Hypnose
Beschwörendes Gemurmel und ein schwingendes Pendel vor den Augen des Gegenübers. So sieht die gängige Vorstellung von Hypnose aus. Aber was ist wirklich dran und wo findet sie ihren Einsatz?
Hypnose in der Therapie
Als seriöse Heilmethode wieder entdeckt wurde die Hypnose vor allem durch die Arbeit von Milton Erickson in den 70-er Jahren. Der amerikanische Psychiater behandelte seine Patienten nicht nach standardisierten Verfahren, sondern stellte das Individuum in den Vordergrund. Er setzte jede Methode ein, von der er glaubte, dass sie dem jeweiligen Patienten hilft, unter anderem die Hypnose. Seine Bücher stießen in Europa auf Interesse und auch Mediziner begannen, sich stärker mit der Methode zu beschäftigen.
Galt Hypnose früher als unseriös, so steigt ihr Ansehen kontinuierlich. Ein Gutachten des wissenschaftlichen Beirates der Psychotherapie der Bundesregierung kommt zum Schluss, dass die Hypnotherapie für bestimmte Erkrankungen als wissenschaftlich anerkannte Methode zu empfehlen ist. Zu diesen Erkrankungen zählen Sucht, psychosomatische Beschwerden, Angst- und Verhaltensstörungen. Aber nicht nur bei diesen Krankheitsbildern wird die Therapie inzwischen eingesetzt.
Hypnose beim Arzt und Zahnarzt
Mit der klinischen oder zahnärztlichen Hypnose, wie die vom Arzt beziehungsweise Zahnarzt eingeleitetet Trance heißt kann in vielen Fällen eine Narkose reduziert oder sogar ganz ersetzt werden.
An der Universitätsklinik im belgischen Lüttich beispielsweise hypnotisieren die Anästhesisten einen Teil ihrer Patienten sogar vor Operationen, anstatt sie zu betäuben. Während der Chirurg ihm mit dem Skalpell zu Leibe rückt, liegt der Patient völlig versunken auf einer Wiese - oder wo immer er sich wohlfühlt. Als Unterstützung aus dem Arsenal der herkömmlichen Medizin reichen in diesem Fall allein Schmerzmittel.
Geburt in Trance
Auch bei Entbindungen kommt Hypnose zum Einsatz. Sie hilft den Frauen, sich zu entspannen, Angst abzubauen und den Schmerz auszublenden. Man weiß schon seit langem, dass im Trancezustand physiologische Veränderungen auftreten: Die Muskulatur entspannt sich, Herzfrequenz und Blutdruck sinken, die Atmung wird regelmäßiger und der Stresshormonspiegel geht zurück. Alles Faktoren, die sich günstig auf den Geburtsverlauf auswirken.
In der Klinik werden die Schwangeren in mehreren Sitzungen auf die Geburt unter Hypnose vorbereitet. Neben Vorerkrankungen fragen die Hebammen auch, wohin die Trancereise gehen soll, denn schließlich liegt der "innere Ort der Ruhe" bei jedem woanders.
Reizdarmbeschwerden
Eine Studie aus England zeigte, dass die Hypnose auch Reizdarmbeschwerden lindern kann. Die Versuchspersonen lernten unter Hypnose, wie ihr Darm funktioniert. Nach zwölf Sitzungen konnten immerhin 70 Prozent von ihnen ihren Darm so steuern, dass er ihnen keine Probleme mehr bereitete.
Wichtig: Wer sich hypnotisieren lassen will, sollte auf die medizinischen Berufe der Ärzte, Zahnärzte, Psychologen und Psychotherapeuten zurückgreifen. Das ist der Personenkreis, der, bei entsprechender Ausbildung, damit umgehen kann und von seinem Berufsethos und vom Gesetz her auch verpflichtet ist, verantwortungsbewusst zu arbeiten.
Adressen und Infos
Wer wissen möchte, welche Psychotherapeuten, Ärzte oder Zahnärzte in seiner Nähe mit Hypnose arbeiten, findet auf den Homepages der folgenden Organisationen entsprechende Listen. Die Seiten bieten auch umfangreiche Informationen rund um Hypnose und ihre Anwendung.
- Deutsche Gesellschaft für Hypnose
- Deutsche Gesellschaft für zahnärztliche Hypnose
- Milton-Erickson-Gesellschaft
Außerdem können die Landesärzte- und Zahnärztekammern sowie die Psychotherapeutenkammern Auskunft geben.
