Depressionen durch Migräne?

Wenn Menschen unter Migräne leiden, versteht jeder, dass viele von ihnen Depressionen bekommen. Es könnte aber auch umgekehrt sein, denn eine Studie zeigt, dass manche Gene an Migräne und Depression gemeinsam beteiligt sind, was aber nicht unbedingt heißt, dass eine Krankheit die andere hervorruft. Dr. Rose Shaw, Psychotherapeutin aus München, stellt im Blog Psychologie Aktuell einen Fachbeitrag vor, der das schwierige Thema gut beschreibt.
Migräne und Depression: Genetische Komponente
Die Studie deckte auf, dass Migräne und Depression eine starke genetische Komponente gemeinsam haben. Die Ergebnisse wurden online in Neurology veröffentlicht, einem medizinischen Fachjournal der American Academy of Neurology. „Die Erforschung der genetischen Faktoren, die zu diesen Erkrankungen beitragen, könnte eines Tages zu besseren Strategien für die Behandlung dieser Krankheiten führen, wenn sie gemeinsam auftreten”, erklärt Dr. Andrew Ahn von der University of Florida in Gainesville. Ahn schrieb den Leitartikel zu der Veröffentlichung und ist Mitglied in der American Academy of Neurology. „Bis dahin sollten Patienten mit Migräne oder Depressionen ihren Arzt darauf aufmerksam machen, wenn in ihrer Familie eine der Erkrankungen vorkommt, damit wir den Zusammenhang zwischen beiden besser verstehen lernen.“
Depressionen mit Migräne - und umgekehrt
In der Studie wurden 2652 Menschen untersucht, die an der größeren Erasmus Rucphen-Familienstudie teilnehmen. Alle Teilnehmer stammen von 22 Elternpaaren ab, die von etwa 1850 bis 1900 in Rucphen, einer Gemeinde in den Niederlanden, lebten. „Untersuchungen der Familiengeschichte haben gezeigt, dass sie alle zu einer großen, ausgedehnten Familie gehören, was diese Art einer genetischen Studie möglich macht“, sagt die Autorin und Leiterin der Studie Dr. Gisela M. Terwindt vom Leiden University Medical Center in den Niederlanden. Von den Studienteilnehmern litten 360 unter Migräne. Davon hatten 151 Migräne mit Aura, bei der vor den Kopfschmerzen visuelle Wahrnehmungen wie Lichtblitze auftreten, und 209 hatten Migräne ohne Aura. Unter Depressionen litten 977 Menschen. Von den Migränekranken hatten 25 Prozent außerdem auch Depressionen. Dagegen hatten nur dreizehn Prozent der Teilnehmer ohne Migräne Depressionen.
Ergebnis der Studie
Anhand dieser Zahlen konnten die Forscher abschätzen, wie stark genetische Faktoren zu beiden Erkrankungen beitragen. Sie kamen zum Ergebnis, dass die Erblichkeit für beide Arten von Migräne etwa bei 56 Prozent liegt, d.h. 56 Prozent der Migränefälle konnten durch einen Einfluss von Genen erklärt werden. Bei Migräne mit Aura lag der Schätzwert sogar bei 96 Prozent. „Diese Ergebnisse machen deutlich, dass die Untersuchung von Migräne mit Aura ein vielversprechender Ansatz für eine Suche nach Migräne-Genen sein könnte“, so Terwindt. Ein Vergleich der Werte für die Erblichkeit von Depressionen mit Migräne mit denen ohne Migräne offenbarte, dass beide Erkrankungen eine gemeinsame genetische Komponente haben, insbesondere bei Migräne mit Aura. Terwindt betont, dies zeige „dass diesen beiden Erkrankungen zumindest zum Teil gemeinsame genetische Faktoren zugrunde liegen könnten, jedoch nicht, dass eine Erkrankung durch die andere verursacht wird.“
Autor/Quelle: Dr. Rose Shaw
