Ginkgo hilft bei Konzentrationsschwäche

Der riesige Ginkgo-Baum mit den fächerförmigen, gekerbten Blättern gehört zu den ältesten Pflanzenarten überhaupt - seine Vorfahren weilten bereits 300 Millionen Jahren auf der Erde. Kein Wunder, dass er in Asien seit jeher als Symbol für Hoffnung, langes Leben, Fruchtbarkeit, Lebenskraft und Unbesiegbarkeit gilt.

Ginkgo – oder eigentlich Ginkyo (ein Fehler bei der Übersetzung aus dem Japanischen) – besitzt fast so viele Namen wie Blattfarben: Silberaprikose, Mädchenhaarbaum, Tempelbaum, Entenfußbaum, Fächer(blatt)baum, Elefantenohrbaum, Vierzig-Taler-Baum und Großvater-Enkel-Baum sind nur einige davon. Diese Bezeichnungen verdankt er oft seiner Blattform, aber auch der Farbe seiner silberigen Samenhüllen und Geschichtliches schlägt sich darin nieder (in Asien steht er in vielen Tempelanlagen, 40 Taler haben die Franzosen für die ersten gekauften Bäume bezahlt).

Ginkgo biloba: Harmonie und Kraft

Ginkgo biloba ist der letzte seiner Art – alle seine Verwandten der Pflanzenfamilie "Ginkgoaceae" sind bereits vor Jahrtausenden ausgestorben. Ihre Besonderheit: Sie warfen im Herbst verfärbte Blätter ab wie die Laubbäume, besaßen aber eine Vielzahl verschiedener Blätter, von denen ein Teil aussah wie die der Nadelbäume. Auch die Gestalt des Ginkgos erinnert eher an eine Konifere als an einen Laubbaum.

Der Ginkgo ist normalerweise zweihäusig-getrenntgeschlechtlich – zur Vermehrung müssen sich Blüten eines männlichen und ein weiblichen Exemplar zusammenfinden. Interessanterweise braucht der Ginkgo rund 20–30 Jahre, bis er überhaupt geschlechtsreif ist. Ein weiteres Merkmal: Ginkgo ist äußerst unempfindlich gegen äußere Reize – hat er in jungen Jahren die Winterfröste überstanden, trotzt Ginkgo später ohne Probleme Autoabgasen, Streusalz, Schädlingen, klimatischen Extremen und anderen Einflüssen.

Kein Wunder also, dass er schon so lange existiert und ein Exemplar Hunderte von Jahren alt werden kann. Verehrt wird in Asien auch die Mischung aus wiederstandsfähigem hohen Stammt und Weichheit der runden Blätter – zusammen mit der Zweihäusigkeit Symbol für Harmonie und das Ying-Yang-Prinzip. Das "Kuratorium Baum des Jahres" hat Ginkgo biloba aufgrund seiner erstaunlichen Eigenschaften und Geschichte sogar zum "Baum des Jahrtausends" gekürt.

Ginkgo: Gesund und schön dank Ginkgo?

In Asien, vor allem China, wird der "Wunderbaum" schon seit langem zur Schönheitspflege und vor allem als Heilpflanze eingesetzt – die Samen bzw. Früchte, aber auch Blätter und Baumrinde werden bei Asthma, Bronchitis, Kreislaufstörungen, Hautkrankheiten, Urininkontinenz und Angstzuständen verspeist. Besonders wirksam sollen sie jedoch bei Konzentrationsschwächen und Gedächtnisstörungen sein.

Auch bei uns hat die Pflanze seit Jahren einen festen Platz als Heilmittel – etwa jedes dritte verkaufte Medikament gegen Durchblutungsstörungen ist ein Ginkgo-Präparat. Verwendet werden Extrakte aus getrockneten Ginkgo-Blättern (GBE), die in über 20 Verfahrensschritten gewonnen werden. Wirksam sind v. a. die enthaltenden Flavonoide und Terpenoide, die in dieser speziellen Form und Zusammensetzung als Ginkolide und Bilobalide nur im Ginkgo zu finden sind.

Dass bei uns Extrakte zum Einsatz kommen, hat zwei Gründe: Die wertvollen Inhaltsstoffe der Blätter sind nur schwer wasserlöslich und können deshalb vom Organismus nur unzureichend verwertet werden. Außerdem kann der Verzehr der Blätter sogar schädlich sein, weil Natur-Ginkgo auch Substanzen enthält, die Allergien hervorrufen können. Moderne Arzneimittel aus Ginkgo enthalten deshalb einen Extrakt, dem die erwünschten Inhaltsstoffe zugefügt und aus dem die unerwünschten Substanzen entfernt werden.

Ginkgo wirkt! Tatsächlich?

Einsatzgebiete sind vor allem Krankheiten, die mit der Störung der Durchblutung und der Leistungsfähigkeit des Gehirns zusammenhängen und die mit zunehmendem Alter häufiger auftreten. So soll es einer Alterdemenz vorbeugen oder den bereits eingetretenen Prozess verbessern bzw. verlangsamen und die Blutzufuhr in den Beinen verbessern. Es soll Migräne vorbeugen, den Verlauf einer Multiplen Sklerose positiv beeinflussen, prämenstruelle Beschwerden bei Frauen und Tinnitus oder einen Hörsturz verbessern. Auch gegen die Höhenkrankheit soll es wirken und die Seheinschränkungen beim Glaukom (grüner Star) vermindern.

Ginkgo: Wirkung des Ginkgo-Extrakts

  • Ginkgo-Extrakt macht das Blut fließfähiger.
  • Die Durchblutung in den feinen Gefäßen (Mikrozirkulation) wird verbessert und damit der Sauerstoff- und Nährstoffgehalt der "grauen Zellen".
  • Ginkgo ist außerdem ein so genannter Radikalfänger, das heißt aggressive Moleküle, die die Zellen angreifen, werden abgefangen.
  • Die Nervenzellen werden geschützt, denn Ginkgo wirkt dem Abbau von Nervenzellen entgegen und steigert die Leistungsfähigkeit der vorhandenen Zellen.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden zahlreiche Studien zur Wirksamkeit von Ginkgo durchgeführt. War die Euphorie bzgl. der "Wunderdroge" viele Jahre lang recht hoch, folgte Ernüchterung: Mehrere aktuelle klinische Studien zeigten, dass selbst die bis dahin immer wieder nachgewiesenen positiven Effekte auf Demenz und Gedächtnisstörung durchaus in Zweifel zu ziehen sind. Die zahlreichen anderen propagierten Wirkungen sind wissenschaftlich ebenfalls kaum nachgewiesen – und für jede Studie, die meint, einen Nachweis erbracht zu haben, existiert mindestens eine andere, die genau das Gegenteil zeigt.

Ginkgo-Nebenwirkungen und Ginkgo-Anwendung

Ginkgo-Präparate sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich; zur Anwendung kommen ausschließlich Fertigpräparate aus Ginkgoextrakt. Darreichungsformen sind Ginkgo-Tabletten, Ginkgo-Kapseln, Ginkgo-Dragees, Ginkgo-Säfte und Ginkgo-Tropfen, die sich hinsichtlich Wirkstoffkonzentration und -zusammensetzung unterscheiden können. Die Behandlung sollte über einen Zeitraum von 8 Wochen durchgeführt werden. Nebenwirkungen bei Ginkgo können in seltenen Fällen Störungen der Kreislaufregulation, Magen-Darm-Beschwerden, allergische Hautreaktionen oder Venenentzündungen sein.

Aber: In einigen Untersuchungen zeigt sich für Patienten ein erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall oder eine seiner Vorstufen zu erleiden. Bereits länger bekannt ist das erhöhte Blutungsrisiko, vor allem wenn Ginkgo zusammen mit Blutverdünnern (wie niedrig dosierte Acetylsalicylsäure, wird z. B. nach einem Herzinfarkt verschrieben) eingenommen wird. Deshalb: Ginkgo-Präparate nie ohne Rücksprache mit dem Arzt einnehmen!