Untersuchungen von Leber und Gallenwegen: Diagnostik

Die Grunddiagnostik
Die körperliche Untersuchung erfolgt meist am liegenden Patienten. Äußerlich sichtbare Krankheitszeichen (Inspektion) sind z.B. Wassereinlagerungen, gelbliche Bindehäute der Augen und Kratzspuren oder Gefäßspinnen an der Haut. Bei der Tastuntersuchung (Palpation) und beim Abklopfen (Perkussion) kann der Arzt die Leber und Gallenblase unter dem rechten Rippenbogen untersuchen und prüfen, ob diese schmerzempfindlich sind. Setzt er gleichzeitig sein Stethoskop zum Abhören ein (Auskultation), kann er auch die Darmgeräusche und größere Wassereinlagerungen beurteilen.
Zur Grunddiagnostik gehört auch die Bestimmung der sogenannten Leberwerte,
- Transaminasen (ALAT = GPT, ASAT = GOT),
- Gamma-GT,
- alkalische Phosphatase (AP).
Diese werden bei den meisten Routineblutuntersuchungen mitbestimmt, da sie gut geeignet sind, erste Hinweise auf eine Leberstörung oder Gallestau zu geben. Sind sie erhöht, müssen spezifischere Tests folgen.
Funktionstests
Da die Leber bei einer Vielzahl von Stoffwechselprozessen beteiligt ist, kann ihre Leistung nur in der Zusammenschau verschiedener Tests eingeschätzt werden. Die wichtigste Rolle spielen hierbei Blutuntersuchungen:
- Bilirubin: Der Gallenfarbstoff ist häufig erhöht, da er von der Leber nicht mehr so verändert wird, dass er über die Galle und den Darm ausgeschieden werden kann. Stattdessen bleibt er im Blut, lagert sich in den Augen und der Haut ab und führt zur Gelbsucht.
- Cholinesterase: Dieses Enzym wird normalerweise von den Leberzellen produziert und ins Blut abgegeben. Es ist bei Funktionsstörungen also erniedrigt.
- Ammoniak: Dieses Stoffwechselendprodukt wird bei Leberstörungen nicht mehr ausreichend ausgeschieden und reichert sich so im gesamten Körper an. Im Gehirn führt es zu Hirnleistungsstörungen.
- Albumin / Eiweiße: Eine verminderte Leberfunktion bedeutet auch eine verminderte Synthese von Eiweißen. Diese sind deshalb – in bestimmter Konstellation – im Blut vermindert.
- Quickwert (bzw. INR-Wert): Viele Gerinnungsfaktoren werden in der Leber produziert. Ist ihre Herstellung gestört, ändern sich die Gerinnungsparameter wie der Quickwert entsprechend.
- Blutplättchen: Da infolge des Leberversagens häufig auch die Milz vergrößert ist, werden dort die Blutplättchen vermehrt abgebaut. Auch dies führt zu Gerinnungsstörungen.
- Gallensäuren: Diese werden wie das Bilirubin nicht mehr ausreichend ausgeschieden, steigen im Blut an und können zu Juckreiz führen.
- Vitamine: Um die Vitamine A, D, E und K aus dem Darm aufzunehmen, braucht man einen intakten Fettstoffwechsel. Dieser ist bei Leberkrankheiten häufig gestört. Bei Alkoholmissbrauch sind oft auch Vitamin B, Folsäure und Spurenelemente wie Zink vermindert.
- Blutzucker: Nicht selten kommt es im fortgeschrittenen Stadium zu Störungen im Zuckerstoffwechsel bis hin zu einem Diabetes mellitus.
- Elektrolyte: Salze wie Natrium und Kalium können im Blut vermindert oder im Überschuss vorhanden sein.
Das Ausmaß des Leberversagens und die Prognose lassen sich mit einem Klassifikationssystem (nach Child-Pugh) beurteilen – dazu werden drei Laborwerte (Bilirubin, Albumin, INR-Wert) und zwei klinische Befunde (Bauchwasser, Hirnleistungsstörungen) zueinander in Bezug gesetzt.
Bei der Leberszintigraphie lassen sich mit Hilfe radioaktiv markierter roter Blutkörperchen die Leberfunktion, der Galleabfluss und die Durchströmung der Lebergefäße beurteilen.
Autor/Quelle: Dagmar Reiche


