Depressionen am Arbeitsplatz

Eine hohe Arbeitsbelastung und die Angst vor Arbeitslosigkeit treiben immer mehr Beschäftigte in eine Depression und Arbeitsunfähigkeit. Eine Statistik besagt, dass im Jahr 2012 fast die Hälfte der Frührentner wegen psychischer Probleme aufhörten zu arbeiten – Depression war dabei die häufigste Ursache. Auch bei den Krankmeldungen nehmen Depressionen und andere seelische Beschwerden eine zunehmend wichtigere Rolle ein: Sie machen mittlerweile die zweithäufigste Diagnose aller Krankmeldungen aus. Seit 2000 stieg die Zahl der Fehltage aufgrund von Depression um fast 70 Prozent. Im Jahr 2013 entfielen 7,1 Prozent aller gemeldeten Fehltage auf eine Depression. Statistisch gesehen fehlte demnach jeder Erwerbstätige einen Tag aufgrund der Krankheit.

Depressiv im Arbeitsalltag

Obwohl seit Mitte der 1990er Jahre die jährlichen Krankmeldungen im Durchschnitt sinken, wächst die Zahl seelisch bedingter Krankschreibungen. Ein Großteil dieser seelisch bedingten Krankschreibungen ist auf Depressionen zurückzuführen.

Aus Angst mit der Arbeit nicht hinterher zu kommen und gar den Job zu verlieren, gehen viele Menschen auch dann arbeiten, wenn sie gesundheitlich angeschlagen sind. Sie lassen sich nicht krankschreiben, obwohl sie eigentlich Zeit und Ruhe benötigen, um zu genesen. Die körperlichen Beschwerden werden schlicht ignoriert. Der dann ohnehin angeschlagene Körper ist durch den Zeit- und Leistungsdruck im Beruf permanentem Stress ausgesetzt. Dies hat zur Folge, dass die Beschäftigten sich nur noch schwer konzentrieren können und der Berg an Arbeit wächst. Diese Entwicklung ist wiederum ein Grund mehr, trotz Fieber und Schmerzen ins Büro zu gehen. Ein Teufelskreis entsteht.

Irgendwann können betroffene Arbeitnehmer den Leistungsanforderungen nicht mehr gerecht werden und zu den körperlichen Beschwerden kommen psychische Probleme hinzu. Die Gefahr, in eine Depression abzugleiten, ist nun gegeben. Spätestens jetzt ist eine Krankmeldung unumgänglich.

Warum macht Arbeit krank?

Die stetig wachsende Anzahl depressiver Erkrankungen hat vielerlei Gründe. Durch Technologien, wie dem Internet oder dem Mobilfunk, haben sich Arbeitsumfang und Arbeitszeiten in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Heute hat der Einzelne viel mehr Aufgaben in viel kürzerer Zeit zu bewältigen. Alles muss schneller gehen und den Arbeitnehmern bleibt kaum noch Raum für Erholung und Freizeitaktivitäten. Die für einen gesunden Körper notwendigen Ruhephasen kommen dabei oft zu kurz.

Depressiv durch Überstunden

Laut einer DGB-Umfrage aus dem Jahre 2014 kommt mittlerweile fast jeder vierte Deutsche wegen des hohen Arbeitspensums auf mindestens sechs Überstunden pro Woche.

Viele können dann nach getaner Arbeit, auch wenn sie dann endlich Zuhause sind, einfach nicht abschalten. Viele der deutschen Berufstätigen, arbeiten selbst in ihrer Freizeit weiter. Bereits drei bis vier Überstunden pro Tag erhöhen das Risiko für eine Erkrankung der Herzkranzgefäße um 60 Prozent.

Depressiv durch permanente Verfügbarkeit

Schon bei Umfrage des Bundesverbandes Deutscher Betriebskrankenkassen (BKK) im Jahre 2011 hatten mehr als 80 Prozent der Befragten im Alter von 18 bis 65 Jahren das Gefühl, für Klienten, Kollegen und Vorgesetzten verfügbar sein zu müssen und sind über das Mobiltelefon sogar noch am Feierabend geschäftlich erreichbar. Diese Dauerbelastung kann krank machen und zu depressiven Verstimmungen führen.

Welche Arbeit macht depressiv?

Viele Beschäftigte fühlen sich oft erschöpft und überarbeitet. Viele Schicht- und Nachtarbeiter leiden unter Schlafstörungen, da ihr Körper dem verschobenen Tagesrhythmus nicht hinterher kommt. Frust tut sich in ihnen auf und sie können in ihrem Beruf keine positiven Erfolgserlebnisse mehr abgewinnen, sondern fühlen sich grundsätzlich überfordert. Weitere Symptome wie Freudlosigkeit, Desinteresse, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit kommen hinzu. Kommen private Probleme, wie der Verlust eines Freundes oder Familienmitglieds, Partnerschaftskonflikte oder Schicksalsschläge hinzu, kann sich aus der Überbelastung eine schwerwiegende Depression entwickeln.

Arbeitsunfähigkeit durch Depressionen

Schwere Depressionen können meist nur mit stark wirkenden Medikamenten wie Antidepressiva behandelt werden. Betroffene sind dann nicht mehr in der Lage ein Fahrzeug zu führen oder Maschinen zu bedienen. Sie können ihrem Beruf nicht mehr länger nachgehen und gelten als arbeitsunfähig.

Ist die Arbeitsfähigkeit trotz eingängiger Behandlung der chronischen Depression noch immer stark und dauerhaft beeinträchtigt, können Betroffene einen Antrag auf Berentung stellen. Ob ein Rentenanspruch besteht, entscheidet der jeweilige Rentenversicherungsträger des Arbeitnehmers.

Psychische Erkrankungen am Arbeitsplatz erkennen

Eine "Erste Hilfe" kann sein, den Verantwortlichen Sicherheit im Umgang mit der sensiblen Thematik zu geben und im konkreten Fall Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in Krisensituationen zu helfen. Rechtzeitiges Eingreifen hilft, größeren Krisen vorzubeugen. Fehlzeiten können verringert werden und das Know-how der betroffenen Mitarbeiter bleibt im Betrieb. In den Betrieben sollten alle offener mit psychischen Problemen und Störungen umgehen; denn nur Mitarbeitern, die sich trauen, frühzeitig psychische Krisen anzusprechen, kann rechtzeitig und langfristig geholfen werden.

Oft sind es zuerst Kolleginnen und Kollegen, die ein verändertes Verhalten beobachten – manchmal sind dies die Symptome einer psychischen Erkrankung. Diese Anzeichen sollte man nicht ignorieren:

  • der Betroffene wirkt gleichgültig oder abweisend oder gar aggressiv
  • er unterliegt starken Stimmungsschwankungen
  • ist isoliert und verschließt sich
  • er zeigt nachlassende Leistung oder starke Leistungsschwankungen
  • traut sich nichts mehr zu, wirkt allgemein unsicher
  • macht viele Pausen und ist auffallend häufig krank
  • fühlt sich "gemobbt", persönlich angegriffen oder greift andere an.

Werden Auffälligkeiten wahrgenommen, ist es wichtig, auf den Betroffenen zuzugehen und ihn auf das veränderte Verhalten anzusprechen, da ein frühzeitiges Eingreifen von Mitarbeitern und Kollegen möglicherweise schwerwiegendere Folgen wie den Verlust des Arbeitsplatzes verhindern kann. Kommentare wie "Reiß Dich zusammen!", sind völlig deplaziert, da es sich bei Depressionen, Ängsten oder Alkoholabhängigkeit um ernstzunehmende Erkrankungen handelt, denen nicht mit ein wenig Willensanstrengung beizukommen ist.