Das sollten Patienten wissen ? Warten bis der Arzt kommt: Wie lange ist zumutbar?

Längere Wartezeiten beim Arzt trotz eines Termins kommen immer wieder vor. "Engpässe kann es auch bei einer guten Organisation in einer Praxis immer geben, dafür sollten Sie Verständnis haben", sagt Dr. Katja Matthias, Ärztin beim AOK-Bundesverband.
Wenn Sie auf Ihre Untersuchung aber zulange warten müssen, sollten Sie sich bemerkbar machen. Vielleicht ist es möglich, einen Ausweichtermin zu vereinbaren. Wenn Sie Anschlusstermine haben, weisen Sie am besten beim Eintreffen die Arzthelferin am Empfang schon darauf hin, dass Ihre Zeit knapp ist.

Notfälle

Für Wartezeiten in einer Arztpraxis gibt es gute Gründe: Notfallpatienten haben immer Vorrang und darüber hinaus kann kein Arzt jede Behandlungsdauer auf die Minute im Voraus planen. "Auch Sie erwarten ja schließlich, dass Ihre Ärztin oder Ihr Arzt sich ausreichend Zeit für Sie nimmt und Sie gründlich untersucht. Das bedeutet aber nicht, dass Patientinnen und Patienten stundenlanges Warten immer geduldig hinnehmen müssen", sagt Dr. Katja Matthias. "Wenn Sie mit Schmerzen im Wartezimmer sitzen, sollten Sie nachdrücklich darauf drängen, dass Sie schnell drankommen."

Wartezeiten nutzen

Häufig weisen die Arzthelferin schon bei der telefonischen Vereinbarung darauf hin, dass sich die Behandlung verzögern kann. "Richten Sie sich darauf ein, indem Sie zum Beispiel ein Buch mitnehmen", empfiehlt Dr. Katja Matthias. "Wenn es Ihnen zu lange dauert, können Sie mit dem Praxispersonal auch vereinbaren, dass Sie zwischendurch Besorgungen erledigen und später kommen. Eventuell sind die Helferinnen auch bereit, Sie per Handy zu verständigen, wenn der Engpass vorbei ist."
Wer mit Kindern zum Arzt geht, sollte auch Verpflegung sowie ein Bilderbuch oder ein kleines Spielzeug im Gepäck haben. Müssen Kinder oder weitere Angehörige versorgt werden, ist es am besten, Nachbarn oder Bekannte vorab zu informieren, damit diese einspringen können, falls der Arztbesuch länger dauert als geplant.

Zu lange Wartezeiten...

Eine viertel bis eine halbe Stunde Wartezeit kann auch bei länger vereinbarten Terminen durchaus vorkommen. Wer zu einem Termin pünktlich erschienen ist und länger als 30 Minuten gewartet hat, kann die Praxis verlassen, ohne dass der Arzt den Termin reklamieren kann. Fairerweise sollte der Patient dann aber die Arzthelferin informieren, bevor er geht.

Termine einhalten

Immer mehr Ärzte verlangen Schadensersatz, wenn Patienten Termine nicht einhalten. Das kann zum Beispiel bei einer psychotherapeutischen Praxis zulässig sein. Ein Psychotherapeut, der für jeden Patienten eine Dreiviertelstunde reserviert, kann nicht ohne weiteres einen Patienten vorziehen. Auch ein Zahnarzt muss längere Behandlungszeiten einplanen. Patienten sollten also darauf achten, Termine, die sie nicht einhalten können, rechtzeitig abzusagen.

Fazit

"Wenn Sie sich trotz allen guten Willens und aller Bemühungen immer wieder über Wartezeiten ärgern oder ungerecht behandelt fühlen, sollten Sie überlegen, den Arzt zu wechseln", rät Dr. Katja Matthias. Denn: In Deutschland haben Patienten das Recht auf freie Arztwahl. Wer unzufrieden ist, kann also woanders hingehen um sich behandeln zu lassen.