Konzept "Compliance"

Wer zum Arzt geht, der kommt meistens mit einem Rezept in der Hand wieder aus der Sprechstunde heraus. Die Einnahme der verschriebenen Tabletten, die Einhaltung von Bettruhe oder auch der empfohlene Spaziergang gehören zu den therapeutischen Maßnahmen, die Gesundung und Heilung des Patienten fördern sollen. Die Einhaltung dieser Handlungen wird mit dem Begriff "Compliance" bezeichnet.
Der englische Begriff "Compliance", der so viel wie Einwilligung oder Unterwürfigkeit bedeutet, heißt im deutschen Sprachgebrauch "Therapiebefolgung". Entsprechend gibt es in der Medizin auch den Gegenbegriff "Non-Compliance", der immer dann fällt, wenn Therapieempfehlungen nicht befolgt werden. Ob und in welcher Form Patienten die Empfehlungen und Anweisungen ihres Arztes befolgen, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Die Non-Compliance verursacht aber auf jeden Fall erhebliche Kosten für das Gesundheitssystem: die gesetzlichen Krankenkassen schätzen die jährlichen Kosten auf 5,4 Milliarden Euro.

Was hindert die Patienten, den Weisungen ihres Arztes zu folgen?

Es gibt zahlreiche Faktoren, die die Compliance behindern: z.B. ist oft die Form und Zusammensetzung der Medikamente schuld, wenn die vorgeschriebene ½ Tablette beim Zerteilen regelmäßig zerbröselt, verliert der Patient leicht die Lust und läßt die Tabletteneinnahme lieber sein. Auch die Einnahme der Medikamente zu den Mahlzeiten ist eine Wissenschaft für sich. Allzu oft werden Medikamente mit solchen Nahrungsmitteln eingenommen, die die Resorption des Wirkstoffes verhindern. Manche Patienten sind zu verwirrt oder auch zu krank, um die Medikamenteneinnahme korrekt zu befolgen. Vielfach wird zum Beispiel von depressiven Patienten berichtet, denen es schwer fällt, ihre Medikamente regelmäßig einzunehmen.

Virtuelle Krankenschwester

Bei diesen Fragen ist in erster Linie die Pharmaindustrie gefragt, die sich in Forschung und Entwicklung um Einnahmeformen und Dosierungen kümmern muss. Einige innovative Ansätze gibt es bereits: so hat sich der Hersteller eines Antibiotikums die Tatsache zu nutze gemacht, dass viele Patienten heute bereits über ein Handy verfügen. Mit dem verschriebenen Antibiotikum erhält der Patient eine separate Information über den SMS-Erinnerungsservice, den der Hersteller zusammen mit Arzt und Apotheker anbietet. Über einen PIN kann sich der Patient mit einem Server in Verbindung setzen und wird ab dann regelmäßig per SMS an die Tabletteneinnahme erinnert. Der Erinnerungsdienst der "virtuellen Krankenschwester" endet mit der letzten Tablette; die entsprechenden Daten sind bei der Anmeldung codiert und gespeichert worden.
Ein ganz anderer Aspekt der Compliance oder Non-Compliance betrifft die Kommunikation zwischen Arzt und Patient. Der Arzt muss die Lebensumstände seines Patienten genau kennen, um die Therapiemaßnahmen individuell und gezielt darauf abstimmen zu können. Dazu muss er seinem Patienten richtig zuhören und ihn zur Mitarbeit erziehen. Schließlich soll ja verhindert werden, dass Therapiemaßnahmen nicht eingehalten werden, weil es Termin-Schwierigkeiten gibt oder weil dem Patienten die Notwendigkeit der Handlungen nicht ausreichend klar gemacht wurde. Dazu helfen außerdem schriftliche Erklärungen, Broschüren, und unter Umständen auch ein nachfolgendes Gespräch, das der Arzt vielleicht per Telefon führen kann. Auch die Einbeziehung der Lebenspartner und Familienmitglieder ist wichtig: Motivation und Anleitung zur Therapiebefolgung, gerade bei langwierigen Behandlungen, sind in der Familie oft einfacher zu erreichen.

Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker

Compliance bedeutet aber auch, Medikamente nach Ablauf der Behandlung nicht einfach weiter einzunehmen oder - schlimmer noch - beim vermeintlich nächsten Mal ohne ärztlichen Ratschlag einzunehmen. Die Aufforderung zur Kommunikation ist zweigleisig: auch der Patient soll sich mit seinem Arzt oder Apotheker unterhalten und nicht einfach irgendwelche Medikamente aus dem Medizinschränkchen schlucken. Außerdem empfiehlt es sich, die Hausapotheke regelmäßig durchzuforsten und abgelaufene Medikamente zu entsorgen. Einige Arzneimittel sind sehr empfindlich: angebrochene Augentropfen zum Beispiel sollten nach 6 Wochen nicht mehr benutzt werden, weil sie bakteriell verunreinigt sein können. Zur Kommunikation mit dem Arzt kommt hier der Dialog mit dem Apotheker, der bei der Bereinigung der Hausapotheke kompetenter Ansprechpartner ist.