Hirnischämie

Hirn|isch|ämie

cerebral ischemia

Fach: Pathologie

Blutleere bzw. mangelnde Versorgung des Gehirns mit Blut. Entsprechend den Ursachen lassen sich intra- oder extrakraniell bedingte Hirnischämien unterscheiden. Klassifik.: Hinsichtlich der Ausprägung werden globale u. regionale Hirnischämien differenziert. Bei der globalen H. ist die Hirndurchblutung des gesamten Gehirns gestört (Durchblutungsstörung, zerebrale), und zwar vollständig oder unvollständig (komplette gl. H. bzw. inkomplette gl. H.). Sie führt bei ausschließlicher Blockade des arteriellen Zustroms aufgrund des Blutabflusses über die freien Venen zu Blutleere des Gehirns (anämische H.). Bei gleichzeitigerBlockierung auch des venösen Schenkels, z.B. bei Strangulation, hat sie dagegen eine pralle Füllung der Gefäße zur Folge (hyperämische H.). Diese ist infolge der Stagnation des Blutes verbunden mit erhöhter Blutviskosität u. größerem Flüssigkeitsgehalt des Schädelinnenraumes. Die gl. H. ist mit einer Einengung der Mikrozirkulation verknüpft. Die Rezirkulation im Anschluss an die Ischämie ist erschwert (No-Reflow-Phänomen). Die inkomplette gl. H. ist zumeist bedingt durch eine Minderung des Perfusionsdrucks entweder infolge einer Senkung des arteriellen Drucks (Hypotonie-Ischämie), infolge Oligämie bei verminderter Blutzufuhr über die Arteriae carotis bzw. vertebralis oder aber infolge eines Anstiegs des intrakraniellenDrucks (Kompressionsischämie). Dabei sind v.a. die Endverzweigungsgebiete betroffen (Grenzzonen-Ischämie). Die regionale H. ist auf begrenzte Hirnbereiche beschränkt (z.B. bei Apoplexia cerebri). Sie wird bei extrakranieller Ursache (extrakranielle Gefäßverschlüsse) begrenzt durch die über den Circulus arteriosus Willisii meist ausreichende Kollateralversorgung über die Gegenseite. Pathophysiol.: Die H. führt zu Störungen des Energiestoffwechsels mit Übergang vom oxidativen Abbau von Glucose zu deren anaerobem Abbau. Dies bedeutet wesentlich geringere ATP-Ausbeute sowie Bildung von Lactat. Die Folgen sind weniger gravierend z.B. bei Hypothermie, bei welcher der Energiebedarf ohnehin niedrigerist; dagegen ist der Milchsäureanstieg stärker bei inkompletter globaler H., wodurch die Wiederbelebung erschwert wird. Klinik: Je nach Dauer, Schweregrad, Lokalisation u. Ausdehnung der Ischämie kann es zu funktionellen Störungen oder zu morphologischen Veränderungen mit charakteristischer Symptomatik kommen. Das ischämische Hirnödem ist eine mögliche schwerwiegende Folge. Daneben treten auch Allgemeinsymptome wie z.B. Schocklunge oder intravasale Koagulopathien auf. Eine H. kann Symptom eines Hirninfarkts sein.

Apoplexia cerebri; Arteria cerebri; Arteria chor(i)oidea; Coma 2); CS; Durchblutungsstörung, zerebrale; Encephalomalacia; Hirnanoxie; Hirndurchblutung; Hirninfarkt; Hirnödem; Hirnödem, ischämisches; Ischämie; Ischämie, zerebrale; zerebrale Ischaemie

Rochelexikon A-Z

Sie suchen einen bestimmten Begriff?
Einfach auf den entsprechenden Anfangsbuchstaben klicken...