Sport - mit Unterstützung der Krankenkasse

Deutschland muss gesünder werden – darüber ist man sich in Deutschland einig. Wie das geschehen könnte, darüber herrscht allerdings noch Uneinigkeit.

Präventionsgesetz gescheitert

Die Verabschiedung eines Präventionsgesetzes, das die Vorbeugung gleichberechtigt neben Rehabilitation, Kuration und Pflege als vierte Säule im Gesundheitssystem verankert, hätte ein herausragender Punkt in der Gesundheitspolitik werden können. Die gesetzliche Verankerung von Sport und Bewegung als wichtige Instrumente der Gesunderhaltung hätte unter anderem die Sportvereine als Erbringer von Präventionsmaßnahmen in den Vordergrund gerückt.
Doch das Präventionsgesetz ist im Gerangel um die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen und die Bundestagsneuwahl untergegangen. Was bis zur Verabschiedung eines neuen Präventionsgesetzes bleibt, sind die Anstrengungen der gesetzlichen Krankenkassen, ihre Mitglieder zu mehr Bewegung und besserer Ernährung zu motivieren.

Fit statt fett

Pro Jahr müssen die Krankenkassen rund 30 Milliarden Euro aufwenden, um allein die Folgen von Diabetes in Deutschland zu behandeln. Herz-Kreislauf-Erkrankungen schlagen mit mehr als 36 Milliarden Euro jedes Jahr zu Buche.
Die rund 260 gesetzlichen Krankenkassen bieten ihren Mitgliedern mittlerweile ein umfangreiches Präventionsprogramm an, das weit über die jährlichen oder halbjährlichen Vorsorgeuntersuchungen hinausgeht. Dazu greifen die Krankenkassen verstärkt auf das Angebot von Fitnessstudios und Volkshochschulen zurück, um schwerpunktmäßig in den Bereichen

  • Bewegung
  • Ernährung
  • Stressbewältigung und Entspannung, sowie
  • Nichtrauchertraining

die (noch) gesunden Mitglieder zu einem nachhaltig positiven Lebensstil zu führen. Dabei sind die einzelnen Kurse nicht als Dauerangebot gedacht.
Vielmehr sollen sie die Kursteilnehmer dazu motivieren, den eingeschlagenen Weg zur Gesundheit beizubehalten. Gerade dafür ist es wichtig, in einer Gruppe am Nordic Walking, Aquajogging oder Radfahren teilzunehmen. Die Aktivität in der Gruppe führt oft dazu, dass sich die Teilnehmer anschließend selbstständig zum Walken oder Schwimmen treffen und damit die Verantwortung für ihre Gesundheit selbst in die Hand nehmen.

Krankenkassen zahlen bis zu 80% der Gebühren

Die meisten Krankenkassen erstatten ihren Versicherten bis zu 80% der Kursgebühren in der Regel bis zu einem Betrag von 80 Euro. Voraussetzung dafür ist die nachgewiesene regelmäßige Teilnahme - mindestens 80% der Termine müssen besucht werden. Die meisten Krankenkassen grenzen den Erstattungsrahmen allerdings ein:

  • In der Regel werden maximal zwei Maßnahmen aus den unterschiedlichen Präventionsbereichen, also zum Beispiel Nordic Walking als Vorbeugung für Herz-Kreislauferkrankungen und Ernährungsberatung zur Unterstützung einer gesünderen Lebensweise, pro Jahr mitfinanziert.
  • Dauerangebote, Mitgliedsbeiträge oder regelmäßige Trainings werden nicht bezahlt. Über die Details des jeweiligen Kursangebotes geben die Krankenkassen gerne Auskunft.

Das sind die Voraussetzungen

Wer sich für ein Präventionsprogramm interessiert, sollte sich mit seinem Hausarzt und der Krankenkasse absprechen. Die Präventionsprogramme der Krankenkassen sind in der Regel den eigenen Mitgliedern vorbehalten. Einige Kassen verlangen auch die ausdrückliche Teilnahme an einem Bonusprogramm. Bevor man sich sportlich betätigt, müssen einige medizinische Grundvoraussetzungen erfüllt sein:

  • Wer völlig untrainiert ist, sollte auf jeden Fall seinen Ruhepuls und den Belastungsplus messen. Im Zweifelsfall wird der Hausarzt ein Belastungs-EKG machen, mit dessen Hilfe die maximale Herzfrequenz des Patienten festgestellt werden soll. Aufbauend auf diesen Werten kann dann ein Trainingsbereich festgelegt und mit Hilfe einer Pulsuhr kontrolliert werden.
  • Überprüfen Sie Ihr Koordinationsvermögen! Es geht nicht darum, einen bestimmten "Wert" zu erreichen oder bestimmte Übungen exakt durchführen zu können. Wichtig ist die "Standortbestimmung", also klar zu erkennen, wo zum Beispiel Koordinationsdefizite vorliegen oder bei welchen Aktivitäten sie auftreten. Teilen Sie dieses auch Ihrem Kursleiter mit! Er oder sie wird Ihnen dabei helfen, Ihre Koordination wieder in Schwung zu bringen.
  • Wie ist das Durchhaltevermögen? Auch hier ist die Bestimmung der Ausgangssituation wichtig. Sind Sie nach dem Treppensteigen außer Atem? Strengt Sie das Laufen langer Strecken an? Notieren Sie Ihre Beobachtungen und sprechen Sie mit Ihrem Arzt und dem Kursleiter darüber.
  • Wer Beschwerden beim Laufen hat, sollte diese ärztlich abklären lassen. Wer sich nicht wohl fühlt, über Schwindel und Übelkeit klagt, krank ist oder über Schmerzen verspürt, der gehört ins Bett oder zum Arzt, aber nicht in einen Sportkurs. Sportmediziner können eventuelle Schwächen des Bewegungsapparates gut beurteilen.
  • Wer unter offenen Wunden oder Hautausschlägen leidet, hat vor allem im Wasser nichts zu suchen. Wer unter Atemnot und Kreislaufproblemen leidet, sollte vorher klären, ob Wasser-Kurse im Hallenbad wirklich sinnvoll sind.

Diese Kurse machen fit

Nordic Walking

Gerade im Präventionsbereich "Bewegung" werden viele Kurse angeboten, die auch von den Krankenkassen gefördert werden. Besonders beliebt ist derzeit Nordic Walking. Der Trendsport des Jahres wurde ursprünglich entwickelt, um Langläufer und Biathleten über den schneefreien Sommer zu helfen. Das Gehen mit Stöcken trainiert Herz und Kreislauf und schont die Gelenke.
Besonders vorteilhaft ist, dass neben der Beinmuskulatur vor allem auch die Muskeln im Oberkörper und im Schultergürtel beansprucht werden. Weil beim Gehen der Stock nach hinten durch geschwungen wird, wird die Muskelpumpe der Oberarme besonders aktiv. Dadurch werden Arme, Nacken und Schultern besser durchblutet, was Rücken und Brust gut tut. Außerdem ist der Kalorienverbrauch höher als beim normalen Gehen.
Geschwindigkeit, Streckenlänge und -dauer können in den jeweiligen Gruppen festgelegt werden. Meistens wird auf Waldstrecken oder in Parks gelaufen. Der leicht unebene Boden trainiert zudem das Koordinationsvermögen. Die Nordic Walking Kurse der Krankenkassen werden nur von zertifizierten Trainern oder Kursleitern durchgeführt, die den Kursteilnehmern bei der richtigen Auswahl der Stöcke - die Länge ist entscheidend - und der richtigen Gangart helfen. Ohne diese Anleitung ist der Stockeinsatz selten sinnvoll.

Aqua-Fitness und Wassergymnastik

Die Eigenschaften des Wassers tragen dazu bei, dass Aqua-Fitness, vor allem aus orthopädischer Sicht, eine ausgesprochen gesunde Sportart ist. Auf der Liste der präventiven und rehabilitativen Sportarten steht Aqua-Fitness und Wassergymnastik deshalb ganz weit oben.
Die Auftriebskraft des Wassers wirkt der Gewichtskraft des Körpers entgegen. Diese Verringerung der Schwerkraft entlastet Wirbelsäule, Gelenke und Bänder. Das Verletzungsrisiko ist minimal, und gleichzeitig sind Bewegungs- sowie Belastungsmöglichkeiten erweitert. Durch den Widerstand des Wassers werden Bewegungen - im Vergleich zum Land - bei gleichem Krafteinsatz langsamer ausgeführt.
Der Widerstand passt sich der eingesetzten Muskelkraft an. Dadurch werden Überbelastungen vermieden und die Rückenmuskulatur wird gestärkt. Auch Kraft und Ausdauer können so deutlich verbessert werden. Im warmen Wasser fallen die Bewegungen leichter, Verkrampfungen und Verspannungen lösen sich besser. Aqua-Fitness umfasst sowohl das Aquajogging als auch Aerobic im Wasser zu Musik. Häufig werden Hartgummi-Hanteln, Gummibälle, Schwimmbretter, Stepper oder "Pool-Nudeln" eingesetzt.

Rückenschule und Wirbelsäulengymnastik

Rund 80 % der Deutschen klagen über Rückenschmerzen. In der Rückenschule lernt man, seinen Bewegungsalltag möglichst rückenfreundlich zu gestalten, die Körperhaltung zu verbessern oder dynamisch zu sitzen. Das Programm schließt gymnastische Übungen der Wirbelsäule mit ein. Dabei wird durch gezieltes kräftiges Dehnen des Muskel- und Skelettapparates das ausgewogene Verhältnis von Belastung und Entlastung, Haltung und Bewegung, Spannung und Entspannung wieder hergestellt.