Mit Meditation Gehirnleistung steigern?
Viele, die Meditation zur Entspannung ausprobieren, scheitern an der Ausdauer, die dazu notwendig ist. Eine Studie hat deshalb eine Meditationsform untersucht, die schnell zu messbaren Erfolgen führt. Dr. Rose Shaw, Psychotherapeutin aus München, stellt im Blog Psychologie Aktuell eine Veröffentlichung der Universität von North Carolina vor, die zum Schluss auch einen Nachteil (?) benennt – man muss es regelmäßig praktizieren.
Wirkung von Meditation
Manche Menschen brauchen ihre gewohnte Menge Kaffee oder Ähnliches, um ihre geistige Fitness zu steigern. Die Studie der Universität von North Carolina zeigt jedoch, dass eine kurze Meditationsübung die gleiche Wirkung haben kann. Bereits frühere Untersuchungen mit Neuroimaging-Methoden haben nachgewiesen, dass Meditationstechniken deutliche Veränderungen in denjenigen Gehirnregionen erzielen können, die an der Konzentration beteiligt sind. Bis dato ging man allerdings davon aus, dass dieser Effekt ein ausgiebiges Training voraussetzt. Einerseits würden viele Menschen gerne geistig fitter sein. Andererseits schreckt die Menschen die dazu erforderliche Disziplin ab, ebenso wie der damit verbundene Zeitaufwand und die finanziellen Kosten.
Gehirnleistung durch Meditation beeinflussen
Daher überrascht es, dass die positiven Auswirkungen möglicherweise auch ohne einen derart großen Aufwand zu erreichen sind. Obwohl es fast wie die Werbung für eine Wunderdiät klingt, zeigt die Studie, dass sich der Geist einfacher als angenommen trainieren lässt. Dazu haben Psychologen die Wirkung der sogenannten Achtsamkeitsmeditation, untersucht und beobachtet, wie Studienteilnehmer nach einem Meditationstraining deutlich verbesserte geistige Fähigkeiten zeigten. Nach einem nur viertägigen Training von je zwanzig Minuten schnitten die Teilnehmer in kognitiven Tests erheblich besser ab als die Kontrollgruppe, die nicht meditiert hatte. „Unsere Testergebnisse sind durchaus vergleichbar mit denen anderer Studien nach weitaus umfangreicheren Trainingsprogrammen”, betont Dr. Fadel Zeidan. Der Psychologe hat an der University of North Carolina in Charlotte in den USA promoviert, wo die Studie durchgeführt wurde. „Um ehrlich zu sein, waren wir überrascht vom Ausmaß der Verbesserungen, die wir nach nur vier Tagen Meditationstraining beobachtet haben”, gesteht Zeidan und fährt fort: „Das zeigt, wie leicht man das menschliche Denken verändern und beeinflussen kann, besonders durch Meditation.“
Meditation oder Hörbuch
An der Studie nahmen 63 Studenten als Freiwillige teil, davon 49 bis zu ihrem Ende. Die Teilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip in zwei etwa gleich große Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe wurde in der Meditation trainiert, während die andere gleich viel Zeit damit verbrachte, ein Hörbuch (Der kleine Hobbit von Tolkien) zu hören. Zu Beginn und am Ende des Meditations- bzw. Hörprogramms testeten die Forscher Stimmung, Gedächtnis, visuelle Aufmerksamkeit, Aufmerksamkeitsverarbeitung und Wachsamkeit der Testpersonen im Labor. Bei der ersten Untersuchung erzielten beide Gruppen ähnlich gute Testergebnisse. Die Stimmung der Teilnehmer verbesserte sich nach dem Programm sowohl in der Meditations- als auch in der Vorlesegruppe. Aber eine deutliche Verbesserung geistiger Funktionen war nur bei der Meditationsgruppe zu erkennen, die in all diesen Tests durchgängig bessere Durchschnittswerte erzielte als die Vorlesegruppe. Für eine Aufgabe mussten die Teilnehmer für längere Zeit etwas im Gedächtnis behalten und sich dabei auf etwas anderes konzentrieren, bevor es später abgefragt wurde. Bei diesem anspruchsvollen Test erreichte die Meditationsgruppe sogar zehnmal bessere Ergebnisse als die Vorlesegruppe.
Bessere Aufmerksamkeit durch Meditation
„Die Meditationsgruppe war vor allem bei den geistigen Tests besser, wo es auf Schnelligkeit ankam”, fasst Zeidan zusammen. „Bei den Aufgaben, für die die Teilnehmer Informationen unter Zeitdruck, und somit unter Stress, verarbeiten mussten, schnitt die Meditationsgruppe nach ihrem kurzen Achtsamkeitstraining deutlich besser ab.“ Besonders auffallend waren die unterschiedlichen Resultate in einem „computer-adaptierbaren N-Back-Test“. Bei dieser Aufgabe konzentrierte sich der Teilnehmer auf eine Folge von Bildern und musste sich erinnern, ob ein Bild zwei Schritte zuvor gezeigt worden war. Bei einer richtigen Antwort erhöhte der Computer die Geschwindigkeit des folgenden Bildes und gestaltete so die Aufgabe noch schwieriger. Hier erreichte die Meditationsgruppe durchschnittlich zehn richtige Antworten hintereinander, während die Vorlesegruppe nur eine schaffte. „Ergebnisse wie diese zeigen, dass man keineswegs ein intensives Training braucht, um von Meditation zu profitieren. Die positive Wirkung der Meditation könnte anfangs in einer verlängerten Aufmerksamkeitsspanne bestehen”, so Zeidan. „Es würde sich lohnen, diese Beobachtungen genauer zu untersuchen“, betont er und merkt an, dass man Veränderungen im Gehirn, auf die die Verhaltenstests hindeuten, mit Neuroimagingstudien bestätigen könnte. „Aber schon jetzt zeigt die Studie deutlich, dass Meditation menschliches Denken beeinflussen und so Denkprozesse verbessern kann – vor allem länger aufmerksam und wach bleiben zu können – und das nach nur einer Woche.“
Meditationstechnik Achtsamkeitstraining
Die angewandte Meditationstechnik in dieser Studie war eine verkürzte Variante des „Achtsamkeitstrainings”, das von „Samatha” (Sanskrit für ruhiges Verweilen) abgeleitet ist und auf einer buddhistischen traditionellen Form der Meditation beruht. Die Gruppensitzungen wurden von einem erfahrenen Meditationslehrer geleitet. Die Autoren beschreiben die Technik wie folgt: „Die Teilnehmer sollten sich mit geschlossenen Augen entspannen und sich einfach nur auf den Fluss der Atmung an ihrer Nasenspitze konzentrieren. Wenn ihnen zufällig etwas in den Sinn kam, sollten sie es passiv zur Kenntnis nehmen und den Gedanken einfach weiterziehen lassen, indem sie die Aufmerksamkeit wieder auf das Empfinden ihrer Atmung richten.“ Das weitere Training baute auf dieser Grundübung auf und schulte das Körperbewusstsein, die Konzentration und die Achtsamkeit der Teilnehmer gegenüber ablenkenden Einflüssen.
Muskeltraining für das Gehirn
Zeidan vergleicht das kurze Training der Teilnehmer mit einer Art Gehirnjogging, das ihr Bewusstsein auf geistige Betätigung vorbereite. „Der Meditierende ist entspannt und konzentriert sich auf seinen Atem, sodass er lernt, seine Gefühle zu kontrollieren. Er steigert sein Bewusstsein für die geistigen Prozesse, die gerade ablaufen. Dieser einfache Vorgang funktioniert wie ein Muskeltraining, nur mit dem Gehirn. Die Achtsamkeitsmeditation lehrt den Menschen, von Sinneseindrücken loszulassen, die ihn leicht ablenken könnten, seien es die eigenen Gedanken oder Geräusche aus der Umgebung. Auf diese Weise kann er seine Leistung steigern und Aufgaben besser erledigen.” „Diese Art des Trainings kann Menschen auf geistige Tätigkeiten vorbereiten, aber die Wirkung hält nicht unbedingt an”, gibt Zeidan zu bedenken. „Das heißt, man meditiert nicht einfach vier Tage und ist dann fertig – man muss es immer weiter anwenden.”
Die Studie erschien in der Aprilausgabe 2010 von Consciousness and Cognition. Die Mitautoren Zeidans sind Susan K. Johnson, Zhanna David und Paula Goolkasian von der Abteilung Psychologie der University of North Carolina in Charlotte und Bruce J. Diamond von der William Patterson University. Die Studie war Teil der Dissertation Zeidans.
Autor/Quelle: Dr. Rose Shaw
