Die Zahngeschichte, der Zahn in der Moderne

Funktionierende Beißwerkzeuge sind zu allen Zeiten und in allen Kulturen der Inbegriff von "Wellness" gewesen.
Zeige mir deine Zähne und ich sage dir, wer du bist. In der modernen Mediengesellschaft gilt es als Selbstverständlichkeit, dass die dauerlächelnden Moderatoren im Fernsehen mit einem strahlend weißen, makellosen Gebiss glänzen. Aber auch in der geheimnisumwitterten Frühzeit des Menschen spielten funktionierende Beißer eine gewichtige Rolle. Der Grund liegt auf der Hand: Lange bevor der Mensch den ersten Faustkeil, den ersten Speer oder irgendein anderes Werkzeug ergriff, war ein Multifunktionswerkzeug immer dabei - das Gebiss.
"Zahnärzte" der Frühzeit
Schon vor 8000 Jahren gab es Zahnärzte. Nach neuesten archäologischen Erkenntnissen wurden in Mehrgarh, einer Ausgrabungsstätte im heutigen Pakistan, defekte Zähne mittels Ausbohrens behandelt. Vom "Zahnwurm" war auch im 2. Jahrtausend v. Chr. in Mesopotamien die Rede. Eine Tontafel mit babylonischer Keilschrift zeugt davon. Sie ist heute im British Museum in London aufbewahrt. Im Alten Testament ist die Formulierung "Auge um Auge, Zahn um Zahn" beredter Ausdruck der Bedeutung, die den Beißwerkzeugen zugemessen wurde. Es hätte ja auch Ohr um Ohr, Nase um Nase oder Arm um Arm heißen können. Erste Beschreibungen von Unregelmäßigkeiten der Zähne finden sich dann bei Hippokrates (25 v.-50 n. Chr.). Celsus empfiehlt die Entfernung von Milchzähnen bei Durchbruch permanenter Nachfolger (129-199 n. Chr).
Das Mittelalter: Geburtsstunde der Angst vorm Zahnarzt
Im Mittelalter waren es die so genannten Bader, die für die Zahnbehandlung zuständig waren. Zu deren Aufgabenbereich zählte aber auch das Schneiden von Nägeln, von Bart und Haupthaar sowie der Verkauf zweifelhafter Tränke und Tinkturen. Wer sich vom Leben der Bader ein Bild machen möchte, dem sei z.B. Noah Gordons Roman "Der Medicus" zur Lektüre empfohlen. Die Bader waren umherziehende Handelsleute, die mangels technischen Geräts meist zur Zange griffen. So zeigt es z.B. "der Zahnbrecher" aus dem Ständebuch von Jost Ammann mit Versen von Hans Sachs (1568, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg). Die auch heute noch verbreitete Angst vorm Zahnarzt wurzelt vermutlich in diesen finsteren Zeiten.
Der Zahn in der Moderne
Mit der Elektrizität und dem Elektromotor kam der Fortschritt auch in die Zahnarztpraxis. Im 20. Jahrhundert jagte auch im Bereich der Zahnheilkunde eine Entdeckung und Neuerung die andere. Seit einigen Generationen ist vorbeugende Pflege wie das Zähneputzen von Kindesbeinen an eine Selbstverständlichkeit. In weiten Teilen der Bevölkerung gehört es ebenso zum guten Ton, dass Fehlstellungen des Gebisses bei Kindern und Jugendlichen durch das Tragen einer Spange und eine Vielzahl anderer kieferorthopädischer Maßnahmen frühzeitig korrigiert werden. Doch gerade in der modernen Freizeitgesellschaft droht den Zähnen nun von einer anderen Seite Gefahr.
Autor/Quelle: proDente

