Einwanderungsland Deutschland - Immer mehr fremde Tier- und Pflanzenarten
An Flüssen und Bächen, Kiesgruben und in Stadtparks wird es immer bunter. Papageien, Schildkröten, Frösche, Insekten und Pflanzen, die eigentlich in anderen Teilen der Erde zu Hause sind, haben sich in Deutschland angesiedelt. Laut Umweltbundesamt wurden im Jahr 2000 etwa 1.000 neue Arten in Deutschland gezählt.
Die Tiere und Pflanzen gelangen auf verschiedene Weise zu uns: Aufgrund der wärmeren Winter ist die Nahrungsversorgung in Deutschland auch in der kälteren Jahreszeit sehr gut. Nil- und Kanadagänse finden dort mittlerweile angenehme Lebensbedingungen und sind häufig an Seen und Teichen anzutreffen. Haustiere, die ihren Besitzern unbequem geworden sind, werden oftmals ausgesetzt. Einige entfliegen oder entlaufen und werden nicht wieder gefunden. Mittlerweile sind Papageien in Stadtparks und Schildkröten in Teichen weit verbreitet.
Reisen um die Welt
Der Transport von Waren rund um die Erde führt dazu, dass auch Tiere und Pflanzen auf Reisen gehen, die eigentlich nicht dafür bestimmt waren. Ein "blinder Passagier", der wahrscheinlich auf diese Weise nach Deutschland gekommen ist, ist die in Südostasien beheimatete Hornissenart Vespa velutina. Allerdings wird vermutet, dass sie keine großen Schäden unter anderen Insekten in Deutschland oder in Imkereien anrichten wird.
Die Verbreitung von Tieren und Pflanzen begann mit der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus und dem immer stärker werdenden Handel. Seitdem haben sich immer wieder "blinde Passagiere" eingeschifft. Im 19. Jahrhundert kam die Reblaus von Amerika nach Europa, die über europäische Weinbaugebiete herfiel und große Schäden anrichtete. Ein weiterer bei Kleingärtnern sehr unbeliebter Neubürger ist die spanische Wegschnecke, die in den 1960er-Jahren auf Gemüsetransporten einreiste und sich in der Nähe von Gärtnereien und Großmärkten stark vermehrte. Da ihr die natürlichen Feinde fehlen, konnte sie sich ungehindert ausbreiten und richtet in Gärten großen Schaden an.
Mit der Zunahme des Warentransportes hat sich auch die Zahl der unbemerkt eingeschleppten Tiere und Pflanzen vervielfacht. Zwar werden an Häfen und Flughäfen die Einfuhren überwacht, die Kontrollen sind aber so gut wie unwirksam.
Anders aber vor kurzem in Bremen: Dort fanden Kontrolleure ein Exemplar des Laubholz-Bockkäfers, das in einer Holzkiste mit chinesischer Keramik nach Bremen gereist war. Das weiß gepunktete, drei Zentimeter lange Insekt bohrt sich durch das Holz von Bäumen und bringt die Kronen von Pappeln, Ahorn und Platanen zum Absterben.
In Österreich mussten wegen des Laubholz-Bockkäfer-Befalls 50 Bäume gefällt und verbrannt werden. Der Bremer Fund ist ein Glücksfall. In deutschen Häfen kommen im Jahr über 300.000 Holzcontainer an. Höchstens 180 von ihnen werden kontrolliert.
"Neubürger" in Deutschland
Wie die Tier- und Pflanzenarten in ihrer ungewohnten Umgebung zurecht kommen, hängt von vielen verschiedenen Faktoren wie Temperatur, Nahrungsangebot und Feinden ab. Als fest vorkommende Arten gelten sie, wenn sie sich seit mindestens drei Generationen in einem von ihnen bisher unbesiedelten Lebensraum vermehrt haben.
Wie die Neubürger aus ökologischer Sicht zu bewerten sind, ist Anlass für kontroverse Diskussionen unter Fachleuten. In erster Linie beobachten Wissenschaftler, ob die neuen Arten heimische Arten verdrängen oder gefährden, ob sie einheimische Lebensgemeinschaften bedrohen, wirtschaftlichen Schaden anrichten, die Gesundheit des Menschen gefährden, Tierkrankheiten einschleppen oder Jagd und Fischerei beeinträchtigen. In vielen Fällen bleibt nur das Abwarten und Beobachten, wie sich die Neubürger verhalten. Dies ist von Art zu Art neu zu bewerten. Sicher ist bereits: Es siedeln sich nur etwa zehn Prozent der Einwanderer fest an, die wenigsten von ihnen sind schädlich.
Autor/Quelle: animal
