Bandscheibenschäden

Schlechte Haltung, mangelnde Bewegung, einseitige Belastung - der Druck auf die Wirbelsäule ist ein Risiko für die Bandscheibe. Wie lassen sich Beschwerden wirkungsvoll behandeln?

Bandscheibenschäden gehören zu den häufigsten Ursachen quälender Rückenschmerzen: Im Jahr 2004 wurden in Deutschland fast 70.000 Vorfälle operiert, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Neurochirurgie. Probleme an den Bandscheiben treten überwiegend an der Lendenwirbelsäule auf, seltener an den Halswirbeln und nur zu zwei Prozent an den Brustwirbeln.

Die Bandscheiben

Die Bandscheiben bestehen aus einem faserig aufgebauten Ring, in dem sich ein gallertiger Kern befindet. Sie liegen zwischen den Wirbelkörpern, machen die Wirbelsäule beweglich und wirken als eine Art "Polster". Zur Schädigung kommt es aus verschiedenen Gründen: Zu wenig Bewegung und vorwiegend sitzende Tätigkeit lassen Bauch- und Rückenmuskulatur schwächer werden. Die Wirbelsäule wird nicht mehr ausreichend stabilisiert und die Bandscheiben können sich vorwölben. Reißt der Faserring und tritt Gallertmasse aus, kommt es zum Bandscheibenvorfall. Auch wer zu viele Kilo auf die Waage bringt, riskiert Bandscheibenprobleme. "Übergewicht ist einer der wichtigsten Faktoren für die Fehlbelastung und vorzeitige Abnutzung der Bandscheiben", warnt Privatdozent Dr. Stefan Zausinger, Leiter der neurochirurgischen Wirbelsäulenchirurgie am Universitätsklinikum Großhadern in München.

Fehlbelastung und Bewegungsmangel

Wer schwere Gegenstände falsch anpackt oder zu gewichtige Lasten hebt, kann einen akuten Bandscheibenvorfall auslösen. Überlastungsgefahr besteht auch in der Schwangerschaft, weil der Körperschwerpunkt nach vorne verlagert ist und sich durch die Hormonumstellung vermehrt Wasser in den Bandscheiben einlagert. Sie verlieren an Stabilität, wodurch ein Vorfall des Gallertkerns begünstigt wird. Auch Unfälle können einen Bandscheibenvorfall zur Folge haben, beispielsweise ein Treppensturz. Seltener sind entzündliche Prozesse die Ursache der Bandscheibenprobleme.

Die richtige Diagnose

Nicht jede Bandscheibenveränderung muss zu Beschwerden führen. Die Symptome entstehen erst, wenn eine vorgewölbte Bandscheibe auf die umgebenden Nerven drückt. Häufig äußert sich das durch ziehende Schmerzen in einem Arm oder Bein, oft verbunden mit Gefühlsstörungen wie Kribbel- oder Taubheitsgefühlen. Drückt die Bandscheibe gegen das Rückenmark, ist eine zunehmende Schwäche beider Arme und Beine mögliche Folge. Bleibt der Druck auf die Nerven länger bestehen, können sogar Lähmungserscheinungen auftreten. In manchen Fällen geht die Kontrolle über Blasen- und Enddarmfunktion verloren. Gefühlsstörungen im Intimbereich, an der Innenseite der Schenkel sowie Lähmungen der Beine sind typische Zeichen. Weil das Taubheitsgefühl im Bereich der Kontaktfläche eines Reiters mit dem Sattel auftritt, wird dieses auch Reithosenanästhesie (Anästhesie = Betäubung) genannt. Wichtig für die Diagnose sind zunächst die Krankengeschichte des Patienten und eine orthopädisch-neurologische Untersuchung. In vielen Fällen lässt sich darin schon mit großer Wahrscheinlichkeit sagen, an welcher Stelle sich die Bandscheibe vorwölbt. Eine Computer-Tomographie(CT) oder eine Kernspin-Tomographie (MRT) der betroffenen Wirbelsäulenregion kann die Diagnose bestätigen oder widerlegen. "Bandscheibenvorfälle, die nicht mit einer Lähmung, Blasen- oder Mastdarmstörung einhergehen, sollten immer zuerst konservativ behandelt werden - also ohne Operation", rät Zausinger. Früher wurde den Schmerzgeplagten erst einmal Bettruhe verordnet - das ist heute kein Thema mehr. Ganz im Gegenteil: Gezielte Bewegung gehört von Anfang an zur Behandlung. In der Physiotherapie lernen die Patienten, sich möglichst schmerzfrei zu bewegen. Anfangs funktioniert das oft nur mit Schmerzmitteln und Medikamenten zur Muskelentspannung.

Quelle:
http://www.gesundheit.dekrankheiten/knochen-und-gelenke/ruecken-und-wirbelsaeule/bandscheibenschaeden