Konflikte gehören zum Leben!

Wo Menschen zusammenkommen entstehen immer mal wieder Konflikte - im Beruf, der Familie oder unter Freunden. Konflikte sind also nichts Ungewöhnliches. Sie sollten aber angesprochen werden und es sollte nach Lösungen gesucht werden. Leichter gesagt als getan, denn die Frage ist häufig: "Wie soll dies geschehen?"
Tatsache ist, viele Menschen können nur schwer mit Konflikten umgehen. Die einen können Sie erst gar nicht thematisieren, andere verdrängen und leben dann mit einem unguten Gefühl. Und wer mutig genug ist, der weiß oft nicht wie er sein Problem ansprechen soll. Aber nur wer Konflikte anspricht, kann auch etwas verändern.
Eine gute Strategie ist es, seinen alltäglichen Stress zu Hause mitzuteilen, auch wenn er noch so banal ist. Das baut Spannungen ab und stärkt den Zusammenhalt. Probleme, die grundlegender Natur sind, lassen sich in der Regel nicht mit einem Gespräch lösen. Vielmehr braucht es meist mehrere Diskussionen, bis eine Lösung in Sicht ist. Dennoch sollte nach einem Gespräch ein Zwischenergebnis gezogen werden, damit niemand der Beteiligten das Gefühl mit nach Hause nimmt, dass die Diskussionen vertane Zeit sind. Manchmal muss man sich und den anderen einfach etwas Zeit geben.
Ist man zu einer Lösung gekommen, sollte dies zwischen den Beteiligten auch so kommuniziert werden. Noch besser, wenn sich das Ergebnis feiern lässt. Ein gut gelöster Konflikt hat nämlich positive Wirkungen auf die "Streiter":
- Erstens gibt es Sicherheit einen anderen Zwist zur Zufriedenheit zu lösen.
- Zweitens fühlen sich die Betroffenen hinterher besser.
- Drittens ist auch das Gruppengefühl gestärkt. Denn man hat Verständnis für die Situation des andern erarbeitet und ist gemeinsam zu einer Lösung gekommen.
Für den Fall der Fälle: Tipps von erfahrenen Streitexperten
- Am besten Ärger immer gleich aussprechen, dann staut sich nichts auf. Achten Sie auf frühe Anzeichen einer Krise!
- Vergessen Sie nicht aus welchem Grund Sie streiten und bleiben Sie bei dem Thema um das es geht. Legen Sie Regeln für den Ablauf des Gespräches fest, zum Beispiel: "Zuerst darfst Du fünf Minuten sagen, was Dir nicht passt, dann bin ich fünf Minuten dran." Jeder ist gezwungen, eine Zeit lang zuzuhören und der andere hat Raum, über seine Sicht der Dinge zu sprechen. Jeder sollte mitteilen, was er sich wünscht und Schuldzuweisungen außen vor lassen.
- "Aktiv zuhören": Stellen Sie Ihre eigenen Belange zurück und gehen Sie auf den Gesprächspartner ein. Das baut Spannungen ab. Fassen Sie die Worte Ihres Gegenübers zusammen, das zeigt, ob alles richtig angekommen ist: "Verstehe ich dich richtig, dass ..." Aktives Zuhören bedeutet übrigens nicht, dem anderen automatisch Recht zu geben!
- 5:1-Regel: Wenn Sie in Auseinandersetzungen fünfmal was Nettes sagen, ist das Polster dick genug für einen kleinen "Ausrutscher", der dann vom Kontrahenten eher verziehen wird.
- Versuchen Sie, im Konkreten zu bleiben und nennen Sie zu allen Missständen ein praktisches Beispiel. Damit erreichen Sie zweierlei: Sie vermeiden meist sehr verletzende Verallgemeinerungen und Ihr Gesprächspartner versteht ihre Gefühlswelt und die aktuelle inakzeptable Situation besser.
- Geben Sie es zu, wenn Sie offensichtlich einen Fehler gemacht haben, und entschuldigen Sie sich. Das spricht für Ihr Selbstbewusstsein. Sie zeigen damit, dass es Ihnen um die Sache und nicht um kleine Machtspielchen geht. Das Zauberwort lautet Respekt.
Fehlersuche - die Klassiker
Ein perfekter Streitpartner fällt nicht einfach vom Himmel. Streiten will gelernt sein! Es gibt grundsätzliche Fehler, die man ganz unbewusst macht und die jedem Gegenüber das Einlenken erschweren.
- Kehren Sie Ungerechtigkeiten oder Unstimmigkeiten nicht unter den Teppich. Je länger dort ein Konflikt schwelt, desto größer und unüberwindlicher wird er mit der Zeit.
- Vermeiden Sie Pauschalurteile, Verallgemeinerungen oder Aussagen, die den anderen unter Druck setzen. Beispiel: "Ich bin nicht länger bereit ...!", "Ich halte das nicht mehr aus ...!" oder "Ich denke gar nicht daran ...!" Gestehen Sie stattdessen Ihr Gefühl in der jetzigen Situation, statt mit Vorwürfen zu kontern.
- Mauern Sie nicht, wenn sich Ihr Partner oder Kind von sich aus traut, ein prekäres Thema anzusprechen. Je mehr Anläufe das Gegenüber dafür braucht, desto aggressiver wird es sein Anliegen vorbringen. Und bei Ihnen schwindet die Lust, sich überhaupt mit dem Thema auseinander zu setzen.
- Sparen Sie sich Ironie, Sarkasmus oder Zynismus. Damit kommt niemand gut klar und Sie verlassen zudem die sachliche Debatte. Und: Vor allem Kinder können damit nicht umgehen. Verachtung und Abwertung heizen die Konfrontation unnötig an und ein offenes Zuhören wird fast unmöglich.
- Beißen Sie sich auf die Zunge, bevor die kleinen Worte "nie", "immer", "alle", "keiner" oder "jedes Mal" über Ihre Lippen kommen. Sie sind wunderbare "Anheizer", weil sie verallgemeinern und jede Aussage radikalisieren. Das trägt zum verletzenden Effekt bei. Gelingt es, diese Unworte durch "manchmal", "selten", "viele", "einige" zu ersetzen, oder noch besser durch ein konkretes Beispiel, bleibt die Kommunikation offen.
Fazit
Ein konstruktiver Umgang mit dem Gegenüber hat einen großen Vorteil: Wer weiß, was den anderen bewegt, hat auch leichter Verständnis. So weiß man nicht nur wie sich der andere fühlt und was in ihm vorgeht; man erfährt auch, welche Sicht der Dinge er von der Welt hat.
