Blutuntersuchung

Blut transportiert Sauerstoff von den Lungen zu den Organen und nimmt auf dem Rückweg das Abfallprodukt Kohlendioxid zum Abatmen wieder mit. Es ist auch Hauptverkehrsader für die zahlreichen anderen Substanzen, die im Körper von einer Stelle zur anderen gelangen müssen. All die Stoffe, die im Blut unterwegs sind, lassen sich messen. Bluttests sind ein wichtiger Bestandteil der meisten ärztlichen Untersuchungen.
Blut – Körperflüssigkeit mit zahlreichen Aufgaben
Die meisten Stoffe im Körper müssen von einem Ort zu einem anderen gelangen. Ob die Nährstoffe im Magen-Darm-Trakt zu anderen Organen, der Sauerstoff in den Lungen zu den Köperzellen, Hormone aus den Hormondrüsen zu ihren Zielzellen – die Anzahl der Substanzen, die tagtäglich im Blutstrom hin und her transportiert werden, ist riesig.
Blut hat aber auch andere Aufgaben: So verteilt es die Wärme und ist Teil des Regelsystems, das dafür sorgt, dass im Körper das optimale Innenmilieu aufrechterhalten wird (Homöostase). Das Gerinnungssystem dichtet Verletzungen ab. Eine sehr wichtige Funktion ist auch die Immunabwehr, bei der Abwehrzellen und Antikörper im Blut bereitgestellt werden und Erreger, körperfremde Eiweiße oder kranke Zellen im Körper zu bekämpfen.
Viele Teile ergeben ein Ganzes
Beim Erwachsenen macht das Blut etwa 8% des Körpergewichts aus, das entspricht etwa 5–6 Litern. 42–44 % des Blutvolumens werden durch die Blutzellen bedingt – diesen Anteil bezeichnen Fachleute als Hämatokrit. Die übrigen 56–58 % sind das Blutplasma oder Plasmavolumen. Dieses besteht zu 90 % aus Wasser, 8 % aus Eiweißen und 2 % kleinmolekularen Substanzen wie Vitamine, Zucker oder Hormone. Blutplasma ohne Fibrinogen, einem Eiweißkörper der Blutgerinnung, wird als Blutserum bezeichnet.
Was wird untersucht und wofür?
Mit einer einzigen Blutprobe lassen sich eine Vielzahl verschiedenster Untersuchungen durchführen – je nachdem, welche Bestandteiles des Blutes auf welche Weise betrachtet werden. So werden vor allem Vollblut, Blutzellen und Blutserum untersucht. Jede Untersuchung ist allerdings immer nur eine Momentaufnahme und muss unter Umständen wiederholt werden. Es gibt außerdem einige Faktoren, die das Ergebnis beeinflussen und deshalb bei der Auswertung berücksichtigt werden müssen. Dazu gehören Alter, Geschlecht, Ernährung, Tageszeit und Medikamente. Die Normwerte, die zum Vergleich herangezogen werden, können von Labor zu Labor und je nach Untersuchungsmethode variieren.
Prinzipiell lassen sich folgende Tests unterscheiden:
- Blutbild: Mikroskopisch und photometrisch werden Blutzellen (rote und weiße Blutkörperchen, Blutplättchen, unreife rote Blutkörperchen) und Blutfarbstoff sowie deren Aussehen, Anzahl, Größe und der prozentualen Verteilung betrachtet. Je nachdem, welche Blutzellen untersucht werden, unterscheidet man kleines und großes Blutbild. Diese Untersuchung kommt insbesondere bei Verdacht auf Infektionen, Blutkrankheiten wie Blutarmut oder Störung der Blutbildung und Mangelerkrankungen (z.B. Eisen, Folsäure, Vitamin B12) zur Anwendung.
- Blutgerinnung: Das Gerinnungssystem schützt den Körper vor Blutungen und Blutverlusten. Dabei besteht ein komplexes Gleichgewicht zwischen Blutstillung durch Gerinnsel auf der einen und Flüssighalten des Blutes, damit die Gefäße nicht verstopfen, auf der anderen Seite. Daran sind eine Reihe verschiedener Faktoren beteiligt; die wichtigsten sind die Blutplättchen (Thrombozyten), Fibrinogen, Kalzium und Vitamin K. Die Blutgerinnungsuntersuchung wird vor allem bei Verdacht auf angeborene oder erworbene Gerinnungsstörungen und bestimmte Organerkrankungen (z.B. Leber) durchgeführt.
- Blutkörperchen-Senkungsgeschwindigkeit: Dies ist ein Überblickstest, bei dem ungerinnbar gemachtes Blut in spezielle Röhrchen aufgezogen und die Strecke, um die sich die festen Bestandteile in einem bestimmten Zeitraum absenken, bestimmt wird. Ist diese größer als normal, kann das auf Infektionen, Entzündungen und Tumoren hinweisen, ist sie kleiner auf Leberentzündungen. Weitere Untersuchungen müssen sich anschließen.
- Untersuchungen des Blutserums (serologische Untersuchungen): dienen vor allem zur Beurteilung der Funktion innerer Organe wie Leber und Gallenblase, Nieren, Herz, Lunge, Magen und Darm, Schilddrüse, Bauchspeicheldrüse, Milz und Prostata. Es lassen sich Eiweiße, Fette, Mineralstoffe, Vitamine, Hormone, Enzyme und Krebsmarker bestimmen - wichtige Untersuchungen bei der Identifizierung verschiedenster Störungen und Mangelerscheinungen sowie zur Kontrolle des Krankheitsverlaufs und der Therapie.
Für die Funktionsdiagnostik der verschiedenen Organe sind bestimmte Enzyme typisch und werden auch entsprechend benannt (z.B. Herz-, Leber-, Muskelenzyme). Das sind Gruppen von Substanzen, deren Konzentration und prozentuale Verteilung dem Arzt meist wichtige Hinweise auf die Art der Funktionsstörung des speziellen Organs gibt. Sie werden in der Regel in Kombination mit anderen Stoffen wie Eiweiß oder Fett beurteilt. - Blutgasanalyse (BGA): Zu den Blutgaswerten gehören die Konzentration von Sauerstoff und Kohlendioxid sowie der pH-Wert und das Bicarbonat. Die Blutprobe wird meist aus der Arterie im Handgelenk oder den Kapillaren im Ohr entnommen. Damit lässt sich der Gasaustausch in der Lunge beurteilen, z.B. bei Krankheiten wie Asthma.
- Blutkultur: Bei diesem mikrobiologischen Verfahren wird Blut in einem Brutschrank bebrütet, um Bakterien nachzuweisen und dann das passende Antibiotika zur Therapie zu bestimmen. Es wird zum Beispiel bei hohem Fieber ungeklärter Ursache eingesetzt.
- Blutausstrich: Dabei wird frisches Kapillarblut auf einem Glasträger ausgestrichen und unter dem Mikroskop beurteilt. Es kann eingefärbt werden und dient zur Untersuchung auf Parasiten (z.B. Malariaerreger) und Betrachtung und Zählung von Blutzellen.
Erst die Zusammenschau der verschiedensten Parameter gibt dem Arzt einen Hinweis auf die mögliche Störung. Je nach vermuteter Krankheit und Ursache werden die Blutuntersuchungen häufig ergänzt durch weitere Diagnostik wie Funktionstest und bildgebende Verfahren wie Ultraschall öder Röntgen.
Blutuntersuchungen sind darüber hinaus auch gut zur Verlaufskontrolle von Krankheiten und Behandlungen geeignet. So lassen sich beispielsweise frühzeitig Verschlechterungen der Organfunktion, Einstellung und Nebenwirkungen von Medikamenten oder das Wiederaufflammen eines Tumors feststellen.
Gewinnung einer Blutprobe
Je nach beabsichtigter Untersuchung werden ein oder mehrere Röhrchen Blut abgenommen, die Menge liegt in der Regel bei 2–50 ml. Meist wird das Blut aus der Vene (z.B. in der Armbeuge), bei speziellen Fragestellungen auch aus Arterie oder Kapillaren entnommen.
Bei manchen Tests bedarf es bestimmter Vorbereitung des Patienten – nicht selten muss er nüchtern sein, z.B. bei Bestimmung von Blutfetten oder Blutzucker. Der Arzt wird den Betroffenen im Einzelfall über notwendige Maßnahmen und Vorbereitungen aufklären. Für die Aufbewahrung und den Transport der Blutproben steht eine Vielzahl unterschiedlicher Röhrchen zur Verfügung.
So muss beispielsweise das Blut zur Bestimmung der Gerinnung anders vorbereitet werden als das zur Blutsenkung. Heute werden die Röhrchen bereits mit den entsprechenden Zusatzstoffen fertig vom Hersteller geliefert, meist erkennbar an verschiedenfarbigen Stopfen. Die Entnahmesysteme sind so konzipiert, dass nur einmal gestochen werden muss und trotzdem mehrere Röhrchen gefüllt werden können.
In manchen Fällen nimmt der Arzt auch nur eine große Spritze ab und füllt diese anschließend in verschiedene Behälter um. Bei der Blutentnahme für eine Kultur muss der Arzt besonders auf steriles Arbeiten achten. Bei Verunreinigung der Probe z.B. mit normalen Hautkeimen kann sie sonst evtl. nicht richtig beurteilt werden.
Dagmar Reiche
