Hilfe aus dem Kräutergärtchen

Die Bedeutung des Kräutergartens als Refugium für die Würz- und Heilkräfte der Natur hat im Mittelmeerraum schon seit der Antike Tradition. Im Mittelalter hielt insbesondere in den Klostergärten das Wissen um Anbau und Verwendung dieser Pflanzen in der Heilkunst Einzug. Später wanderten Petersilie, Ringelblume, Oreganum und Co über die Bauerngärten auch in die bürgerlichen Gärten ein. Bei uns hatte die Kräuterverwendung zu heilerischen Zwecken im 18. und 19. Jahrhundert, zur Zeit Samuel Hahnemanns und Sebastian Kneipps, ihre Blütezeit.
In den heutigen Gärten sind die Kräuterecken oftmals nur sehr klein und artenarm, viele Menschen kennen als Würzkraut kaum mehr als Petersilie und Schnittlauch. Doch mit dem Fortschritt der wissenschaftlichen Forschung und des Nachweises von Wirkstoffen aus der grünen Apotheke gegen vielerlei Krankheiten, hat die Kenntnis um Anbau und Wirkungsweise dieser Pflanzen eine Renaissance erfahren.

Kräuter im eigenen Garten

Viele Hobby-Gärtner wissen gar nicht, wie viele gängige Heilkräuter im eigenen Garten wachsen: Brennessel, Beinwell, Johanniskraut, Spitzwegerich, Löwenzahn, Baldrian, Königskerze, Ringelblume, Hopfen, Kornrade, Huflattich, Malven und Färberkamille sind nur eine kleine Auswahl.Zudem sind alle Gewürzkräuter ebenfalls als Heilkräuter anzusehen, denn die meisten von Ihnen haben neben den würzenden auch medizinische Eigenschaften. Man sagt daher, ein guter Koch sei gleichzeitig auch ein guter Arzt. Ein Großteil dieser aromatischen Kräuter stammt aus dem Mittelmeergebiet und dem vorderen Orient und braucht deshalb einen sonnigen Platz im Garten. Hierbei handelt es sich z.B. um Salbei, Thymian, Schnittlauch, Lavendel, Petersilie, Anis, Fenchel, Oreganum, Majoran, Basilikum, Rosmarin, Borretsch, Dill, Koriander, Lorbeer, Kresse, Knoblauch, Ysop, Rauke, Weinraute, Eberraute, Melisse, Liebstöckel, Bohnen- und Bergbohnenkraut und Estragon. Nur spärlich klein dagegen fällt das Konto der Gewürzkräuter aus heimischen Gefilden aus: Sellerie, Kümmel, Löffelkraut, Pfefferminze, Beifuß, Brunnenkresse, Sauerampfer und Pimpinell sind schon immer auch hier im Norden verbreitet gewesen.
Vielleicht richten Sie sich ja ein Apothekergärtchen ein, welches Sie z.B. nach Themen ordnen: "Erkältungskräuter" wie Thymian, Salbei, Huflattich, Spitzwegerich, Malve, Veilchen und Königskerze können dort neben "nervenberuhigenden Kräutern" wie Zitronenmelisse, Lavendel, Johanniskraut, Baldrian und Hopfen und "Magenkräutern" wie Wermut, Pfefferminze, Majoran, Ysop und Kamille stehen.

Pflanzenwirkstoffe in Kräutern

Die Auswahl an Pflanzenwirkstoffen unserer Heil- und Gewürzkräuter ist mannigfaltig: Mineralstoffe, ätherische Öle, Bitterstoffe, Vitamine, Gerb- und Schleimstoffe, Glykoside, Alkaloide, Flavone, Saponine und Kieselsäure ergeben einen Cocktail, der reich an den heutzutage so gepriesenen sekundären Pflanzenstoffen ist. Sie können krebs- und entzündungshemmend, nervenberuhigend, appetitanregend, entschlackend, krampflösend, wassertreibend, herz- und kreislaufstabilisierend, magen- und darmstärkend, blutreinigend und antibakteriell wirken. Je nachdem, in welchen Kombinationen und Konzentrationen sie durch das jeweilige Kraut einwirken. Wir können unsere Kräuter als Tee, Aufguss und Umschlag, als Badezusatz, in Salben oder frisch als Gewürz oder Salatpflanze in der Küche genießen.

Vorsicht Gifte!

Die grüne Apotheke in unserem Garten kann uns vielerlei liefern, doch dürfen selbst erfahrene Kräutergärtner nur diejenigen Heilkräuter verwenden, die keine Gifte enthalten. Wichtige Medizinalpflanzen wie Fingerhut und Maiglöcken gehören daher ausschließlich in die Hand des Arztes. Aber auch bei Petersilie, Waldmeister, Basilikum, Estragon und Anis gilt es, den Konsum auf ein geringes Maß zu beschränken. Bei der Petersilie ist der in allen Pflanzenteilen und besonders im Samen vorkommende Petersilienkampfer Apiol in großen Mengen genossen giftig. Ähnliches gilt für den Waldmeister. Das in ihm enthaltene Cumarin wirkt in größeren Mengen leicht lähmend und verursacht Übelkeit. Diese Substanz ist auch im Basilikum und Estragon enthalten. Darüber hinaus sollten diese beiden Würzkräuter aber auch nicht für medizinische Zwecke in größeren Mengen und/oder über einen längeren Zeitraum verwendet werden, denn sie enthalten den Wirkstoff Estragol , der im Tierversuch eine mögliche kanzerogene (krebsauslösende) Wirkung zeigte. Auch Anis soll eine ähnliche krebsauslösende Wirkung in größeren Mengen haben.

Aufbewahrung und Behandlung von Kräutern

Aufbewahrt werden Heil- und Gewürzkräuter für den schnellen Gebrauch innerhalb von ein bis zwei Tagen gewaschen in Plastikbeuteln an einem dunklen, kühlen Ort (z.B. Gemüsefach im Kühlschrank). Viele Kräuter können auch feingehackt mit Olivenöl, Crême fraîche, Quark oder Joghurt vermischt werden und so bis zu einer Woche als Saucenbasis für Salate und Gemüse verwendet werden. Der Wintervorrat sollte am besten in getrockneter oder gefrorener Form angelegt werden.

Ernte der Kräuter

Der günstigste Erntezeitpunkt der Heil- und Würzpflanzen ist kurz vor Blühbeginn bis kurz nach dem Aufblühen der Pflanzen. Zu diesem Zeitpunkt weisen sie den größten Gehalt an Duft- und Wirkstoffen auf. Daher liegt hier auch die Haupterntezeit für den Wintervorrat.
Wurzeln und Rhizome werden im Herbst gewonnen, wenn die Wirkstoffe in den unterirdischen Teil der Pflanze abgewandert sind. Am besten pflückt man die Pflanzenteile an einem sonnigen Morgen, wenn der Tau auf den Blättern schon abgetrocknet ist. Mittags hingegen ist es sehr ungünstig, da Blätter und Blüten bis dahin schon sehr viel Feuchtigkeit verdunstet haben und von der Hitze matt sind. Die intensivste Wirkung entfaltet sich beim frischen Kraut selbst oder beim frischen Teeaufguss.

Kräuter-Rezepturen

  • Neben dem Verbrauch von frischen Blättern können auch Blüten von vielerlei Kräutern wohlschmeckend und vor allem sehr dekorativ in Salaten sein. Empfehlenswert sind hierzu die Blüten von Ananassalbei, Borretsch, Kapuzinerkresse und Gänseblümchen. Der Salat selbst kann ebenfalls aus Kräutern wie Rauke, Sauerampfer, Kerbel und Fenchel zubereitet werden. Gewürzt wird mit Estragon, Koriander, Basilikum, Zitronenmelisse und Schnittlauch, die Soße wird aus Knoblauchöl und etwas Balsamicoessig oder Zitrone angerührt.
  • Grüne Soße: Etwas Besonderes ist die so genannte "Grüne Soße": Eine Marinade aus Öl, Essig, Salz, Pfeffer und Knoblauch wird angerührt und mit reichlich fein gehackten, frischen Kräutern vermischt. Dazu gehören in jedem Fall Petersilie, Borretsch, Schnittlauch, Dill, Kerbel, Sauerampfer und Pimpinell, aber auch Portulak, Zitronenmelisse, Estragon, Ysop und Kapuzinerkresse können verwendet werden. Diese wird mit je einem Becher saurer und süßer Sahne aufgefüllt. Zum Schluss können noch hartgekochte, kleingeschnittene Eier darunter gemischt werden. Grüne Soße schmeckt am besten zu frischen Pellkartoffeln.
  • Duftkissen: Es gibt darüber hinaus noch viele andere Möglichkeiten, Kräuter für das leibliche Wohlergehen zu verwenden. Dazu zählen die vielzähligen Duftstoffe der Blüten, die in getrocknetem Zustand - in kleine Stoffkissen eingenäht - als Traumkissen verwendet werden können. Auf diese Weise können Anis, Pfefferminze, Melisse, Thymian und Rosmarin schlaffördernd und beruhigend wirken. Auch bei Bronchialkatarrh und asthmatischen Beschwerden entfalten diese Duftkissen eine wohltuende, entkrampfende Wirkung. Kleine Kräutersträußchen aus Lavendel oder Eberraute sind ebenfalls wirksam gegen Motten. Basilikum, Rainfarn, Wermut und Eberraute sollen durch ihren Duft Fliegen und Mücken abwehren.
  • Kräuteröle: Etwas sehr Kostbares sind die Kräuteröle. Hier werden die Kräuter nach sorgfältiger Reinigung in saubere, durchsichtige Flaschen gefüllt und mit kalt gepresstem Olivenöl übergossen. Dieses lässt man einige Wochen in der Sonne stehen, schüttelt die Kräuter regelmäßig auf und filtert schließlich ab. Das fertige Heil- oder Gewürzöl muss anschließend dunkel aufbewahrt werden. Dasselbe kann man auch mit Essig oder Alkohol machen. Sehr angenehm und nervenberuhigend ist ein Ölbad mit dem auf diese Weise konservierten Duft der Lavendelblüten. Das kostbare rote Johanniskrautöl wirkt, äußerlich angewendet, hervorragend gegen Sonnenbrand oder andere Verbrennungen.
  • Salben: Aus heißem, reinem Schweineschmalz lassen sich auch wunderbare Salben herstellen. Drei Esslöffel Fett mit drei bis vier Esslöffeln Pflanzenteilen werden ganz langsam aufgekocht und zehn Minuten ziehen gelassen. Bevor das Fett fest wird, werden die Rückstände abgefiltert. Nach dem Erkalten hält sich die Salbe - kühl aufbewahrt - ein ganzes Jahr lang. Ringelblumensalbe lässt kleine Hautwunden, Entzündungen und Geschwüre schnell abheilen, Beinwellsalbe hilft darüber hinaus bei Quetschungen und Blutergüssen.
  • Tee: Für Tee verwendet man die frischen oder getrockneten Blätter von Kräutern. Der "Aufguss" ist die gängiste Form, Heilkräuter zu genießen. Die mit kochendem Wasser aufgebrühten Blätter (ein Teelöffel pro Tasse) lässt man zehn bis fünfzehn Minuten bedeckt ziehen. Der Tee wird dann in kleinen Schlucken getrunken, damit er gut wirken kann. Gegebenenfalls kann man für die äußere Anwendung auch warme Umschläge aus diesem Extrakt machen.