Paris will große Mengen Schweinegrippe-Impfstoff kaufen

700 Millionen Euro bereitgestellt

Trotz möglicher Engpässe will Frankreich Impfstoff gegen die Schweinegrippe für nahezu die gesamte Bevölkerung kaufen. Paris habe 700 Millionen Euro bereitgestellt, um sich wie geplant 100 Millionen Impfdosen zu sichern, berichtet die Zeitung "Le Parisien" aus Regierungskreisen. Deutschland will seine Impfstrategie an den erwarteten Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO orientieren.

Ziel sei es, ausreichend viele Dosen zu kaufen, um "die Gesamtheit unserer Bürger" vor der Epidemie zu schützen, erklärte das französische Gesundheitsministerium. Die Verhandlungen mit den Pharmakonzernen dazu seien noch im Gange. Für einen wirksamen Schutz gegen die Grippe wären jeweils zwei Dosen notwendig. 100 Millionen Dosen würden damit für 50 Millionen Menschen reichen - also rund vier Fünftel der französischen Gesamtbevölkerung vom Kleinkind bis zum Greis.

In einem am Donnerstag verabschiedeten Bericht veranschlagt die staatliche französische Krankenkasse Cnam die Kosten für "mehr als 90 Millionen Dosen" auf 600 bis 800 Millionen Euro. Da sie diese Kosten zur Hälfte tragen müsste, legte sie für den Kauf 400 Millionen Euro zurück. Frankreichs höchster Gesundheitsbeamter, Didier Houssin, hatte im Juni gesagt, die Regierung habe sich beim Pharmakonzern GlaoxoSmithKline eine Option über 50 Millionen Dosen gesichert. Über weitere 50 Millionen Dosen wurde laut Houssin damals mit Sanofi-Aventis, Novartis und Baxter verhandelt.

Das Bundesgesundheitsministerium nannte für Deutschland keine Zahlen zu Impfstoffdosen. "Deutschland hat frühzeitig Verträge mit Impfstoffherstellern geschlossen, die sicherstellen, dass die Bevölkerung, wenn es notwendig würde, geschützt und geimpft werden kann", sagte eine Sprecherin in Berlin. Bei seiner Impfstrategie wolle sich Deutschland "eng" an die Empfehlungen der WHO anlehnen, die in den kommenden Tagen erwartet werden.

In Europa gibt es keine abgestimmte Haltung zum Einkauf von Impfstoff. Jeder Mitgliedsstaat entscheidet selbst, ob er nur bestimmte Zielgruppen oder die ganze Bevölkerung impfen will. Die Herstellung des Impfstoffs gegen den Schweinegrippen-Erreger A (H1N1) läuft in den Pharma-Labors jedoch erst an. Wieviel davon in der erwarteten Hochphase der Schweinegrippe im Herbst schon zur Verfügung steht, ist offen. Deshalb müssen wohl alle Regierungen Prioritäten setzen. In der Regel dürften medizinisches Personal oder als besonders krankheitsanfällig geltende Altersgruppen deshalb zuerst geimpft werden.