Juvenile idiopathische Arthritis

Rund 50.000 Jugendliche und Kinder leiden in Deutschland an juveniler idiopathischer Arthritis. Jedes Jahr erkranken in Deutschland 1.000 Kinder neu daran. "Idiopathisch" bedeutet, dass die Ursache der Erkrankung nicht bekannt ist, und "juvenil", dass der Beginn der Beschwerden vor dem 16. Lebensjahr liegt. Sie ist eine besonders aggressive Form der rheumatoiden Arthritis.

Die chronische Erkrankung befällt Gelenke, Sehnen und Schleimbeutel, aber auch innere Organe, Nervensystem und Augen. Ihr Verlauf gleicht dem der rheumatoiden Arthritis bei Erwachsenen, nur setzt der Zerstörungsprozess der Gelenke sehr viel früher ein. Eine besonders gefürchtete Komplikation der juvenilen idiopathischen Arthritis ist die AA-Amyloidose, krankhafte Eiweißablagerung nahezu im ganzen Körper. Dies kann eine erhebliche Störung der Organfunktion zur Folge haben und zu Nierenversagen führen. Eine besondere Gefährdung besteht für die Augen der Kinder. Bei etwa zehn Prozent der erkrankten Kinder entwickelt sich eine rheumatische Entzündung der Regenbogenhaut, die zur Augenschädigung bis hin zur Erblindung führen kann.

Auslöser juveniler idiopathischer Arthritis

Warum junge Menschen an juveniler idiopathischen Arthritis erkranken, konnte die Medizin bis heute nicht eindeutig klären. Vermutlich führt eine ererbte Veranlagung in Verbindung mit äußeren Faktoren zu einer so genannten Autoimmunreaktion: Das Immunsystem verwechselt körpereigenes Gewebe mit Infektionserregern (Bakterien oder Viren) und startet eine entzündliche Reaktion. Neue Forschungsergebnisse haben belegt, dass das Zytokin Tumor-Nekrose-Faktor alpha (TNFa) die chronischen Entzündungen auslöst und verstärkt. Zytokine sind Botenstoffe, die die körpereigene Abwehr im Immunsystem steuern.

Symptome erkennen

Am häufigsten befällt juvenile idopathische Arthritis die kleinen Gelenke an Händen und Füßen, oft auch Ellenbogen, Schultern, Hüfte, Knie - und Sprunggelenke. Typische Zeichen sind schmerzhafte Schwellungen, Ergüsse, Druckempfindlichkeit und Bewegungseinschränkungen. Sehnenscheiden- und Schleimbeutelentzündungen sowie auffällige Verdickungen unter der Haut an der Streckseite von Gelenken, so genannte Rheumaknoten, deuten auf einem Befall der Weichteile im Bewegungssystem hin.

Sind innere Organe und Organsysteme betroffen, reagiert der Körper oft mit hohem Fieber begleitet von Hautausschlägen. Trockene Schleimhäute von Mund und Augen, Augenentzündungen an Bindehaut und Hornhaut, Vergrößerungen von Milz und Leber oder Schwellungen von Lymphknoten sind weitere typische Symptome.

Rheumatische Schmerzen treten vor allem in Ruhe auf. Oft sind sie in der Nacht am stärksten, münden in einer ausgeprägten Morgensteifigkeit und bessern sich unter Bewegung. Das Kind versucht oft, die Gelenkschmerzen zu vermindern, indem es das Gelenk in einer Ruhestellung hält, die in der Mitte zwischen Beugung und Streckung liegt. Appetitlosigkeit. Gewichtsabnahme, Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Depressivität beeinträchtigen die Betroffenen zusätzlich.