Frankreich nimmt nach Säuglingstod Vitamin-D-Präparat vom Markt

Verabreichung mit Pipette soll zu Tod geführt haben

Nach dem Tod eines zehn Tage alten Säuglings wird in Frankreich ein Vitamin-D-Präparat vorübergehend vom Markt genommen. Die Medikamentenaufsicht ANSM erklärte am Mittwoch in Paris, es gebe einen "wahrscheinlichen Zusammenhang" zwischen dem Tod des Neugeborenen und der Verabreichung des Medikaments Uvestérol D. Als gefährlich gilt nicht die Flüssigkeit selbst, sondern ihre Verabreichung mit einer Dosierpipette, wie Gesundheitsministerin Marisol Touraine sagte.

Als Vorsichtsmaßnahme werde ein Verfahren eingeleitet, um das ausschließlich in Frankreich verkaufte Mittel vorübergehend aus dem Handel zu nehmen, erklärte die französische Medikamentenaufsicht. Das Verkaufsverbot dürfte "in den kommenden Tagen" in Kraft treten.

Touraine rief Eltern dazu auf, ihren Kindern das bei Vitamin-D-Mangel verschriebene Präparat nicht mehr zu verabreichen. Sie betonte zugleich, andere Präparate mit Vitamin D seien von der Warnung nicht betroffen.

Ein Neugeborenes hatte am 21. Dezember im Elternhaus akute Atemnot bekommen und war an einem Atem- und Herzstillstand gestorben, nachdem es das vom französischen Pharmaunternehmen Crinex hergestellte Uvestérol D bekommen hatte. Das flüssige Medikament wird Babys mit einer Dosierpipette, die einer Spritze ähnelt, in den Mund gegeben.

Immer wieder wurden Vorfälle gemeldet, bei denen Babys sich bei der Einnahme des Präparats schwer verschluckten. 2006 stellten die Gesundheitsbehörden Uvestérol D deswegen unter besondere Beobachtung und gaben Empfehlungen zur korrekten Anwendung ab. Im selben Jahr änderte Crinex die Art der Pipette. 

Das Pharmaunternehmen erklärte nun, sich am Donnerstag mit Vertretern der Gesundheitsbehörden zusammensetzen zu wollen. Dabei solle über eine neue Form der Verabreichung des Medikaments beraten werden. Nach Angaben der ANSM wurde seit der Markteinführung im Jahr 1990 noch kein Todesfall auf das Medikament zurückgeführt.

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