgefühlen neigen und sich ihr Schlafmuster ändert.

 

Depressionen als chronische Störung

Untersuchungen haben belegt, dass Depressionen im Vorschulalter nicht einfach eine vorübergehende Erscheinung sind, sondern ein früher Ausdruck der gleichen chronischen Störung sein können, die auch später auftritt. Weitere Studien haben nachgewiesen, dass Vorschulkinder mit Depressionen auch in der späteren Kindheit und Jugend häufiger Depressionen haben werden als gesunde Vorschulkinder. Aufgrund der potenziell lang anhaltenden Auswirkungen von Depressionen im Vorschulalter ist eine Früherkennung und Behandlung besonders wichtig. Das Gehirn von Kleinkindern ist ausgesprochen „formbar”, d.h., ihr Gehirn passt sich leicht an und neue Erfahrungen und Ereignisse können es verändern. Diese Formbarkeit könnte erklären, warum Behandlungen, die auf die Entwicklung abzielen, effektiver sind, wenn sie früh eingeleitet werden. Und dies könnte auch bei Psychotherapie der Fall sein.

 

Depression: Behandlung bei Kleinkindern

Die Entwicklung von Behandlungsmethoden für Depressionen im Vorschulalter erfordert jedoch noch mehr Forschung. Luby schreibt, dass eine Studie gezeigt habe, dass Antidepressiva vom Typ der SSRIs (z.B. Citalopram) bei Kindern im Schulalter effektiv sein könnten. Sie weist aber auch auf Risiken angesichts der Nebenwirkungen dieser Medikamente hin. Gegenwärtig wird eine neue Behandlungsmethode für Depressionen bei Vorschulkindern untersucht, die vielversprechend sein könnte: Diese Behandlung beruht auf der Eltern-Kind-Interaktions-Therapie und wurde dahingehend modifiziert, die emotionale Entwicklung des Kindes stärker zu betonen. Frühe Veränderungen emotionaler Fähigkeiten könnten beim Risiko für Depressionen entscheidend sein, und diese Form der Therapie könnte dazu beitragen, solche Veränderungen schon sehr früh in der Entwicklung zu korrigieren.