Virtuelle Realität bei PTBS

Eine Verhaltenstherapie für posttraumatische Belastungsstörungen setzt voraus, dass das traumatische Ereignis vorüber ist. Bei Soldaten kann das bedeuten, dass die Therapie erst nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst möglich ist. Eine aktuelle Studie hat als Alternative eine Behandlung mithilfe einer virtuellen Realität untersucht. Dr. Rose Shaw, Psychotherapeutin aus München, stellt im Blog Psychologie Aktuell eine Presseerklärung des Herausgebers der Studie vor, die zeigt, dass solch eine Behandlung auch bei aktiven Soldaten effektiv ist.
Ängste abbauen durch Reise in Erinnerung
Ein Artikel, der in der nächsten Ausgabe des Journal of Traumatic Stress erscheint, ist einer der Ersten, der die Wirksamkeit einer Expositionstherapie bei aktiven Militärangehörigen mit posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) nachweist. Die Studie zeigt, dass Expositionstherapie mithilfe einer virtuellen Realität nach durchschnittlich sieben Therapiesitzungen zu einer deutlichen Verminderung von PTBS-Symptomen führte. Außerdem berichteten 62% der Patienten von Veränderungen ihrer PTBS-Symptome, die zuverlässig und von klinischer Bedeutung waren. Während der Behandlung kehrt der Soldat wiederholt in seine Erinnerung zurück und durchlebt dort in der Sicherheit seiner Vorstellung die Emotionen, die er mit dem ursprünglichen traumatischen Erlebnis verbindet. Indem er in seine Erinnerung zurückreist, wo er sicher ist und sich mit den Emotionen beschäftigt, werden Ängste abgebaut und er kann seine Emotionen auf eine für ihn tröstliche Weise verarbeiten.
Expositionstherapie bei Traumata
Der erste Autor der Studie Dr. Greg Reger sagt: „Wir wissen, dass längere militärische Einsätze in einer belastenden Umwelt und das wiederholte Erleben potenziell traumatischer Ereignisse zu dem Bedürfnis führen kann sich emotional ,abzukoppeln’. Die virtuelle Realität ist multisensorisch und kann in Echtzeit individuell angepasst werden, sodass der Therapeut die Erinnerung mit entsprechenden Bildern, Geräuschen, Vibrationen und sogar Gerüchen aktivieren kann, die Aspekten des Ereignisses ähneln, das den Patienten nicht mehr loslässt.“ Eine klinische Studie an Vietnamveteranen und Überlebenden des World Trade Centers hat gezeigt, dass virtuelle Expositionstherapie eine innovative und effektive Form der Behandlung ist. Die aktuelle Untersuchung bestätigt diese Ergebnisse bei einer Gruppe von aktiven Soldaten, die von Einsätzen im Irak und in Afghanistan mit PTBS zurückgekehrt waren.
Virtuelle Expositionstherapie
Reger sagt: „Es ist möglich, dass Expositionstherapie mithilfe einer virtuellen Realität eine Behandlungsmethode sein könnte, die für eine junge, technisch versierte Generation von Militärangehörigen und Veteranen attraktiver ist. Außerdem könnten manche Militärangehörige eine Behandlungsmethode wie Exposition mithilfe einer virtuellen Realität als weniger stigmatisierend empfinden als traditionelle Behandlungsansätze. In diesem Fall könnte uns Expositionstherapie mithilfe einer virtuellen Realität die Möglichkeit bieten, Angehörige der Streitkräfte und Veteranen zu behandeln, die sich sonst vielleicht nicht behandeln lassen würden.“
Autor/Quelle: Dr. Rose Shaw
