Mirtazapin

Innere Unruhe und Schlafstörungen sind Symptome einer Depression. Mirtazapin kann diese lindern: Es dämpft und hilft dabei zur Ruhe zu kommen und wieder erholsam durchzuschlafen. Daher kommt dieses Antidepressivum vor allem bei Depressiven mit nächtlicher Ruhlosigkeit (Agitiertheit) zum Einsatz. Da es Schlaf anstoßend wirkt, nimmt man das Medikament meist vor dem Zu-Bett-Gehen. Einschlafstörungen mit Gedankenkreisen und sehr frühzeitiges Erwachen werden dadurch vermindert. Nebenwirkungen sind dennoch zu beachten.

Wirkung von Mirtazapin

Mirtazapin gehört zur Klasse der dualen Antidepressiva: Es beeinflusst insbesondere den Botenstoff Noradrenalin und ebenso Serotonin. Deshalb wird es als NaSSA-Antidepressivum (Noradrenerges spezifisch serotonerges Antidepressivum) bezeichnet. Es gehört zu der sogenannten neuen Generation der Antidepressiva, einer noch recht jungen, aber bewährten Medikamentgruppe. Mirtazapin verstärkt die Wirkung der beiden Signalgeber Serotonin und Noradrenalin im Gehirn, indem es an alpha2-Rezeptoren bindet. Diese blockiert es und wirkt dabei antagonistisch, also entgegengesetzt zu der Wirkung der Stoffe, die dort normalerweise ansetzen.

Normalerweise, ohne die Aktivität von Mirtazapin, würde der Signalweg über die alpha2-Rezeptoren die Ausschüttung von Serotonin und Noradrenalin hemmen. Durch die Wirkung von Mirtazapin kommt es also, so wie bei den meisten anderen Antidepressiva, zu einem erhöhten Angebot von den Botenstoffen Noradrenalin und Serotonin. Ein Mangel dieser wird unter anderem für die Symptome und Entstehung von Depressionen verantwortlich gemacht.

Mirtazapin hilft bei Depression

Von Psychiatern wird das Antidepressivum Mirtazapin häufig eingesetzt, weil es in verschiedenen internationalen Studien gut abgeschnitten hat. In Form eines Überblicks zusammengefasst finden sich die Studienergebnisse zu Mirtazapin in der Publikation „Comparative efficacy and acceptability of 12 new-generation antidepressants: a multiple-treatment meta-analysis“ im Lancet 2009; 373: 746-58. Hier wurden zwölf verschiedene Antidepressiva im Hinblick auf ihre Wirkung und Verträglichkeit verglichen. Mirtazapin zeigte vor allem eine gute Wirksamkeit und wurde von den meisten Patienten relativ gut vertragen.

Ebenfalls gute Ergebnisse erzielte Citalopram, ein Antidepressivum, das für eine andere Form der Depression als Medikament mit wiederum anderen Nebenwirkungen in Frage kommt. Es wird nicht bei der unruhigen, agitierten Depression verabreicht, sondern bei der ebenfalls weit verbreiteten Form, die begleitet ist von Traurigkeit und Antriebsarmut. Denn es ist ein Antrieb steigerndes Antidepressivum.

Dosierung von Mirtazapin

Das Medikament Mirtazapin wird üblicherweise oral in Form von Schmelztabletten eingenommen. Alternativ ist es in Lösung zur Verabreichung in Tropfenform und als Konzentrat für intravenöse Infusionen auf dem Markt. Vorzugsweise sollte man dieses Antidepressivum spät abends einnehmen, da Mirtazapin schlafanstoßend wirkt. Das Präparat ist in Deutschland apotheken- und verschreibungspflichtig. Die Tagesdosis zur Erhaltungstherapie bei Depression liegt bei 30-45mg pro Tag.

Nebenwirkungen von Mirtazapin

Die wichtigsten Nebenwirkungen von Mirtazapin sind Müdigkeit, Schwindel und Kopfschmerzen. Unter der Einnahme des Medikaments kann es allgemein zu einem Gefühl von leichter Benommenheit kommen, was mitunter an der antihistaminergen Aktivität von Mirtazapin liegt. Ebenfalls häufig führt es zu Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit, Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen (Ödemen).

Selten kommt es bei Patienten mit entsprechender Veranlagung zu Nebenwirkungen wie Kreislaufbeschwerden mit niedrigem Blutdruck, unwillkürlichem Zittern (Tremor), Hautausschlägen (Exanthem), Krampfanfällen, Muskel- und Gelenksschmerzen, einer verminderten Blutbildung, Erhöhung der Leberwerte und zu Albträumen (Verschlechterung psychotischer Symptome).

Wechselwirkungen von Mirtazapin

Allgemein bestehen bei Mirtazapin kaum Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. In Kombination mit dem ebenfalls antidepressiv wirkenden Lithium kann es aber zu einer Verstärkung der Wirkungen sowie der Nebenwirkungen kommen. Außerdem kann Mirtazapin die schlafanstoßende Wirkung von anderen gleichzeitig eingenommenen Arzneien wie Benzodiazepinen oder auch Alkohol intensivieren.

In Kombination mit Carbamazepin und Phenytoin kann es zu einem beschleunigten Abbau von Mirtazapin im Körper kommen und eine eventuelle Dosisanpassung nötig sein.

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Hinweise zum Wirkstoff Mirtazapin

  • Gut wirksames Antidepressivum, dennoch die Dosierung und Anwendung mit dem Psychiater besprechen, nicht bei Besserung der Symptome selbstständig absetzen.
  • Empfohlene Höchstmenge von Mirtazapin nicht überschreiten.
  • Mirtazapin nicht in Kombination mit MAO-Hemmern und bei bekannter Unverträglichkeit verwenden.
  • Relative Kontraindikationen zur Anwendung sind schwere Leber- und Nierenfunktionsstörungen, Harnverhalt und ein Grüner Star (Glaukom)
  • Bei längerer Einnahme regelmäßige Blutbildkontrollen beim Arzt durchführen lassen, um Störungen der Blutbildung frühzeitig zu erfassen.