Schizophrenie - Behandlung und Selbsthilfe

Behandlung

Moderne komplexe Behandlungskonzepte integrieren Pharmako-, Sozio-, Psycho-, Trauma-, Familientherapie und Psychoedukation für Patienten, Angehörige und enge Bezugspersonen. Insbesondere das in der Psychoedukation vermittelte Wissen hat einen "emanzipatorischen Aspekt" - es erleichtert den Umgang mit der Krankheit und trägt zur Entspannung in den Familien bei. Zudem kann sich bei den Patienten die Therapiebereitschaft deutlich erhöhen und ein nahendes Rezidiv rechtzeitig behandelt werden. In der medikamentösen Behandlung stehen neben den klassischen Neuroleptika moderne atypische Antipsychotika zur Verfügung. Leider sind alle eingesetzten Neuroleptika nicht ohne Nebenwirkungen. Der objektive Erfolg der alten Neuroleptika auf die Symptome der Schizophrenie ist nachgewiesen. Atypische Antipsychotika haben nach bisherigen Erkenntnissen durch ihr verändertes Wirkprofil einen günstigeren Effekt auf subjektive Befindlichkeit, neurophysiologische Leistung, Kommunikationsqualität und damit Rezidivprophylaxe als typische Neuroleptika. Letztlich besteht die Hoffnung, dass sich aufgrund dieser Ansätze auch die Langzeitprognose bessern wird. Das gilt besonders im ambulanten Bereich. Schizophrenie mit gleichzeitiger Erkrankung an einer Substanzabhängigkeit (Alkohol, Drogen) gilt als schwer behandelbar. Die Patienten sind bezüglich der Medikation und ambulanten Weiterbehandlung weniger therapiebereit, leiden unter ausgeprägterer Symptomatik und haben häufiger Rezidive als jene, die keine psychotropen Substanzen konsumieren.

Patient und Angehörige

Zunehmend an Bedeutung gewinnt die Patientenperspektive. Subjektive Befindlichkeit und Lebensqualität, Patientenrechte, subjektive Verlaufs- und Therapieerfolgskriterien rücken heute zusätzlich zu komplexen Behandlungsansätzen, zur Symptomreduktion und Rückfallprävention in den Mittelpunkt des Interesses wissenschaftlicher Untersuchungen. In diesem Kontext hat gleichsam ein Dialog zwischen den Experten aus eigener Erfahrung - also Patienten und Angehörigen - und den Experten durch Ausbildung und Beruf begonnen. Die Bewegung der Psychiatrie-Erfahrenen sowie der Selbsthilfe im Bereich Psychose und Schizophrenie ist in der Debatte über die psychiatrische Versorgung wesentlich und hat sich in den letzten Jahren in unterschiedlichen Formen etabliert. Das Spektrum umfasst Betroffenen- und Angehörigenselbsthilfeorganisationen, Mitarbeit von Betroffenen in professionell geleiteten Einrichtungen, Leitung eigener Betreuungseinrichtungen und vieles mehr.

Fazit

Trotz der bemerkenswerten Wandlungen bleibt die Schizophrenie mit einem Stigma behaftet. Die Ergebnisse der bundesweiten Fokusgruppenstudie Stigma als Teil des subjektiven Krankheitserlebens (Universität Leipzig, 2000) zeigen, dass Stigma vor allem in vier Bereichen erlebt wird: in der personellen Interaktion, durch Diskriminierung, durch erschwerten Zugang zu sozialen Rollen sowie durch das häufig noch vorurteilsvolle, negative Bild der Psychiatrie in der Öffentlichkeit. Das von der Psychiatriereform angestrebte Ziel der Entstigmatisierung psychisch Kranker in der Öffentlichkeit wurde noch nicht erreicht.

 
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