Krankengymnastik wirksam gegen Spannungskopfschmerz

Patienten mit chronischen oder häufigen Spannungskopfschmerzen sollten regelmäßig krankengymnastische Bewegungsübungen für Schulter, Nacken und Rücken durchführen, das empfehlen Experten der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).
Dass betroffene Patienten von einer Bewegungstherapie profitieren, belegt nun erstmals eine Studie an der Universität Parma, die in den "Kopfschmerz-News" der DMKG kommentiert wird. Was Kopfschmerzspezialisten bislang nur aufgrund vereinzelter Untersuchungen vermuteten, wird nun erstmals durch die wissenschaftliche Studie eines italienisch-dänischen Forscherteams bestätigt: Krankengymnastik bessert chronischen Spannungskopfschmerz.
Die Studie
Die Neurologen teilten 26 Patienten mit häufigen und 24 Patienten mit chronischen Spannungskopfschmerzen in zwei Gruppen ein. Nach einer vierwöchigen Beobachtungsphase erhielt die erste Gruppe über acht Wochen 16 krankengymnastische Behandlungen, während die andere Hälfte weiter beobachtet wurde und erst nach dieser Beobachtungszeit die Krankengymnastik erhielt.
Das Ergebnis: In der Behandlungsgruppe sanken die Kopfschmerztage pro Monat von 16 auf 12 Tage. Allerdings blieben Intensität und Dauer der Schmerzen gleich.
Vor allem Frauen profitieren
Eine genauere Analyse der Ergebnisse zeigte, dass Patienten mit der chronischen Form dieses Kopfschmerztyps besser auf die Krankengymnastik ansprachen als jene, die unter der episodischen, das heißt der gelegentlich auftretenden Form leiden. Darüber hinaus war auffallend, dass Frauen deutlicher als Männer von der Krankengymnastik profitierten.
Praktisch gut umsetzbar
Die Patienten wurden zunächst in Gruppen behandelt, sollten die Übungen aber im Verlauf der Untersuchung zu Hause ausführen. Dies erwies sich als praktikabel. "Wir empfehlen daher Patienten mit chronischen Spannungskopfschmerzen auch aktive krankengymnastische Übungen ", lautet der Rat der Kopfschmerz-Experten. Die Bewegungsübungen ergänzen die Behandlung mit bestimmten Medikamenten, die in die Schmerzverarbeitung eingreifen aber keine Schmerzmittel sind (siehe "Hintergrund"), sowie Verfahren zur Muskelentspannung.
WICHTIG!
Chronischer Spannungskopfschmerz sollte nicht mit Schmerzmitteln behandelt werden. Wenn mehr als acht bis zehn Mal im Monat Analgetika eingenommen werden, besteht die Gefahr, dass sich ein Schmerzmittelkopfschmerz entwickelt.
Patienten, die länger als drei Monate, jeden zweiten Tag oder sogar täglich Spannungskopfschmerzen haben, brauchen deshalb eine vorbeugende Therapie. Empfohlen werden Medikamente, die normalerweise zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden, zum Beispiel Amitriptylin. Diese verschreibungspflichtigen Medikamente beeinflussen die Schmerzverarbeitung im Gehirn. Hinzukommen sollten Entspannungsverfahren wie beispielsweise die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson.
