Chemotherapie: Chemotherapeutika
Es gibt mehrere Dutzend verschiedene Zytostatika, hier die wichtigsten Gruppen im Überblick.
Alkylanzien
Sie greifen die Moleküle der Erbsubstanz an und stören in Tumorzellen nicht nur die Neubildung von DNA vor der Zellteilung, sondern auch die Ablesevorgänge während des normalen Stoffwechsels. Beispiele sind Cyclophosphamid, Hydroxyharnstoff (Hydroxyurea) oder Melphalan.
Antimetabolite
Solche Zytostatika werden in die DNA als "falsche" Bausteine eingebaut und zerstören so die Erbinformation. Sie wirken während der Zellteilung und haben vergleichsweise geringe Nebenwirkungen und Langzeitfolgen. Niedrig dosierte Antimetabolite werden deshalb zum Beispiel auch zur Behandlung von Krebsvorstufen der Haut, von hartnäckigen Warzen, aber auch von Rheuma eingesetzt. Beispiele sind Methotrexat, 5-Fluoruracil (5-FU), Cladribin, Fludarabin, Capecitabine oder Gemcitabine.
Antitumorantibiotika
Sie verursachen, ähnlich wie "normale" Antibiotika in Bakterien, in Tumorzellen sowohl Brüche der DNA wie auch Veränderungen an der Zellmembran. Sie wirken nicht nur während der Phase der Zellteilung, haben deshalb aber leider auch mehr Nebenwirkungen. Beispiele sind Doxorubicin oder Epirubicin.
Vincaalkaloide
Diese Stoffe wurden ursprünglich aus der Pflanze Immergrün (Vinca) entwickelt; sie gehört zur Familie der Hundsgiftsgewächse. Sie hemmen die Zellteilung und leider auch die Reizleitung in den Nerven, wirken also giftig auf die Nerven (neurotoxisch). Beispiele sind Vinblastin und Vincristin.
Taxane
Diese neuere Gruppe wird aus Eibenrinde gewonnen, die Substanzen halten die Zellteilung an. Beispiele sind Paclitaxel, Docetaxel und andere.
Platin-Verbindungen
Hier verbinden sich chemische Verbindungen des Edelmetalls mit der DNA und hemmen außerdem Enzyme, die dadurch ausgelöste Schäden reparieren könnten. Sie sind sehr wirksam, führen aber auch zu starker Übelkeit, die mit Begleitmedikamenten unterdrückt werden muss. Beispiele sind Cisplatin, Oxaliplatin und Carboplatin.
Topoisomerase-Hemmer
Sie hemmen Reparaturen am Erbmaterial und wurden ursprünglich aus giftigen Pflanzen entwickelt. Beispiele sind Camptothecin, Topotecan, Irinotecan, Etoposid und Teniposid.
Antihormone und Antikörper
Neben diesen chemotherapeutischen Medikamenten werden andere Wirkstoffe gezielt gegen Krebszellen eingesetzt. Antihormone blockieren das Wachstum gewisser Tumorarten (z.B. bei Brust- oder Prostatakrebs), da die natürlichen Hormone hier als Wachstumssignal wirken. Bestimmte Antikörper wirken nur auf bestimmte Merkmale der Tumorzellen, z.B. bei Lungenkrebs.
Autor/Quelle: Quelle: Deutscher Krebsinformationsdienst / Nathalie Blanck

