Antibiotikum

Derzeit sterben jährlich weltweit ca. 20 Mill. Menschen an Infektionskrankheiten, obwohl man dachte, diese durch Antibiotika für immer besiegt zu haben. Eine zum Teil dramatische Zunahme von Antibiotikaresistenz führt auch in Industrieländern dazu, dass sich Wissenschaft und Medizin auf diese hochflexiblen Krankheitserreger in einem unaufhörlichen Kampf einstellen müssen. Auch in Deutschland hat sich die Gesamtsituation diesbezüglich deutlich verschlechtert. Während zwischen 1975-1984 ein fast unverändertes Resistenzniveau bei Bakterien zu beobachten war, nahm bei vielen Bakterien danach die Resistenzhäufigkeit enorm zu.

Was sind Antibiotika und wie wirken sie?

Antibiotika sind Substanzen, die einzellige Mikroorganismen (dazu gehören die Bakterien) abtöten (bakterizide Wirkung) oder in ihrem Wachstum behindern (bakteriostatische Wirkung). Da die Bakterien sich in wesentlichen Punkten von den menschlichen Körperzellen unterscheiden, z.B. Zellwand, Gesamtheit des Vererbungsapparates (Genom), Zellorganellen für die Eiweißsynthese (Ribosomen), können die Antibiotika an diesen Stellen ansetzen, um ihre Verbreitung im Menschen zu verhindern. Man spricht allgemein von Breitband-Antibiotika, die gegen viele verschiedene Bakterien wirken und Schmalspektrumantibiotika (spezialisiert auf bestimmte Krankheitserreger). Neben den gebräuchlichen Antibiotika spielen die Reserveantibiotika eine wichtige Rolle. Sie werden dann eingesetzt, wenn Antibiotikaresistenzen auftreten und/oder sehr starke Infektionen vorliegen. Sie sind jedoch häufig sehr viel teurer, werden oftmals schlechter vertragen, oder/und es entwickeln sich bei ihnen besonders schnell Resistenzen.

Antibiotika in Tierfuttermittel

Neben dem humanmedizinischen Bereich ist der Einsatz von Antibiotika als so genannte Leistungsförderer in Tierfuttermitteln zu nennen. 15 % der jährlichen Gesamtmenge von Antibiotika wurden EU-weit für Masthilfsmittel 1997 verbraucht. Dieser Markt birgt ein großes Reservoir von Resistenzgenen in sich, weil hier durch eine breite Anwendung von Antibiotika systematisch Bakterienstämme mit einer Resistenz gegen ein bestimmtes Antibiotikum herangezüchtet werden. Daher sind seit 1998 EU-weit nur noch vier Leistungsförderer erlaubt. Diese finden zwar keine Anwendung in der Humanmedizin, doch ist es nicht auszuschließen, dass eine Resistenz auch auf andere strukturverwandte Antibiotika übergreifen kann. Zu einem generellen Verbot von Antibiotika als Masthilfsmittel wird es wohl erst 2005 oder 2006 kommen, obwohl es schon jetzt durch die bisher verbotenen Antibiotika ersichtlich ist, wie stark die Häufigkeit entsprechender Resistenzen von ihrer Anwendung abhängig ist.

Antibiotika in der Tiermedizin

Auch der Einsatz von Antibiotika in der Tiermedizin bei lebensmittelliefernden Tieren ist groß. So wurden z.B. 1998 weltweit 1000 t Flourchinolone verbraucht, 120 t entfielen davon auf lebensmittelliefernde Tiere. Dies führte zu einer wachsenden Resistenz der Bakterien gegen dieses Antibiotikum, welches im humanmedizinischen Bereich als ein wichtiges Reserveantibiotikum genutzt wird.

Antibiotika in der Gentechnologie

Ein wenig von der Öffentlichkeit beachtetes Feld der Antibiotikaanwendung ist der Gebrauch von Antibiotikaresistenzen als so genannte Markergene in der Gentechnologie. Sie heißen Markergene, weil sie genetisch veränderte (transformierte) Zellen markieren sollen. Setzt man diese Zellen auf einen mit dem jeweiligen Antibiotikum getränkten Nährboden, so sterben alle Zellen ab, bis auf diejenigen, die das Markergen aufgenommen haben und damit auch das gewünschte Gen, welches der Pflanze eine neue Eigenschaft geben soll. Das Antibiotikaresistenzgen spielt also nur eine rein technische Rolle. Inzwischen fürchtet man jedoch, dass es zwischen genetisch veränderten Pflanzen und den Bakterien zu einem "horizontalen Gentransfer" kommen kann. Dies ist theoretisch überall möglich, wo bereits zersetztes Pflanzenmaterial auf große Bakterienmengen trifft, z. B. im Kompost, in der Silage oder im Magen-Darm-Trakt von Menschen und Tieren. Obwohl ein solcher Gentransfer sehr unwahrscheinlich ist, kann er dennoch nicht ausgeschlossen werden. So ist in der EU-Freisetzungsrichtlinie vom Herbst 2002 die Verwendung von Antibiotikarestistenzmarkern erheblich eingeschränkt, doch nicht generell verboten worden.

 
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