Häusliche Pflege von Angehörigen - Mehr als ein Job

Über zwei Drittel aller Pflegebedürftigen werden zu Hause von ihren Familien versorgt. Für diese ist die Pflege der Angehörigen meist mit einer hohen Belastung verbunden. Doch welche Ansprüche und Entlastungsmöglichkeiten gibt es für sie? Und an wen können sie sich wenden, wenn sie Hilfe benötigen?
Helga S., 76, leidet an der Parkinson’schen Krankheit. Hierbei gehen langsam die Nervenzellen der Hirnregion Substantia nigra, die den flüssigen Ablauf von Körperbewegungen steuert, zugrunde. Inzwischen sind die Symptome so weit fortgeschritten, dass Helga S. alleine nicht mehr zurecht kommt. Ihre Tochter Marlies hat ihre Arbeit als Chemielaborantin auf eine Halbtagsstelle reduziert und will sie bei sich aufnehmen und pflegen – zusammen mit ihrem Mann Peter, der Vollzeit als Beamter arbeitet. In ihrem Einfamilienhaus ist im Untergeschoss ein Zimmer frei geworden, seit Marlies Tochter ausgezogen ist.
Pflege zu Hause: Erste Informationen in Pflegekursen
Marlies ist sich darüber im Klaren, dass der sich mit den Jahren verschlechternde Zustand ihrer Mutter ihr Einiges an Zeit, Verantwortung und körperlichem Einsatz abverlangen wird, doch Tochter und Mutter verstehen sich sehr gut. Und da die Krankheit nicht plötzlich auftrat, konnten sich alle Beteiligten darauf einrichten. Marlies hat, nachdem der Entschluss feststand, einen Kursus für pflegende Angehörige besucht, denn ihre Krankenkasse kooperiert mit einem Bildungszentrum für Gesundheits- und Sozialberufe und hat entsprechende Kurse angeboten. Themen waren unter anderem: das Pflegebett, die Blutdruckmessung, die Pulsmessung, die Anwendung von Heil- und Hilfsmitteln, rückenschonendes Arbeiten, spezielle Techniken (z. B. Transfer vom Bett in einen Stuhl), Körperhygiene, Umgang mit bettlägerigen Menschen, Hilfestellung beim Essen und Trinken bis hin zu Fragen rund um die Pflege- und Krankenversicherung sowie zu gesetzlichen und institutionellen Hilfen. Außerdem wurde medizinisches Grundwissen über Erkrankungen und deren Auswirkungen auf die Pflegebedürftigen vermittelt.
Pflegekurse für pflegende Angehörige und Interessierte werden von den Wohlfahrtsträgern und -organisationen wie Caritas oder auch von Krankenhäusern angeboten, vielerorts unter der Sammelbezeichnung "Krankenhilfe". Oft gibt es spezielle Kurse für den Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen und Informationen zur Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Sofern Kursgebühren anfallen werden sie meistens von der Pflegekasse erstattet.
Pflegende Angehörige
Etwa zwei Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Ohne Zweifel sind die größten Pflegedienste die Familien und die Angehörigen. Bereits heute gibt es etwa 4,1 Millionen Männer und Frauen über 80 Jahre in Deutschland, es ist die am schnellsten wachsende Altersgruppe. Die Zahl der Jahre, in denen sich ihre erwachsenen Kinder entweder persönlich oder über einen Pflegedienst um sie kümmern müssen, wächst: 10, 15 Jahre Pflege sind keine Seltenheit mehr. Zwei Drittel aller Pflegebedürftigen, nämlich 69 % oder 1,44 Mio. pflegebedürftiger Menschen, werden zu Hause versorgt. Nur 31% aller Pflegebedürftigen werden im Pflegeheim betreut. Von den häuslich Betreuten werden zwei Drittel ausschließlich von pflegenden Angehörigen betreut, das sind 1 Mio. Menschen.
Autor/Quelle: bo

