Freude und Leid - Warum Tränen wichtig sind

Manche Menschen haben nah am Wasser gebaut, brechen also schnell in Tränen aus. Andere beißen stets die Zähne zusammen und weinen nie. Doch Tränen sollten nicht unterdrückt werden.
"Weinen ist wichtig, um Gefühle zu verarbeiten. Deshalb sollten Tränen nicht unterdrückt werden", sagt Dr. Jörg Lauterberg, Arzt und Psychologe beim AOK Bundesverband. "Das gilt für alle Menschen - unabhängig von Alter und Geschlecht."
Zunächst einmal haben Tränen eine Schutzfunktion für die Augen. Die Tränenflüssigkeit wird ständig von den dort vorhandenen Tränendrüsen produziert und bildet einen Schutzfilm, der das Auge feucht hält und Schmutz und Staub wegspült. Das ist auch der Grund, dass unsere Augen "laufen", wenn sie gereizt werden, zum Beispiel durch einen Fremdkörper: Es werden mehr Tränen produziert, um den Eindringling wegzuspülen.
Seelische Hygiene
Doch nicht nur für die Augenreinigung sind die Tränen zuständig; auch für die seelische Hygiene sind sie wichtig. So wie sie einen unangenehmen Reiz ausschwemmen, so hat Weinen bei starken Gefühlsregungen oft eine befreiende und spannungslösende Wirkung.
"Ein Indianer kennt keinen Schmerz" und "Männer weinen nicht" - mit solchen Sprüchen werden vor allem Kinder dazu aufgefordert, ihren Schmerz nicht zu zeigen. Trauer, Schmerz und Leid gehören aber ebenso zum Leben wie Freude und Glück. "Kindern sollte man das Weinen nicht verbieten, sondern sie trösten, wenn sie traurig sind", so Jörg Lauterberg.
Auch Erwachsene sollten ihre Gefühle nicht unterdrücken. Sie können ihren Tränen aber nicht in jeder Situation freien Lauf lassen. "Auch in unserer Kultur ist das Beherrschen von Gefühlen eine wichtige Fähigkeit und wird als Ausdruck von Professionalität gesehen. Ein Beispiel: Bei der Versorgung von Unfallopfern muss ein Rettungssanitäter schnell reagieren und darf sich in dieser Situation nicht durch Gefühle beeinflussen lassen."
Gefühle und Drüsen
Auch wer sich besonders freut oder gerührt ist, vergießt so manche Träne. Weinen ist also Ausdruck sehr gegensätzlicher Gefühle. Wie das kommt? Dr. Lauterberg: "Die Drüsen im menschlichen Körper werden durch das vegetative Nervensystem angeregt, das auch in enger Verbindung mit dem Gefühlszentrum im Gehirn steht. Bei einer starken Gefühlsregung, zum Beispiel Wut, Trauer oder große Freude, reagiert der Körper auf verschiedene Weise. So werden dabei auch einzelne Drüsen zur Produktion angeregt: Es kommt zur Ausschüttung von Hormonen in die Blutbahn – zum Beispiel Adrenalin – aber auch zur Produktion von Flüssigkeiten wie Schweiß oder Tränen." Diese körperliche Reaktion steht oft nur in losem Zusammenhang mit den sie auslösenden Gefühlen.
Gänsehaut nicht nur durch Kälte
Ähnliches wie bei der Produktion von Tränen passiert zum Beispiel bei einer "Gänsehaut", erklärt Jörg Lauterberg: "Wer Angst hat oder erschrickt, den überläuft ein unangenehmer Schauer. Dabei stellen sich die kleinen Haare auf der Körperoberfläche auf. Genau dasselbe passiert manchmal bei einem positiven Erlebnis: Auch bei einer zärtlichen Berührung bekommt man eine Gänsehaut."
Autor/Quelle: psg
