Verhaltenstherapie bei Depression

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Der Name „Verhaltenstherapie“ hat sich für eine Behandlung eingebürgert, in der es nicht nur und auch nicht unbedingt überwiegend um eine Änderung des Verhaltens geht. Eine Studie zeigt, dass bei Patienten mit Depressionen eine zweite Komponente der Therapie, die Hilfe zur Veränderung kontraproduktiver Denkweisen, wichtiger sein kann. Dr. Rose Shaw, Psychotherapeutin aus München, stellt im Blog Psychologie Aktuell eine Pressemitteilung der Universität zu der Studie vor, die auch auf weitere wichtige Aspekte der Therapie hinweist.

Depression: Verhaltenstherapie effektiv, wenn...

Die Studie zeigt, dass Verhaltenstherapie (VT) bei Patienten mit mittelschweren bis schweren Depressionen am effektivsten ist, wenn der Schwerpunkt der Behandlung auf einer Veränderung des Denkens des Patienten liegt und nicht auf der seines Verhaltens. Die Ergebnisse machen deutlich, dass sich der Verhaltenstherapeut zumindest in den ersten paar Sitzungen auf gedankenorientierte Techniken konzentrieren sollte. Das hilft Patienten mit eher schweren Depressionen, sich von negativen Denkmustern zu befreien und Ereignisse in ihrem Leben realistischer zu sehen. Die Forscher stellten fest, dass der Fokus auf eine Verhaltensänderung – wie Aktivitäten mit dem Patienten zu planen, damit er öfter seine Wohnung verlässt, und nachzufragen, was er gemacht hat – keinen wesentlichen Einfluss auf die Veränderung der Depressionssymptome hat.

VT: Gedankenorientierte Techniken

„In der vergangenen Zeit war das Interesse sehr auf verhaltensorientierten Methoden zur Behandlung von schweren Depressionen gerichtet. Das hat möglicherweise dazu geführt, dass manche Menschen vermuten, gedankenorientierte Techniken spielen bei Patienten mit eher schweren Depressionen keine Rolle“, so Daniel Strunk, der erste Autor der Studie und Assistant Professor für Psychologie an der Ohio State University in den USA. „Aber unsere Ergebnisse zeigen, dass es in Wirklichkeit die gedankenorientierten Strategien sind, die in den entscheidenden ersten Wochen einer Verhaltenstherapie am meisten dazu beitragen, dass es Patienten besser geht.“

Verhaltenstherapie-Studie mit 60 Patienten

Strunk führte die Studie zusammen mit Melissa Brotman vom National Institute of Mental Health und Robert DeRubeis von der University of Pennsylvania in den USA durch. An der Studie nahmen 60 Patienten mit klinischen Depressionen teil, die an zwei Universitätskliniken behandelt wurden. Alle Patienten wurden von einem von insgesamt sechs Verhaltenstherapeuten behandelt und hatten sich bereit erklärt, ihre Therapiesitzungen für die Studie mit einer Videokamera aufzeichnen zu lassen. Zwei speziell geschulte Gutachter sahen sich die Videoaufnahmen der ersten vier Therapiesitzungen an und beurteilten, wie viel Gewicht die Therapeuten auf gedankenorientierte und verhaltensorientierte Methoden legten sowie andere Aspekte der Therapiesitzungen. Des Weiteren beantworteten die Patienten bei jeder Therapiesitzung einen Fragebogen, mit dem der Schweregrad ihrer Depressionen gemessen wurde. Anschließend verglichen die Forscher die einzelnen Techniken, mit denen die Therapeuten arbeiteten, mit den Verbesserungen der Depressionswerte ihrer Patienten von einer Therapiesitzung zur nächsten.

Schweregrad der Depression

Die Studie konzentrierte sich dabei auf die ersten Wochen der Therapie, da man durch andere Untersuchungen bereits wusste, dass sich in dieser Phase der Behandlung die Depressionen der Patienten am meisten verbessern. In der Auswertung wurde deutlich, dass sich der Schweregrad der Depressionen bei den Patienten deutlich verbesserte, wenn ihre Therapeuten vorwiegend gedankenorientierte Techniken verwendeten, aber nicht, wenn sie sich auf verhaltensorientierte Techniken konzentrierten. Weiter zeigte die Studie, dass die Verbesserung der Depressionen noch an andere Faktoren gekoppelt ist: die Patienten machten größere Fortschritte, wenn sie mit den Therapeuten an ihrem Behandlungsplan zusammenarbeiteten und den Plan befolgten. Nicht überraschend machten die Patienten auch dann größere Fortschritte, wenn sie sich mehr am Ablauf der Therapie beteiligten und für die Vorschläge des Therapeuten offen waren. „Unsere Daten zeigen den größten Nutzen bei den Patienten, die bereit sind, voll und ganz am Therapieablauf mitzuwirken“, erklärt Strunk und betont, dass diese Studien an der Klinik für Depressionsbehandlung und -forschung der Ohio State University fortgesetzt würden. Die Forscher an der Klinik arbeiten mit Depressionspatienten zusammen, um das Wesen der Veränderungen in ihrem Denken zu untersuchen, und wie es sich auf die Verbesserung ihrer Depressionen auswirkt.

Techniken: Verhaltensorientiert vs. gedankenorientiert

„Wir wollen erforschen, ob die Verhaltenstherapie bei Menschen eine grundlegende Veränderung ihres Selbstbilds bewirkt, oder ob sie ihnen bestimmte Fähigkeiten vermittelt, die sie dann immer weiter praktizieren müssen“, erklärt der Wissenschaftler. Nach Strunks Meinung zeigen diese Ergebnisse, dass gedankenorientierte Techniken bei der Behandlung von Depressionen sehr wirksam zu sein scheinen, auch wenn die Aufmerksamkeit in letzter Zeit mehr den verhaltensorientierten Methoden gegolten hat. „In unserer Studie schienen gedankenorientierte Techniken die Depressionssymptome von Patienten bei der Verhaltenstherapie viel effektiver zu verbessern als die verhaltensorientierten Techniken.“