Den Geist anregen

Langweilen Sie sich und kommen Sie zur Ruhe

Die meisten von uns befinden sich in einem Zustand ständiger Anspannung und Erwartungshaltung. Und so hetzen wir durch den Tag: Vom Bett zum Frühstückstisch (wenn überhaupt), von Besprechung zu Besprechung, von Mensch zu Mensch, von Hobby zu Hobby und am Ende des Tages gar noch von Fernsehsendung zu Fernsehsendung.
Wo bleibt da die Langeweile möchte man fragen? Was nicht anderes bedeutet, als Zeit, die nicht verplant ist und in der man am Anfang vielleicht noch nichts mit sich anzufangen weiß. Man sitzt einfach da, schaut aus dem Fenster, tut nichts, lässt die Gedanken und Gefühle einfach zu und nimmt sie ganz bewusst wahr.
Wenn man’s nicht gewöhnt ist, kann das mindestens so viel Angst machen, wie ein Tag der vor Terminen strotzt und kaum zu bewältigen ist. Lässt man sich aber auf den Müßiggang ein – nicht stundenlang, aber für ein paar Minuten pro Tag – können der Lohn Entspannung und ein freier Kopf sein. Denn auch der Geist braucht dann und wann eine Pause, in der er neue Kraft schöpfen kann.
Und die Herausforderung unsere Zeit besteht nicht etwa darin, unsere Geisteskräfte immer effektiver, schneller und pragmatischer einzusetzen, sondern Wege zu finden, verbrauchte Energien zu regenerieren und Kreativität freizusetzen.

Geistiges Training durch Meditation

Nichts scheint schwerer zu sein, als den Kopf von Gedanken frei zu halten. Auf jeden Fall für Menschen, die mit meditativen Entspannungsformen noch keine Erfahrung gesammelt haben. Beim Meditieren nach buddhistischer Vorstellung geht es aber nicht etwa darum, dass wir gar nicht mehr denken sollen. Im Mittelpunkt steht vielmehr, dass man seine konzentrierte Aufmerksamkeit für eine gewisse Zeitspanne auf ein ausgewähltes Objekt richtet und sich nicht von anderen Gedanken ablenken lässt. Eine nicht ganz leichte geistige Übung, um die Gedanken zu beruhigen und zu Ruhe und Frieden zu gelangen. Aber auch ein Mittel, die geistigen Fähigkeiten zu trainieren.
Denn, so der Dalai Lama, man kann davon ausgehen, dass der Geist durch meditative Übungen lernt, Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, logisches Denken und Vorstellungskraft immer mehr zu verbessern. Einen Beweis dafür, dass Meditation sogar ein auf das Gehirn einwirkendes Geistestraining ist, fand jetzt ein Forscherteam der Universität Yale, vom Massachusetts General Hospital und dem Massachusetts Institute of Technology. Per Magnetresonanz-Tomographie konnte es zeigen, dass bei Menschen, die regelmäßig meditieren, mehr graue Substanz in einigen Regionen der Hirnrinde vorhanden ist. Die strukturellen Veränderungen waren in den Hirnarealen zu finden, die wichtig für sensorische, kognitive und emotionale Vorgänge sind. Die Wissenschaftler untersuchten 20 Erwachsene, die intensiv buddhistische Meditation trainierten, und zwar im Schnitt etwa 40 Minuten am Tag.