Günstige Medikamente sind in Europa Mangelware
EU-Kommission droht Pharmakonzernen mit Verfahren

Günstige Medikamente sind in Europa weiter Mangelware. Das geht aus dem in Brüssel vorgelegten Abschlussbericht der EU-Kommission über den Wettbewerb im Arzneimittelsektor hervor. Die Kommission drohte Pharmakonzernen mit Verfahren, wenn sie die Einführung billiger Medikamenten-Kopien, so genannter Generika, weiter verzögerten. Auch deutsche Pharmakonzerne seien "keine Engel", sagte Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes.
Die EU-Kommission hatte im Januar 2008 eine umfassende Sektoruntersuchung zu Arzneimitteln eingeleitet. Bei Stichproben in 17 Mitgliedstaaten stellten die Wettbewerbshüter fest, dass Bürger bis zu 20 Prozent mehr für Medikamente zahlen mussten. Insgesamt beliefen sich die Zusatzkosten nach Kroes' Angaben auf drei Milliarden Euro.
Den Hauptgrund sieht die Kommission in der zu langsamen Einführung von Generika, die wirkstoffgleiche Kopien von Originalmedikamenten sind. "Die Hersteller von Medikamenten versuchen aktiv, die Einführung von Generika auf ihrem Markt zu verhindern", sagte die Wettbewerbskommissarin. Kroes kündigte an, "gegebenenfalls in Einzelfällen tätig" zu werden.
Nach Kommissionsangaben sind Generika zwei Jahre nach ihrer Einführung bereits 40 Prozent billiger als das Original. "Generika sind ein effizienter Weg, die Kosten einer alternden Bevölkerung zu begrenzen", betonte Kroes.

