Berlin plant mehr Schutz vor bedenklichen Tattoo-Farben
Bundesinstitut soll Prüf-Kriterien erarbeiten

Die Bundesregierung will die Gesundheitsrisiken durch Tattoo-Farben reduzieren. Ziel sei es, den Verbraucherschutz weiter zu verschärfen, sagte eine Sprecherin des Bundesverbraucherschutzministeriums in Berlin. Auch der Bundesrat berät kommende Woche über strengere Regelungen für Tätowiermittel.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wurde laut Ministerium beauftragt, wissenschaftliche Kriterien zur Kontrolle der Tätowierungsmittel zu erarbeiten. Nach einem Bericht der "Saarbrücker Zeitung" sollen Ende März Ergebnisse vorliegen. Auf Grundlage der neuen Bewertung solle dann die seit Mai 2009 geltende Tätowiermittel-Verordnung überprüft werden, sagte die Ministeriumssprecherin.
In der Verordnung sind Anforderungen an Mittel zum Tätowieren und für sogenanntes Permanent Make-up geregelt. Die Verwendung vieler bedenklicher Stoffe wurde verboten. So dürfen beispielsweise krebserzeugende Azofarbstoffe nicht zum Tätowieren verwendet werden.
Experten sehen allerdings weiteren Regelungsbedarf. Dabei geht es auch um problematische Inhaltsstoffe wie Hilfs- und Zusatzstoffe oder Konservierungsmittel. Im Zusammenhang mit Tätowierungen können laut BfR Infektionen, Narbenbildung oder allergische Reaktionen auftreten. Auch seien Langzeitwirkungen von Tätowiermitteln weitgehend unbekannt. Nach Angaben des BfR sind rund zehn Prozent der Deutschen tätowiert, in der Altersgruppe der 16- bis 29-Jährigen liegt der Anteil sogar bei fast 25 Prozent.
Auch die Länder sehen Handlungsbedarf. Der Bundesrat will am Freitag nächster Woche über einen Antrag des Landes Baden-Württemberg beraten, wonach die Bundesregierung "kurzfristig strengere Regelungen für Tätowiermittel" erlassen soll. Zur Begründung heißt es in dem Antrag, von den derzeit eingesetzten Tätowierfarben gingen zum Teil erhebliche gesundheitliche Risiken aus. In Stichproben seien problematische Inhaltsstoffe, wie krebserregende Abbauprodukte organischer Farbmittel oder auch Farbstoffe, die keinerlei Gesundheitsprüfung durchlaufen haben, festgestellt worden.
In einer Internet-Umfrage der Universität Regensburg von 2008 mit 4500 tätowierten Teilnehmern gaben sechs Prozent anhaltende gesundheitliche Beschwerden an. Dazu zählten lang andauernde Schwellungen sowie ständige Reize, zum Beispiel durch Kontakt mit Textilien oder auch bei Lichteinwirkung. Auffällig war demnach, dass die Beeinträchtigungen bei bunten Tattoos häufiger auftraten als bei schwarzen.
In einer Stellungnahme hatte das BfR bereits im vergangenen Jahr auf die gesundheitlichen Risiken bei der Entfernung von Tätowierungen hingewiesen. Die in flüssigen Tattoo-Entfernern enthaltene Milchsäure sei haut- und schleimhautreizend und könne im schlimmsten Fall zu schweren Entzündungen der Haut und zu Narbenbildungen führen.
