Chemotherapie: Durchführung und Dosierung
Wie wird eine Chemotherapie verabreicht?
Die meisten Patienten erhalten die Medikamente heute mittels Infusion in die Vene. Bei dieser Anwendungsform wirken die Zytostatika im ganzen Körper. Auf diese Weise werden auch winzige Tumoren oder im Körper verstreute Krebszellen erreicht, die mit Röntgenaufnahmen oder bei einer Operation nicht sichtbar sind. Dieser Ansatz, der sich nicht nur auf eine lokale Behandlung eines Tumors beschränkt, wird auch als "systemisch" bezeichnet.
Monotherapie, Kombinationstherapie, Zyklen und Schemata
Zytostatika können einzeln gegeben werden, dann spricht man von einer Monotherapie. Häufig werden aber auch mehrere Substanzen kombiniert, um ihre verschiedenen Effekte auf die Tumorzelle zu addieren. Hinzu können Hilfsmedikamente (Adjuvantien, Additiva) kommen, die zum Beispiel die Wirkung der Zytostatika verstärken, ohne selbst toxisch zu sein. Mittel zur Vorbeugung und Linderung von Nebenwirkungen gehören heute zu jeder Chemotherapie dazu, vor allem Arzneimittel gegen Übelkeit.
Wie findet man die besten Kombinationen?
Einige Zytostatika der ersten Generation haben bis heute einen hohen Stellenwert in der Krebstherapie. Diese Medikamente sind inzwischen so gut erforscht, dass über ihre Wirkungen und Nebenwirkungen kaum noch Fragen offen bleiben. In den letzten Jahren ist das Spektrum der Anwendungsmöglichkeiten für Chemotherapeutika allerdings auch durch neue Substanzen erweitert worden: Dazu gehören beispielsweise die Taxane oder die Platinverbindungen.
Doch die Chemotherapie lässt sich nicht nur durch neue Arzneimittel verbessern: Auch an der Anwendungsform, dem zeitliche Rhythmus oder der Verträglichkeit wird intensiv gearbeitet. Das wachsende Wissen über die Biologie von Tumoren führt dazu, dass bereits lange bekannte und bewährte Zytostatika neu kombiniert oder in anderen Dosierungen und Zeitabständen getestet werden. So soll ausgelotet werden, ob die optimale Wirkung bei Krebspatienten bereits erreicht wurde oder ob sich nicht doch noch eine Verbesserung erzielen oder Nebenwirkungen reduzieren lassen. Auch die Verringerung von Langzeitfolgen spielt heute eine große Rolle.
Wie wird eine Chemotherapie dosiert?
Die Dosierung orientiert sich an klinischen Studien, die vor der Zulassung des jeweiligen Medikaments durchgeführt wurden. Entscheidend für die Dosierung ist die Körperoberfläche eines Patienten. Sie wird anhand des Gewichts und der Körpergröße ermittelt. Sind bei einem Patient Nieren- oder Leberfunktionsstörungen bekannt, werden auch der verlangsamte Abbau und/oder die verzögerte Ausscheidung der Arzneimittel mit einbezogen. Dosis sowie Abstände der Medikamentengabe sind jedoch keine ganz festgelegten Größen: Leidet ein Patient sehr unter Nebenwirkungen oder erholt sich sein Körper in den Therapiepausen nur schlecht, ist es bis zu einem gewissen Grad notwendig und möglich, die Dosierung individuell auf seine Situation anzupassen.
Von Bedeutung sind auch die zeitlichen Abstände, in denen die einzelnen Substanzen oder die Kombinationen gegeben werden. Bei der Planung berücksichtigen Krebsmediziner die Kenntnisse über die jeweilige Wirkdauer der Zytostatika, die Zeit, die der Körper braucht, um sich zu erholen, sowie das Wissen über die bestmögliche Gesamtdauer der Anwendung.
Eine Chemotherapie verläuft nach einem festgeschriebenen Schema ab, das wiederholte Medikamentengaben in mehr oder weniger festen Abständen vorsieht. Spricht der Arzt von einem "Schema", das sechs "Zyklen" vorsieht, so bedeutet dies - um ein Beispiel für viele Möglichkeiten zu nennen -, dass über einen Zeitraum von mehreren Wochen sechsmal eine Chemotherapie erfolgt, dazwischen liegt jeweils eine Pause von einigen Tagen ohne Medikamentengabe.
Meist werden diese Behandlungs-Schemata mit den Abkürzungen der verwendeten Substanzen bezeichnet. So steht FEC beispielsweise für die Kombination von Fluoruracil, Epirubicin und Cyclophosphamid, FOLFOX für eine Abfolge von Folinsäure, Fluoruracil und Oxaliplatin.
Ambulante oder stationäre Chemotherapie?
Heute wird die Mehrzahl der Chemotherapien ambulant durchgeführt. Dies ist zum einen möglich geworden, weil schwere Nebenwirkungen wie Übelkeit im Vergleich zu früher besser behandelbar sind. Zum anderen bieten viele Krankenhäuser die Chemotherapie über ihre Ambulanzen an, viele Krebsärzte haben die entsprechenden Einrichtungen auch in ihren Praxen geschaffen. Sehr intensive Therapien erfordern allerdings nach wie vor einen Krankenhausaufenthalt. Gründe sind zum Beispiel die notwendige regelmäßige Kontrolle der Nierenfunktion oder andere Überwachungen. Stationär werden auch Patienten behandelt, die während der Therapie voraussichtlich besonders infektionsgefährdet sein werden.
Autor/Quelle: Quelle: Deutscher Krebsinformationsdienst / Nathalie Blanck


