Erfolg und Familie - Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Ähnlich sieht es mit der Bereitschaft aus, seinen Mitmenschen zu vertrauen: Auch hier fällt der Apfel nicht weit vom Stamm. "Natürlich basieren unsere Resultate auf einer Umfrage", relativiert Falk, der die Studie zusammen mit seinen IZA-Kollegen Dr. Thomas Dohmen, Dr. David Huffman und Dr. Uwe Sunde durchgeführt hat. Falk selbst ist IZA-Forschungsdirektor und leitet an der Bonner Universität das Labor für experimentelle Wirtschaftsforschung. "Unsere Experimente der letzten Jahre haben jedoch gezeigt, dass sich die Selbsteinschätzungen sehr gut mit den tatsächlichen Charakter-Eigenschaften decken."
Eine andere Spruchweisheit konnten die Forscher als Mythos entlarven: Den Umfragedaten nach ziehen sich Gegensätze nicht an - stattdessen haben risikofreudige Frauen meist auch risikofreudige Ehemänner. Auch in puncto "Vertrauen" gleichen sich Ehepartner in der Regel - selbst dann, wenn sie erst vor kurzem geheiratet haben. "Bei der Partnerwahl scheinen wir darauf zu achten, dass uns der Erwählte möglichst ähnelt", interpretiert Falk die Ergebnisse.
Eltern prägen den Charakter ihrer Sprösslinge, die wiederum bevorzugt einen Lebenspartner wählen, der ihnen ähnelt: Diese beiden Effekte könnten dazu beitragen, dass sich Einstellungen wie Risikobereitschaft oder Vertrauen über Generationen hinweg "vererben". Gleichzeitig sind diese Charaktereigenschaften wohl mit ausschlaggebend für den wirtschaftlichen Erfolg. "Jede ökonomische Entscheidung ist riskant - ob es nun darum geht, Aktien zu kaufen, ein Haus zu bauen oder auch nur ein Studium aufzunehmen", betont Armin Falk. "Auf der anderen Seite hat Geschäftserfolg auch mit der richtigen Portion Vertrauen zu tun."

Einmal Unterschicht, immer Unterschicht?

Vielleicht bietet das einen zusätzlichen Erklärungsansatz, warum Clans wie die Kennedys oder die Krupp-Familie über Generationen hinweg Erfolg haben. "Wenn Kinder ihren Eltern in punkto Risikofreude und Vertrauen ähneln, dann werden sie sich auch in ökonomischen Fragen häufig ähnlich entscheiden wie diese", sagt der Wissenschaftler. "Wer aus einer reichen Familie stammt, hat aber natürlich auch einfach bessere Chancen im Leben." Umgekehrt könnte der "Vererbungs-Effekt" auch die Zugehörigkeit zur viel zitierten "Unterschicht" zementieren.
Der Zürcher Ökonom Professor Dr. Ernst Fehr hat kürzlich mit demselben Fragensatz wie Falk die Risikobereitschaft von US-Amerikanern und Deutschen verglichen. Die Befragten jenseits des großen Teichs kamen dabei auf einen Durchschnittswert von 5,6 - die Deutschen sind mit 4,4 deutlich vorsichtiger. "Die USA sind ein traditionelles Einwanderungsland", sagt Falk. "Wahrscheinlich neigen gerade risikofreudige Menschen zur Emigration - zumindest gibt es Studien, die in diese Richtung deuten. Dazu kommen unsere Resultate, nach denen sich Risikobereitschaft auf irgendeine Weise 'vererbt'. Damit wird dieser Unterschied vielleicht erklärlich."

 
zurück
1 2