Selbstverteidigung für Ältere

Die Selbstverteidigung ist das wichtigste Ziel aller Kampfkunststile wie Karate, Aikido, Kung-Fu, Judo, Eskrima, Kickboxen, Boxen, Taekwondo, Jiu-Jitsu, Aikido oder Wing Tsung. Im Trend liegen Kurse für ältere Menschen, die dadurch Selbstbewusstsein, Schnelligkeit, Geistesgegenwart und Reaktionsvermögen stärken und aus der Opferrolle herauskommen lernen.
Die Bilder des 76-jährigen Rentners, der im Dezember 2007 von zwei Männern brutal zusammengeschlagen wurde, gingen wochenlang durch die Medien. Es entsteht so schnell der Eindruck, dass ältere Menschen immer öfter Opfer von Gewalttaten werden. Doch zum Glück belegen die Statistiken, dass dies nicht so ist. Schon seit Jahren liegt der Anteil der Seniorinnen und Senioren bei rund 12 Prozent: Aus der Polizeilichen Kriminalstatistik des BKA für das Jahr 2006 geht hervor, dass von 602.613 Opfern 47.669 älter als 60 Jahre waren. Das sind immer noch viele Opfer, aber älter zu werden bedeutet nicht, wehrloser zu sein.
Aktives Wehren
Denkt man an Selbstverteidigung, so hat man meist den Unbekannten vor Auge, der aus dem Gebüsch springt und Geld oder Schmuck verlangt. Nach Meinung des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) fängt Selbstverteidigung aber viel früher an. "Selbstverteidigung ist eine Frage der Einstellung", meint DRK-Ortsvorsitzender Werner Aschmutat. "Aktives Wehren" sei eine Sache der Einstellung, die auch in den Alltag hineinreicht. Letztlich stelle sich immer die Frage, ob die betroffene Person sich selbst behaupte oder nicht. Das Schlüsselwort ist also Selbstbewusstsein. Selbstbewusste Menschen können in der Lage sein, die Opferrolle bewusst abzulegen und zunächst verbal klare Grenzen setzen. Dazu kann es im Zweifel ausreichen, lautes Rufen zu trainieren, um andere Passanten aufmerksam zu machen. Sollte das nicht reichen, werden einfache, aber effektive Techniken benötigt, um sich körperlich zur Wehr zu setzen.
Kampfsport für Senioren im Trend
Ältere Menschen sollten selbstbewusster auftreten, damit sie nicht Opfer von Straftaten werden. Sie werden häufig auf offener Straße überfallen, oder die Täter verschaffen sich mit Tricks Zugang in die Wohnung der Opfer. Dabei gehen die Angreifer oft nach einem bestimmten Muster vor: Als Opfer werden diejenigen ausgewählt, die auf den ersten Blick einen unsicheren Eindruck machen. Niemand sollte deshalb ängstlich durch die Gegend gehen und sich von vornherein als mögliches Opfer fühlen. Daher sind prinzipiell alle Kampfsportarten auch für Seniorinnen und Senioren geeignet – allerdings sollte man immer mit dem Hausarzt die Risiken besprechen.
Japanischer Kampfsport für Senioren liegt im Trend. So bieten allein in Berlin sechs Vereine und viele kommerzielle Studios spezielle Kurse für ältere Menschen an. Dieter Bergmann, Beauftragter für Seniorensicherheit im Landeskriminalamt, sieht jedoch die steigende Zahl von Selbstverteidigungsangeboten eher kritisch. "Bei aggressiven Überfällen helfen erlernte Kampftechniken meist wenig", sagt er und appelliert an das Verantwortungsbewusstsein der Trainer, denn schließlich solle man ältere Menschen nicht motivieren, sich durch Gegenwehr in Gefahr zu bringen.
Autor/Quelle: bo

