Emotionale Intelligenz im Alter
Im Alter sind Menschen mehr und mehr auf die Hilfe anderer angewiesen. Eine aktuelle Studie hat untersucht, wie Menschen verschiedenen Alters mit Emotionen umgehen. Deutlich wurde dabei, dass zwar ältere Menschen manche Gefühle weniger stark kontrollieren, das aber durch ihre Lebenserfahrung ausgleichen können. Dr. Rose Shaw, Psychotherapeutin aus München, stellt im Blog Psychologie Aktuell eine Presseerklärung zu der Studie vor, die auf die Vorteile hinweist, die ältere Menschen durch ihren reiferen Umgang mit Emotionen haben.
Kontrolle der Gefühle
Psychologen der University of California in Berkeley haben festgestellt, dass ältere Menschen Schwierigkeiten haben, ihre Gefühle zu kontrollieren, besonders wenn sie Szenen aus Filmen und Reality-Shows sehen, die herzzerreißend oder abstoßend sind. Dennoch sind sie jüngeren Menschen überlegen, wenn es darum geht, in einer schwierigen Lage etwas Positives zu sehen oder sich in jemanden hineinzuversetzen, der Mitleid verdient. Das Team von Forschern der UC Berkeley unter Leitung des Psychologen Robert Levenson wollte wissen, wie sich unsere emotionalen Strategien und Reaktionen verändern, wenn wir älter werden. Ihre Ergebnisse sprechen für eine Theorie, nach der sich die emotionale Intelligenz und kognitiven Fähigkeiten noch verbessern, wenn wir unsere sechziger Lebensjahre erreichen. Dies verschafft älteren Menschen auf der Arbeit und in persönlichen Beziehungen Vorteile.
Soziale Beziehungen im Alter
„Es sieht mehr und mehr danach aus, dass sich der Lebensinhalt bei älteren Menschen eher um soziale Beziehungen dreht sowie darum, sich um andere zu kümmern und selbst versorgt zu werden“, erklärt Levenson. „Die Evolution scheint unser Nervensystem so abgestimmt zu haben, dass es für diese Art von zwischenmenschlichem und mitfühlendem Verhalten optimal ist, wenn wir ins Alter kommen.“ In der ersten Studie untersuchten die Forscher, wie 144 gesunde Erwachsene in ihren Zwanzigern, Vierzigern und Sechzigern auf neutrale, traurige und abstoßende Filmausschnitte reagierten. Insbesondere testeten sie, wie die Teilnehmer von Techniken Gebrauch machen, die als „distanzierte Wiederbewertung“, „positive Wiederbewertung“ und „Verhaltensunterdrückung“ bezeichnet werden. Die erste Autorin der Studie Michelle Shiota ist jetzt Assistenzprofessorin für Psychologie an der Arizona State University. Die Ergebnisse wurden in dem Journal Psychology and Aging veröffentlicht.
Alter und Lebenserfahrung
Die Wissenschaftler maßen den Blutdruck, die Herzfrequenz, Hautfeuchtigkeit und das Atmungsmuster der Teilnehmer, während sie eine Szene aus dem Film „21 Gramm” sahen, in der eine Mutter erfährt, dass ihre Töchter bei einem Autounfall ums Leben gekommen sind. In einem anderen Ausschnitt aus „Der Champ” sieht ein Junge, wie sein Mentor nach einem Boxkampf stirbt. Des weiteren sahen sie abstoßende Szenen aus der Fernsehsendung „Fear Factor”. Für die distanzierte Wiederbewertung der Szenen sollten die Probanden eine objektive, nüchterne Haltung einnehmen. Für die positive Wiederbewertung sollten sie sich auf die positiven Aspekte dessen konzentrieren, was sie sahen. Für die Verhaltensunterdrückung schließlich sollten sie überhaupt keine Gefühle zulassen. Die Ergebnisse zeigten, dass ältere Menschen darin am besten waren, die negativen Szenen durch positive Wiederbewertung in ein positives Licht zu rücken. Dieser Bewältigungsmechanismus profitiert am meisten von der Lebenserfahrung und dem, was ein Mensch gelernt hat.
Autor/Quelle: Dr. Rose Shaw

