Arthrose noch lange nicht heilbar

Wissenschaftler gehen davon aus, dass erblich bedingte Arthrose durch Mutation mehrerer Gene entsteht. Mutieren die für die Knorpelbildung zuständigen Gene, codieren sie nicht mehr die gesunde Struktur und Funktion des Knorpels. Es kommt dann zu den für Arthrose typischen Symptomen: Der Knorpel reibt sich ab und der Betroffene verspürt starke Schmerzen im Gelenk. Eine Therapie bestünde darin, den Gendefekt zu beheben. Die Krankheit bräche dann gar nicht erst aus.
"Die klinische Realität, für die diese Vision eine Art Revolution bedeuten würde, sieht noch anders aus". so Matthias H. Hackenbroch, Autor des Buches "Arthrosen". Der Orthopäde von der Universitätsklinik zu Köln betont darin, dass Arthrosen nach wie vor nicht heilbar sind. Dies liege vor allem daran, dass diese Gelenkerkrankungen sehr verschiedenartige Ursachen hätten. Keineswegs seien sie immer durch Verschleiß bedingt. Vielmehr handele es sich um "unspezifische Endprodukte unterschiedlicher Störfaktoren", so Hackenbroch. Oft verliert der Knorpel aus noch nicht geklärten Gründen die Fähigkeit sich zu regenerieren. Auch ungünstige Druckverhältnisse im Gelenk überlasten ihn und schränken so seine Funktion ein.

Netzstruktur des Knorpels geht verloren

So uneinheitlich das Spektrum der Ursachen ist, so gleichförmig scheint der Verlauf der Krankheit. Meist geht die Netzstruktur des Knorpels verloren. Wasser lagert sich in das Gewebe ein. Dadurch erweicht der Knorpel, reißt und platzt vom Knochen ab. Die geschädigten Bereiche verknöchern. Für gesunden Gelenkknorpel ist ein ständiger, lebenslanger Auf- und Abbau von Substanz typisch. Wachstumsfaktoren und katalysierende Eiweiße regulieren dieses empfindliche Gleichgewicht. Forscher versuchen deshalb vor allem diese Stoffwechselprozesse zu ergründen. Auch von Außen einwirkende Faktoren beeinflussen die feine Balance: Dadurch dass sich das Gelenk bewegt, massiert und verformt es den Knorpel. Dieser gleichmäßige Druck ist für das Gewebe lebenswichtig. "Die Mikrobiomechanik der Regulation der Knorpelsynthese ist jedoch erst ansatzweise erkannt", so Hackenbroch.
Er ist der Meinung, das Wissen über Arthrose sei in verschiedenen Bereichen noch lückenhaft. Doch optimal eingesetzt könnten schon die verfügbaren Medikamente, Gelenkersatz, gelenkerhaltende Operationen und Physiotherapie die Betroffenen - in Grenzen - wieder mobilisieren. Ebenso sei schon heute präventiv vieles machbar. Der Autor befasst sich deshalb laienverständlich mit Vorbeugung, Ursachen, Krankheitsverlauf, Diagnose und Therapie der Arthrosen verschiedener Gelenke. Er spricht damit nicht nur Orthopäden und Allgemeinmediziner an, sondern informiert auch Betroffene und nicht medizinisch vorgebildete Interessierte.