Spannungskopfschmerz – was tun?

Spannungskopfschmerzen

Es gibt viele verschiedene Formen von Kopfschmerzen. Neurologen unterteilen sie in Spannungskopfschmerzen, Cluster-Kopfschmerzen, Migräne und medikamenteninduzierten Kopfschmerz. Von diesen vier Formen ist der Spannungskopfschmerz die häufigste. Lesen Sie hier alles zu Symptomen, Ursachen und Behandlung von Spannungskopfschmerzen.

Wie äußert sich der Spannungskopfschmerz?

Typisches Symptom für den Spannungskopfschmerz sind dumpfe, drückende Kopfschmerzen, die meistens beidseitig aber nicht genau zu lokalisieren sind. "Wie ein Band um den Kopf" oder "schraubstockartig" sind häufige Beschreibungen der Beschwerden. Zusätzlich lassen sich bei Spannungskopfschmerzen oft folgende Charakteristika beobachten:

  • Die Intensität ist leicht bis mittelschwer.
  • Die Dauer der Schmerzen ist sehr unterschiedlich und kann von wenigen Stunden bis hin zu Tagen reichen.
  • Selten kommt ein Schwindelgefühl dazu.
  • In Abgrenzung zu anderen Kopfschmerzformen ist keine Verschlimmerung der Beschwerden durch körperliche Anstrengung und kein Pulsieren zu beobachten.
  • Häufig ist eine Beteiligung der Nacken- und Halsmuskulatur. Der Schmerz strahlt vom Nacken in den Hinterkopf und in den gesamten Kopf bis zur Stirnpartie aus.

Zwei Verlaufsformen des Spannungskopfschmerzes

Der Spannungskopfschmerz kann episodisch, also gelegentlich, oder chronisch auftreten. Von einem chronischen Spannungskopfschmerz spricht man, wenn die Beschwerden an mindestens der Hälfte der Tage im Monat (15 Tage) oder im Jahr (180 Tage) vorherrschen.

Ursachen des Spannungskopfschmerzes

Die Ursachen des Spannungskopfschmerzes sind wissenschaftlich nicht geklärt. Die gängigste Vorstellung geht von muskulären Verspannungen als Ursache des Spannungskopfschmerzes aus. Behandlungsmaßnahmen, die darauf aufbauen, zeigen eine gute Wirkung.

Durch eine dauerhafte Anspannung der Nacken- und Halsmuskulatur werden Schmerzrezeptoren aktiviert, wodurch das Kopfweh ausgelöst ist. Aufgrund des Schmerzgefühls verspannt die Muskulatur noch mehr – ein Teufelskreis entsteht.

Die Muskulatur kann aus unterschiedlichen Gründen verspannen. Naheliegend sind körperliche Fehlhaltungen oder eine Schwäche der Rückenmuskulatur. So kann beispielsweise eine ungünstige Köperhaltung am Arbeitsplatz zu dauerhaften Beschwerden führen.

Stress macht Spannungskopfschmerzen

Manche Menschen reagieren zudem in Stressphasen mit einer Verspannung der Nackenmuskulatur. Das sprichwörtliche Gewicht „lastet auf unseren Schultern“.

Einige Wissenschaftler gehen außerdem von einem Zusammenhang von Spannungskopfschmerz mit kieferorthopädischen Problemen, zum Beispiel dem nächtlichen Zähneknirschen, aus.

Was hilft gegen Spannungskopfschmerzen?

Da die Ursache von Spannungskopfschmerzen oft ein muskulärer Schmerz ist, sind alle Maßnahmen zur Entspannung der Muskulatur vorteilhaft:

  • Wärme, zum Beispiel durch eine Wärmflasche oder ein Kirschkernsäckchen, regt die Durchblutung der Muskulatur an und hilft, Stoffwechselprodukte abzutransportieren. Die Muskulatur kann sich so wieder entspannen.
  • Ätherische Öle, zum Beispiel Pfefferminzöl, haben den gleichen Effekt. Sie werden gleichmäßig auf Stirn, Schläfen und Nacken aufgetragen.
  • Förderlich sind außerdem Massagen.

Weitere Hausmittel gegen Spannungskopfschmerz

Zudem gibt es sogenannte Triggerpunkte, die nach der Lehre der Akupressur Linderung bringen können: Massieren Sie dafür sanft Ihre Schläfen in kreisenden Bewegungen, etwa zwei Finger breit vom Ende der Augenbrauen entfernt.

Auch ein heißes Bad, Wechselduschen oder Saunagänge tragen zur Entspannung der Muskulatur bei und wirken gleichzeitig stressmildernd.

Für homöopathische Mittel gibt es derzeit keine wissenschaftliche Evidenz. Fragen Sie bei Interesse einen Arzt mit Kenntnis auf dem Gebiet der Homöopathie um Rat, welches Präparat für Sie in Frage kommen könnte.

Vorsicht mit Schmerzmitteln

Erst wenn diese Allgemeinmaßnahmen nicht helfen, sollte ein Schmerzmittel eingenommen werden, um die Spannungskopfschmerzen zu lösen. Mittel der ersten Wahl sind Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen oder Paracetmaol. Einige Präparate gibt es rezeptfrei in der Apotheke. Haben Sie viele Vorerkrankungen oder Allergien, sollten Sie vorher mit Ihrem Hausarzt über ein geeignetes Schmerzmittel sprechen.

Vorsicht ist allerdings bei der Häufigkeit der Einnahme geboten: Gerade bei Spannungskopfschmerzen ist es sehr wichtig, die Schmerzmittel nicht häufiger als zehn Mal im Monat einzunehmen. Andernfalls besteht die Gefahr, einen medikamentenabhängigen Kopfschmerz zu entwickeln, der sehr schwer zu behandeln ist.

Bekommen Sie Ihre Spannungskopfschmerzen alleine nicht in den Griff, wenden Sie sich an Ihren Arzt. Bei länger andauernden Beschwerden besteht die Gefahr chronischer Spannungskopfschmerzen, deren Verlauf aufgrund der Gefahr der Ausbildung eines Schmerzgedächtnisses und begleitender psychiatrischer Beschwerden deutlich schlechter ist.

Der chronische Spannungskopfschmerz

Der chronische Spannungskopfschmerz ist selten und entwickelt sich aus einem episodischen Spannungskopfschmerz.

Risikofaktoren für einen chronischen Verlauf sind psychologische Nebenerkrankungen wie Depressionen und Angststörungen. Auch von familiär gehäuften chronischen Spannungskopfschmerzen wird als Risikofaktor berichtet.

Kehrt Spannungskopfschmerz ständig wieder, entwickelt das Gehirn langfristig ein sogenanntes Schmerzgedächtnis. Durch die häufigen Schmerzen wird die Schmerzregulation gestört und schon kleine Reize werden zunehmend als starke Schmerzen wahrgenommen. Gerade chronischer Spannungskopfschmerz kann also auf Dauer das Gehirn verändern und sollte deshalb behandelt werden.

Spezielle Therapie beim chronischen Spannungskopfschmerz

Beim chronischen Spannungskopfschmerz kommen Medikamente zur Anwendung, die auch zur Behandlung von Depressionen eingesetzt werden. Trizyklische Antidepressiva, wie zum Beispiel Amitriptylin oder Amitriptylinoxid, sind Mittel der ersten Wahl. Sie erhöhen den Serotoninspiegel im Gehirn.

Serotonin ist ein Hormon, welches eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Schlaf, Stimmungslage und Schmerz spielt. Eine Therapie mit trizyklischen Antidepressiva muss über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden, um eine Aussicht auf Erfolg zu bieten.

Zusätzlich sollte ein Kopfschmerztagebuch geführt werden. So können auslösende Momente im Alltag entdeckt und ihnen gezielt gegengesteuert werden.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Prinzipiell lassen sich Spannungskopfschmerzen gut mit Hausmitteln und Allgemeinmaßnahmen behandeln. Kann dadurch jedoch keine Besserung herbeigeführt werden, sollten Sie sich von Ihrem Arzt beraten lassen.

Tritt der Spannungskopfschmerz sehr häufig auf und besteht der Verdacht auf einen chronischen Verlauf, ist die Hinzuziehung eines Arztes ebenfalls empfehlenswert.

Schließlich gibt es noch einige Anzeichen, die im Zusammenhang mit den Spannungskopfschmerzen auf andere Grunderkrankungen hinweisen können. Wenden Sie sich bei folgenden zusätzlichen Beschwerden an einen Arzt:

  • Sehstörungen
  • Kraftminderung der Arme oder Beine
  • Gefühlsstörungen, wie Kribbelgefühle oder Taubheit
  • zusätzliches Fieber
  • Nackensteifigkeit
  • schlagartig einsetzende Kopfschmerzen
  • sehr starke Kopfschmerzen
  • Licht- und Lärmempfindlichkeit
  • Übelkeit, Erbrechen
  • einseitige Kopfschmerzen
  • Rötung und Tränen der Augen
  • Kopfschmerzen nach einem Sturz

Vorbeugende Maßnahmen beim Spannungskopfschmerz

Vor allem bei Anzeichen für einen chronischen Spannungskopfschmerz sind vorbeugende Maßnahmen empfehlenswert.

Wichtig ist die Vermeidung von Stress. Dazu gehören das Einplanen von regelmäßigen Pausen im Arbeitsalltag sowie ausreichend Schlaf.

Um dauerhaft beschwerdefrei zu werden, muss man die Ursachen für die muskulären Verspannungen beseitigen. Eine kritische Begutachtung des Arbeitsplatzes kann hier bereits Wunder bewirken. Zu achten ist zum Beispiel auf die Höhenrelation von Tisch und Stuhl, ergonomische Arm- und Rückenlehnen und den Blickwinkel auf den Bildschirm.

Körperliche Fitness ist ein weiterer wichtiger Faktor. Neurologische Fachgesellschaften empfehlen Ausdauersport wie Radfahren, Schwimmen oder Joggen – am besten dreimal 30 Minuten in der Woche.

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Psychische Belastung bei Spannungskopfschmerzen

Wenn Sie sich in einer stressigen Lebensphase befinden, können bewusste Auszeiten helfen, Stress abzubauen und so Spannungskopfschmerzen vorzubeugen. Meditation, Spaziergänge an der frischen Luft und Entspannungsübungen versprechen Besserung.

Bei schwerwiegenden psychischen Belastungen kann sogar eine psychologische Behandlung nötig sein. Anerkannte Verfahren sind zum Beispiel die progressive Muskelrelaxation oder das Biofeedback, ergänzt durch Verhaltenstherapien.