Untersuchungen von Gehirn und Nerven

Legte man alle Nervenfasern des menschlichen Körpers hintereinander, ließe sich damit zehnmal die Erde umrunden – und dabei ist noch nicht das Gehirn berücksichtigt. Dieses besitzt so viele Synapsen, dass die Zahl ihrer möglichen Verbindungen größer als die Gesamtzahl von Atomen im Universum ist. Und das, obwohl das Gehirn üblicherweise weniger als sechs Stück Butter wiegt.
Das Gehirn ist unsere Schaltzentrale: Es verarbeitet, reagiert und steuert – unser wissentliches und unbewusstes Denken und Handeln, das automatische Wirken unserer Organe. Sein Team besteht aus Nerven und Synapsen: Diese führen mittels komplexer Verschaltungen seine Befehle aus und leiten weiter, was der Chef vorgibt. So vielschichtig wie die Aufgaben des Nervensystems in Kopf und Peripherie sind, so vielfältig können sich auch Störungen äußern. Ebenso zahlreich sind die diagnostischen Möglichkeiten, Krankheiten auf die Spur zu kommen.
Doch auch hier gilt wie bei allen anderen Störungen: Das wichtigste Hilfsmittel ist die Anamnese, also das Erfragen der Krankengeschichte. So kann der Arzt die Beschwerden bereits vorsortieren und bestimmte Krankheitskategorien ausschließen oder bei der Diagnostik bevorzugt weiter verfolgen. Neben den aktuellen Symptomen und deren Verlauf sind auch Vorerkrankungen, Operationen und Unfälle, Risikofaktoren und Medikamente, familiäre Krankheiten sowie soziales und berufliches Umfeld von Bedeutung. Beim Patientengespräch kann der Arzt bereits einen Gesamteindruck gewinnen und auf Auffälligkeiten bei der Sprache, im Verhalten und bei der Bewegung sowie auf Fehlhaltungen achten.

Die Grunddiagnostik

Die körperliche Untersuchung erfolgt am stehenden, sitzenden und/oder liegenden, teilweise entkleideten Patienten. Äußerlich sichtbare Krankheitszeichen (Inspektion) sind z.B. Zuckungen, Lähmungen oder auffällige Bewegungen.
Der Arzt wird sich mit verschiedenen Untersuchungen ("neurologisches Screening“) einen Überblick verschaffen; weitere Test hängen von den Beschwerden und den Befunden ab. Geprüft werden die verschiedenen Hirnnerven, Gang und Koordination sowie die Muskelfunktion und die Sensibilität, also Fähigkeit der Wahrnehmung von Reizen wie Berührung und Vibration. Da auch eine Reihe von Organerkrankungen die Funktion von Gehirn und Nerven beeinträchtigen können, wird sich auch eine orientierende internistische Untersuchung anschließen.
Je nach Verdachtsdiagnose folgen genauere Tests zur Beurteilung von Psyche, Sprache, Wahrnehmung, Denken und Gedächtnis, Blut- und Urinuntersuchungen (z.B. bei der Zuckerkrankheit), Untersuchung des Nervenwassers (z.B. bei Verdacht auf Entzündungen) und apparative Verfahren.

 
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