Kopfschmerzen - Symptome & Diagnostik
Hinsichtlich Art, Intensität, Lokalisation und zeitlichem Verlauf können Kopfschmerzen ganz individuelle Ausprägungen annehmen. Dennoch sind typische Beschwerdebilder bei den einzelnen Formen der Kopfschmerzen bekannt, die dem Arzt in vielen Fällen eine ursächliche Zuordnung ermöglichen. Im folgenden sollen die Erscheinungsformen und Behandlungsmöglichkeiten der wichtigsten Arten von Kopfschmerz besprochen werden.
Primärer Kopfschmerz
Allen Varianten des primären Kopfschmerzes ist gemein, dass sich trotz intensiver Diagnostik keine organisch fassbaren Ursachen finden lassen. Die Übergänge zwischen den einzelnen Kopfschmerzformen sind meistens fließend; charakteristischerweise hängen sie jedoch in starkem Maße mit der psychischen und emotionalen Befindlichkeit der Patienten zusammen.
Der vaskuläre Kopfschmerz tritt meistens periodisch, seltener auch chronisch auf. Seine Intensität ist unterschiedlich und reicht von anhaltendem Kopfdruck bis zum stechenden Schmerz wechselnder Lokalisation. Als Auslösefaktoren für vaskulären Kopfschmerz kommen emotionale Anspannung positiver oder negativer Art, klimatische Veränderungen, körperliche Überlastungen und bei Frauen die Periode in Betracht.
Für vaskulären Kopfschmerz, der bereits im Kindesalter einsetzen kann, besteht möglicherweise eine genetische Grundlage, da diese Kopfschmerzform in einzelnen Familien gehäuft zu finden ist.
Migräne und Spannungskopfschmerz
Tritt der Kopfschmerz vorwiegend einseitig auf und bestehen zusätzliche Begleitsymptome von Seiten des vegetativen Nervensystems wie Übelkeit, Erbrechen und Schweißausbruch oder zusätzliche neurologische Ausfälle im Frühstadium des Anfalls, liegt der Verdacht auf Migräne nahe.
Der Schmerzcharakter beim Spannungskopfschmerz reicht vom Gefühl eines «Reifens um den Kopf» bis hin zu stechenden oder dumpfen, ein- oder beidseitigen Nackenbeschwerden. Verantwortlich hierfür sind in den meisten Fällen Verspannungen der kopfnahen Muskulatur, die meist in psychisch belastenden oder überfordernden Situationen auftreten. Im Gegensatz zum vaskulären Kopfschmerz liegt das Häufigkeitsmaximum des Spannungskopfschmerzes im mittleren Lebensalter. Eine familiäre Belastung ist nicht bekannt.
In den Bereich psychosomatischer Erkrankungen fällt der so genannte Konversionskopfschmerz, der in seiner Symptomatik dem vaskulären oder Spannungskopfschmerz ähnelt. Wie bei anderen psychosomatischen Erkrankungen auch, äussert sich dabei ein primär psychischer, meist unbewusster Konflikt in einem organischen Beschwerdebild. In diesem Fall als Kopfschmerz.
Neuralgien als ein Typ von Kopfschmerzen
Unter Neuralgien versteht man einen bestimmten Typ von blitzartig einschießenden, heftigsten Schmerzattacken meist nur von Sekundendauer im Ausbreitungsgebiet eines Hautnerven. Am häufigsten treten Neuralgien als Trigeminusneuralgien im Ausbreitungsgebiet des Trigeminusnerven auf, der mit seinen 3 Ästen die Stirnregion, die Nasen-Wangen-Region und die Kinnpartie abdeckt.
Typischerweise lassen sich Neuralgieanfälle durch mechanische Stimulation im entsprechenden Areal zum Beispiel durch Sprechen, Kauen oder Rasieren auslösen. Phasen mit gehäuft auftretenden Schmerzattacken können sich mit symptomarmen Phasen abwechseln. Weit weniger häufig treten Neuralgien auch im Versorgungsgebiet des Glossopharyngikusnerven am Zungengrund und in der hinteren Rachenregion sowie im Versorgungsgebiet des Okzipitalnerven im Hinterhauptbereich auf.
Cluster-Kopfschmerz
Eine besondere Form von heftigem Kopfschmerz mit Lokalisation in der Schläfenregion, hinter den Augen, im Oberkiefer und in der Stirn wird als Cluster-Kopfschmerz oder Bing-Horton-Kopfschmerz bezeichnet. Typischerweise tritt diese Kopfschmerzform bei Männern im mittleren Lebensalter auf und äußert sich als attackenartig einsetzende Schmerzen meist in den frühen Morgenstunden, die von einseitiger Rötung des Gesichtes, einseitigem Tränenfluss und Nasentriefen begleitet werden.
Die Schmerzen erreichen ihr Maximum meist nach ungefähr 30 Minuten und klingen langsam über mehrere Stunden ab. Gehäuftes Auftreten innerhalb von 3 bis 6 Wochen wechselt oft mit längeren symptomfreien Phasen ab.
Symptomatische Kopfschmerzen
Kopfschmerzen bei einem Hirntumor können die unterschiedlichsten Erscheinungsformen annehmen. Von scharf umschrieben und stechend bis zu diffusem Druckgefühl im ganzen Kopf. Nur in seltenen Fällen kann von der Kopfschmerzlokalisation auf die Lokalisation eines Hirntumors geschlossen werden. Relativ charakteristisch für Tumorkopfschmerzen ist die Verstärkung der Beschwerden bei Lagewechsel oder Pressen, manchmal auch bei Beklopfen des knöchernen Schädels in der fraglichen Region.
Aber auch lokale Entzündungen (Abszesse), lokale Gewebsschwellungen (Ödeme) oder Hirnblutungen können den Druck im Schädelinneren steigern und Kopfschmerzen hervorrufen. Meist wird in solchen Fällen das Beschwerdebild durch zusätzliche neurologische Ausfälle wie nach einem Schlaganfall oder Allgemeinsymptome wie Fieber oder Nackensteifigkeit beherrscht.
Kopfschmerzen bis in den Nacken
Einen besonderen Stellenwert nehmen in den Nacken ausstrahlende Kopfschmerzen bei Gefäßmissbildungen (Aneurysmen) des Gehirns ein, die manchmal einer vollständigen Gefäßzerreißung mit lebensbedrohlicher Hirnblutung vorausgehen. Eine solche Subarachnoidalblutung geht mit akut einsetzenden, heftigsten Kopfschmerzen, manchmal auch neurologischen Ausfällen einher und bedarf einer sofortigen stationären Überwachung und gegebenenfalls notfallmäßigen Behandlung.
Kopfschmerzen bei Hirnhautentzündung (Meningitis) oder Hirnentzündung (Enzephalitis) entwickeln sich hingegen langsam über Stunden und weisen einen meist dumpfen Schmerzcharakter auf. Nach Verletzungen im Kopfbereich, zum Beispiel nach schweren Unfällen, treten in 30 bis 50 Prozent der Fälle chronisch immer wiederkehrende Kopfschmerzen auf, die vom Charakter den vaskulären oder Spannungskopfschmerzen vergleichbar sind.
Kopfschmerz kann auch als Symptom von Erkrankungen der Augen (Glaukom, Augenentzündung, Augentumoren, Fehlstellungen der Augäpfel, Fehlsichtigkeit), Ohren (Mittelohrentzündung, Trommelfellriss), Nebenhöhlen (Nebenhöhlenentzündungen oder -tumoren) oder des Kiefers und der Zähne (Karies, Wurzelabszesse, Kiefergelenkschmerz) auftreten.
Schläfenkopfschmerz und Nackenkopfschmerz
Heftiger einseitiger oder doppelseitiger Schläfenkopfschmerz ist charakteristisch für die Arteriitis temporalis, eine Entzündung des Schläfenblutgefäßes, welches als druckschmerzhafter Strang in der Schläfenregion hervortreten kann. Überwiegend im Nacken lokalisierte Kopfschmerzen, die allerdings auch in den gesamten Kopf ausstrahlen können, lenken den Verdacht auf eine degenerative oder rheumatische Erkrankung der Halswirbelsäule.
Die Beschwerden dieser Art sind oftmals lageabhängig und besonders morgens vor dem Aufstehen am heftigsten, so dass die Patienten manchmal aus dem Schlaf gerissen werden. Die Diagnose erhärtet sich durch Nachweis von Muskelverspannungen im Halsbereich sowie die Befunde einer Wirbelsäulenerkrankung im Röntgenbild.
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Kopfschmerzen bei Allgemeinerkrankungen
Blutdruckkrisen, schwere Nierenerkrankungen, Vermehrung der roten Blutkörperchen (Polyzythämie) aber auch Blutarmut (Anämie) oder Vergiftungen unterschiedlicher Art kommen als Auslöser von Kopfschmerzen in Betracht. Die Diagnose Kopfschmerz zu stellen, ist relativ einfach. Viel schwieriger gestaltet sich die Ursachenforschung. Bei typischem Schmerzcharakter und Verlauf kann die Zuordnung zu einer der bekannten primären Kopfschmerzursachen manchmal allein aus der Schilderung der Beschwerden durch den Patienten erfolgen.
In anderen Fällen müssen organische Erkrankungen im Kopf-, Hals-Nasen-Ohrenbereich und der Halsregion als auch Erkrankungen der inneren Organe und des gesamten Organismus ausgeschlossen werden. Kopfschmerz als Symptom an sich kennt eigentlich keine Komplikationen. Diese können allenfalls im Rahmen der zugrunde liegenden Erkrankungen auftreten und werden bei den entsprechenden Krankheitsbildern abgehandelt.