Mehr Lebensqualität für ältere Menschen
Dagegen waren die Studienteilnehmer jüngeren und mittleren Alters besser, wenn sie die „distanzierte Wiederbewertung“ benutzten, um abzuschalten und ihre Aufmerksamkeit von den unangenehmen Filmszenen wegzulenken. Für diese Strategie kommt insbesondere die „Exekutivfunktion“ des Stirnhirns zum Einsatz, ein Mechanismus, der für Gedächtnis, Planung und Impulskontrolle zuständig ist und mit dem Alter schwächer wird.
Durch Verhaltensunterdrückung konnten Menschen aller drei Altersgruppen ihre emotionalen Reaktionen gleich gut kontrollieren. „Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass Verhaltensunterdrückung keine sehr gesunde Art ist, um Emotionen zu kontrollieren“, erklärt Levenson. Sein Team kommt zum Schluss, dass „es für ältere Menschen besser sein könnte, sich weiter am sozialen Leben zu beteiligen, indem sie positive Wiederbewertung benutzen, um mit belastenden und herausfordernden Situationen umzugehen, statt sich aus Situationen zurückzuziehen, die ihnen die Möglichkeit böten, ihre Lebensqualität zu erhöhen.“
Stärkere Trauer bei älteren Menschen
In einer anderen Studie, die in der Juliausgabe 2010 des Journals Social Cognitive and Affective Neuroscience erschien, wandten die Forscher ähnliche Methoden an, um zu testen, ob das Alter einen Einfluss darauf hat, wie Menschen mit traurigen Filmszenen umgehen.
Für diese Experimente wurden 222 gesunde Erwachsene in ihren Zwanzigern, Vierzigern und Sechzigern an die physiologischen Messapparate angeschlossen, während sie sich die gleichen Filmausschnitte aus „21 Gramm” und „Der Champ” ansahen. Die älteren Teilnehmer reagierten auf die gefühlsgeladenen Szenen stärker mit Traurigkeit als die jüngeren. „In höherem Alter entwickeln Menschen oft andere Sichtweisen und verfolgen Ziele, bei denen es mehr auf enge zwischenmenschliche Beziehungen ankommt“, meint der Psychologe Benjamin Seider von der UC Berkeley, der erste Autor der Studie. „Daher reagieren sie eher mit Traurigkeit, denn die gemeinsame Erfahrung von Traurigkeit lässt zwischenmenschliche Beziehungen enger werden.“
Traurigkeit: Sinnvolle Emotion
Entgegen landläufiger Meinung bedeutet eine stärkere Neigung zu Traurigkeit hier keineswegs ein erhöhtes Risiko für Depressionen, denn in dieser Studie war Traurigkeit eine gesunde Reaktion, erklärt Levenson. „Traurigkeit kann in höherem Alter eine ausgesprochen sinnvolle und hilfreiche Emotion sein, denn wir werden unausweichlich mit Verlusten konfrontiert, die wir im Leben erfahren, und mit denen wir selbst umgehen müssen und bei denen wir andere trösten müssen“, so Levenson abschließend.
Autor/Quelle: Dr. Rose Shaw

