Biorhythmus

Der Tag hat 24 Stunden - auch unsere innere Uhr?

Seit ca. 30 Jahren beschäftigen sich Wissenschaftler mit der inneren Uhr. Ihr Ziel ist es, die Ursachen für die beobachtete Regelmäßigkeit von täglichen Hochs und Tiefs herauszufinden, die im Extremfall zwischen top fit bis total erschöpft schwanken können.
Schon seit hunderten von Jahren wird das Phänomen des inneren Rhythmus von der traditionellen chinesischen Medizin berücksichtigt. Die Chinesen teilen 12 Organe in Tag- und Nachtorgane auf und schreiben jedem der Organe ein Funktionshoch über zwei Stunden am Tag zu. Regelmäßig auftretende Beschwerden zu bestimmten Tageszeiten werden auf Probleme des zu dieser Zeit aktiven Organs zurückgeführt.
Durch Experimente konnte die Vermutung erhärtet werden, dass sich unsere innere Uhr nach dem Tageslicht richtet. Halten sich Menschen über vier Wochen in einem Raum ohne Tageslicht auf, so können sie zwischen Tag und Nacht nicht mehr unterscheiden und gestalten ihren Lebensrhythmus im Einklang mit ihrer inneren Uhr. Die meisten Menschen leben dann in einem Zyklus von 25 Stunden, manche Menschen haben aber sogar einen Rhythmus von 30 Stunden. Kommen diese Menschen dann wieder in eine normale Umgebung mit Tag und Nacht, nähert sich ihre innere Uhr einem 24-Stunden-Zyklus wieder an.

Wie organisiert der Körper sein Tagespensum?

Über den Tag hinweg sind Schwankungen der Blut-Konzentration von verschiedenen Stoffen, die der Körper produziert, schon seit langem bekannt. So steigt beispielsweise die Konzentration der Nebennierenhormone, Adrenalin und Kortisol, im Blut bereits morgens um 5 Uhr. Stoffwechselvorgänge, die Verdauung und Energiegewinnung, laufen morgens auf Hochtouren. Die Herztätigkeit nimmt zu - der Körper stellt sich auf die aktive Tagesphase ein. Erfahrungsgemäß funktionieren Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnisleistungen und Sprachvermögen zwischen 10 und 12 Uhr besonders gut. Um die Mittagszeit nimmt die geistige und körperliche Leistungsfähigkeit dann erst einmal ab. Die bei Südländern besonders beliebte Siesta ist eine Gewohnheit, die mit dem Päuschen, das der Organismus um die Mittagszeit einlegt, also durchaus im Einklang steht . Allerdings sollte das Mittagsschläfchen auf keinen Fall länger als 20 Minuten dauern, will man auch den Nachmittag mit Schwung und Elan meistern. Üppige Mahlzeiten können die Müdigkeit mittags verstärken.
Gegen 14 Uhr steigt vermutlich der Blutspiegel der körpereigenen Endorphine, was erfahrungsgemäß das allgemeine Wohlbefinden steigert. Gegen 16 Uhr nehmen die körperliche und die geistige Leistungsfähigkeit noch einmal richtig zu. Man nimmt an, dass man die größten Trainings- und Lernerfolge um diese Zeit erzielen kann. Am Abend stellt sich der Körper auf seine Erholungsphase um. Der Blutdruck und die Körpertemperatur sinken. In der Nacht regenerieren sich die Organe, um am nächsten Tag wieder voll einsatzfähig zu sein.

Beeinflusst die Lebensweise die innere Uhr?

Die Erfahrungswerte rund um die tageszeitlichen Formschwankungen sind allerdings stark abhängig von der persönlichen Lebensweise. Wer täglich die Nacht zum Tag macht und regelmäßig mittags bis um 12 Uhr schläft, wird sein erstes Leistungshoch nicht um 10 Uhr haben. Der Körper ist sehr anpassungsfähig und kann sich auf einen veränderten Rhythmus umstellen. Dazu braucht er nur etwas Zeit.
Wer schon einmal seinen Urlaub in einer anderen Zeitzone verbracht hat, hat am eigenen Körper erlebt, dass er sich innerhalb weniger Tage auf den neuen Lebensrhythmus einstellt. Als Faustregel beim Wechsel der Zeitzonen gilt, dass der Körper sich täglich um eine Stunde der neuen Zeit anpasst. Der Körper von Schichtarbeitern und Vielfliegern muss sich ständig auf einen neuen Lebensrhythmus umstellen. Die Körperfunktionen müssen bei diesen Menschen regelmäßig, kaum dass sie einen neuen Rhythmus gefunden haben, den Rhythmus erneut umstellen. Erholungsphasen können dadurch kürzer ausfallen, als es dem Körper gut tut, was langfristig zu Erschöpfung, dauerhafter Müdigkeit und mangelnder Leistungsfähigkeit führen kann. Der Gewohnheitsmenschen, der streng nach seinem festgelegten Tagesschema lebt, wird damit weniger Probleme haben.