Hotline zur Tabakentwöhnung für rauchende Krebspatienten

Obwohl für alle Raucher ein Rauchstopp mit einer verbesserten Lebensqualität und einer deutlich verlängerten Lebenserwartung verbunden ist, trifft dies insbesondere auf Krebspatienten zu. Hier kann die Hotline zur Tabakentwöhnung der Deutschen Krebshilfe und des Deutschen Krebsforschungszentrum helfen. Rauchende Krebspatienten profitieren von den gesundheitlichen Vorteilen eines Rauchstopps gleich mehrfach:
- Sie sprechen besser auf Chemotherapie und Strahlenbehandlung an, leiden unter weniger unerwünschten Nebenwirkungen durch die Behandlungen und haben eine deutlich höhere Lebenserwartung.
- Im Falle einer bevorstehenden Operation verringert der Rauchstopp die Risiken für Komplikationen und kann den Heilungsverlauf verbessern.
- Das Risiko für ein Rezidiv und andere tabakbedingte Krebserkrankungen oder für chronische Bronchitis, Lungenemphysem, koronare Herzkrankheiten und andere rauchbedingte Krankheiten wird deutlich vermindert.
Vorteil Nichtraucher
- Die Durchblutungssituation sämtlicher Organsysteme verbessert sich bereits nach wenigen Stunden.
- Das Kohlenmonoxid wird durch den lebensnotwendigen Sauerstoff verdrängt, die Blutviskosität normalisiert sich, so dass die Gefahr von Thrombosen und Embolien verringert wird.
- Ebenso vermindert sich die Gefahr von Infektionskrankheiten deutlich.
- Wundheilungsstörungen und postoperative Komplikationen werden vermindert.
- Die Verweildauer im Krankenhaus liegt bei Nichtrauchern deutlich niedriger als bei Rauchern.
- Die Lungenfunktion verbessert sich nach wenigen Monaten.
- Bereits 1-2 Jahre nach dem Rauchstopp halbiert sich das Risiko, an einer tabakbedingten Herzerkrankung zu sterben.
Doch für die meisten Krebspatienten stellt es eine besondere Herausforderung dar, mit dem Rauchen aufhören zu wollen und gleichzeitig mit den körperlichen und seelischen Belastungen einer Krebsdiagnose und –behandlung zurechtzukommen. Daher ist es sinnvoll und wichtig, ihnen besondere Hilfestellung bei der Tabakentwöhnung anzubieten.
Rauchertypen
Bei der Tabakentwöhnung handelt es sich nicht um ein statisches Ereignis, sondern um einen dynamischen Phasenprozess der Entscheidungen, welcher auch auf Krebspatienten zutrifft. Folgende verschiedene Stadien der Raucherentwöhnung werden unterschieden:
- Raucher im Stadium "Stabiler Raucher" sind nicht bereit, mit dem Rauchen aufzuhören, da sie die Nachteile des Aufhörens höher bewerten als die Vorteile.
- Raucher im Stadium "Ausstiegsabsicht" erwägen einen ernsthaften Aufhörversuch innerhalb der nächsten 6 Monate. Vor- und Nachteile halten sich in der Waage.
- Raucher in der "Vorbereitungsphase" wollen innerhalb des nächsten Monats aufhören und haben bereits einen Plan, sind aber unsicher, ob sie diesen umsetzen können.
- Exraucher in der "Aktionsphase" sind bereits rauchfrei, aber häufig noch intensiven Rückfallgefahren ausgesetzt.
- Kurzzeitnichtraucher - Rückfällige haben nach einem Ausstiegsversuch mit zeitweiser Abstinenz dann eine Chance auf Wiedererlangung der Abstinenz, wenn das Rauchverhalten noch nicht wieder alltäglich geworden ist.
- Langzeitnichtraucher haben nach ca. 5 Jahren ein fast 100%iges Vertrauen, nicht mehr rückfällig zu werden.
Was kann die Hotline?
Die Hotline bietet Beratung und Unterstützung für jedes Stadium, der Anrufer wird dort abgeholt, wo er gerade ist. Rauchern in der Vorbereitungsphase helfen die Berater bei der konkreten Planung und Umsetzung des Aufhörversuchs und nennen auf Wunsch Therapeuten- und Klinikadressen. Das Rauchertelefon eignet sich auch als kontinuierliche Anlaufstelle für rückfallgefährdete und rückfällig gewordene Raucher. Darüber hinaus bietet das Rauchertelefon Beratung und Information für Krebspatienten, die dem eigenen Tabakkonsum noch unkritisch und/oder ambivalent gegenüber stehen. In einem Gespräch werden die objektiven und subjektiven Vor- bzw. Nachteile des Rauchens gemeinsam mit den Telefonberatern erarbeitet und behutsam auf einen möglichen Rauchstopp hingearbeitet.
Die Hotline als proaktiver Service
Das Angebot des Rauchertelefons für Krebspatienten beinhaltet zum einen ein intensives Beratungsgespräch am Telefon, das von den Patienten und deren Angehörigen selbst ausgehen muss. Hier stehen Anamnese, Motivation, konkrete Maßnahmenplanung sowie verhaltensbezogene und kognitive Bewältigungsstrategien (Routineplanung) im Vordergrund. Mittels eines strukturierten Beratungsprotokolls nach Erfahrungen der bestehenden Telefonberatung und internationaler Standards des European Network of Quitlines wird die Beratungsqualität sichergestellt. Jeder Anruf wird in einer Datenbank erfasst, in welcher demographische und symptombezogene Daten wie Tageskonsum, Zeitpunkt der ersten Zigarette am Morgen, Dauer der Raucherkarriere, Raucherstatus sowie mögliche Barrieren und Ressourcen in Hinblick auf den Rauchstopp erfasst werden. Darüber hinaus bietet das Rauchertelefon für Krebspatienten auch Rückrufe zur Rückfallprophylaxe an, welche dann – je nach Vereinbarung - in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden (sog. proaktive Telefonberatung). Im Laufe des Beratungsgesprächs wird dabei auf die Möglichkeit weiterer Anrufe durch den Telefondienstmitarbeiter, der das erste Gespräch geführt hat, hingewiesen. Bei Interesse werden Folgeanrufe vereinbart, bei denen das Erfassen des Fortschritts, die Bewältigung von schwierigen Situationen und Entzugssymptomen und der Umgang mit eventuellen Rückfällen im Vordergrund stehen. Aufgrund der zuvor erhobenen Daten ist eine Bezugnahme auf vorherige Gespräche und somit eine optimierte Betreuung möglich.
Das Beratungskonzept der Hotline
Die Berater sind in der telefonischen Tabakentwöhnung und Gesprächsführung geschult und orientieren sich an einem speziellen Beratungskonzept. Das Konzept der motivierenden Gesprächsführung integriert Grundsätze aus den humanistischen Therapieschulen, der Verhaltenstherapie und der Kommunikationspsychologie und hat sich in zahlreichen internationalen Untersuchungen als wirksam bei der Förderung von Veränderungsbereitschaft bei Menschen mit problematischem Suchtmittelkonsum erwiesen. Zusätzlich kommen halbstrukturierte Interviewleitfäden zum Einsatz, die vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Zusammenarbeit mit führenden deutschen Experten in der Tabakentwöhnung erarbeitet wurden. Das Deutsche Krebsforschungszentrum unterhält bereits seit 1999 ein "Rauchertelefon" für die Allgemeinbevölkerung. Im Unterschied zu diesem Rauchertelefon werden von der Hotline für rauchende Krebspatienten, diesen und ihren Angehörigen besondere Beratungen angeboten, die sich auf die Mehrfachbelastungen und die besonders schwere Lebenssituation beziehen. Die behutsame und empathische Motivationsarbeit ist ein Kernelement dieser telefonischen Beratungsgespräche. Die Hotline für rauchende Krebspatienten ist unter der Telefonnummer 06221 – 42 42 24 von 14– 17 Uhr von Montag bis Freitag erreichbar.
