Zoo in China verarbeitete Knochen offenbar zu Potenzmitteln

Regierung ordnet Schließung an

Im Skandal um den Hungertod von mindestens elf Sibirischen Tigern in einem chinesischen Zoo gibt es neue Vorwürfe gegen die Betreiber des Tierparks. Laut chinesischen Medienberichten sollen aus den Knochen der toten Tiere Potenzmittel hergestellt worden sein.

Ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter des Zoos in Shenyang im Nordosten Chinas sagte, dass seit dem Jahr 2000 womöglich bis zu 50 Tiger verhungert seien. Es sei ein "offenes Geheimnis", dass der Zoo aus den Knochen ein traditionelles Heilmittel der chinesischen Medizin gewonnen habe.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass seit November elf Sibirische Tiger aufgrund von Unterernährung in dem Zoo gestorben waren. Der staatlichen Zeitung "Global Times" zufolge ordnete die Regierung in Peking nun die Schließung des Zoos an und forderte die regionalen Behörden auf, Ermittlungen zum Tod der bedrohten Tiere einzuleiten. Laut "Beijing News" prüfen die Behörden, ob Überreste der Kadaver für die Herstellung von Mitteln für den lukrativen Markt der chinesischen Medizin gewonnen wurde.

Knochen oder Geschlechtsteile von Tigern wurden in China lange Zeit unter anderem bei der Produktion von traditionellen Potenzmitteln verwendet. Peking hat 1993 den Handel mit Produkten aus Kadaverteilen von Tigern verboten. In freier Wildbahn gibt es in China nur noch 50 bis 60 Tiger. Rund 6000 weitere werden in Zoos und Zuchtbetrieben gehalten.